Daniel Albrecht will nicht mehr

SKI ALPIN. Der Walliser Daniel Albrecht erklärt seinen sofortigen Rücktritt vom Spitzensport. Der Weltmeister in der Kombination von 2007 stürzte 2009 im Abfahrtstraining in Kitzbühel schwer und kämpfte seitdem um die Rückkehr an die Spitze.

Christof Krapf/Zürich
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Daniel Albrecht zeigt ein Video. Ein Video, in dem er schnell Ski fährt, Podestplätze und Siege bejubelt. Dann folgt der Bruch – sowohl im gezeigten Film als auch in der Karriere von Albrecht. Der Walliser fährt im Training mit vollem Tempo auf den Zielsprung der Hahnenkamm-Abfahrt in Kitzbühel zu. Gerät in der Luft in Rücklage und schlägt Augenblicke später hart auf der Piste auf. Das war im Januar 2009. Nach dem Sturz auf der Streif liegt der Walliser dreieinhalb Wochen mit einem Schädel-Hirn-Trauma im Koma und kann das Spital erst drei Monate später verlassen.

Gestern – viereinhalb Jahre später – erklärt der 30-Jährige an einer Medienkonferenz in Zürich seinen sofortigen Rücktritt vom Spitzensport. Seit 2009 hat er um seine Rückkehr an die Weltspitze gekämpft. Hat zuerst die Rehabilitation überstanden, dann erste Versuche auf den Ski gemacht. Alles für das Comeback getan, obwohl die Ärzte nicht daran glaubten, dass Albrecht je wieder auf höchster Stufe mithalten können wird. Anfang Dezember 2010 startet er trotzdem wieder im Weltcup: Rang 21 im Riesenslalom von Beaver Creek. Albrecht scheint zurück, eine Spitzenplazierung nur eine Frage der Zeit zu sein. Die Rückkehr gerät jedoch ins Stocken. Der Walliser tut sich schwer, fällt oft aus, klagt über Konzentrationsschwierigkeiten. Im vergangenen November folgt ein weiterer Rückschlag. Im Abfahrtstraining von Lake Louise stürzt er erneut und zieht sich einen Innenbandriss im linken Knie zu – die Saison ist gelaufen. 13mal startet Albrecht nach seinem Sturz in Kitzbühel noch im Weltcup – vor allem im Riesenslalom. Nur dreimal erreichte er den zweiten Lauf. Im vergangenen Frühling schliesslich streicht Swiss Ski den Walliser aus seinen Kadern.

Vielversprechender Beginn

Albrechts Karriere hatte einst vielversprechend begonnen. 2007 wurde der bereits dreifache Juniorenweltmeister im schwedischen Are Weltmeister in der Superkombination. Im darauffolgenden Winter gewann er in der Superkombination von Beaver Creek sein erstes Weltcuprennen; drei Tage später folgte am gleichen Ort der Sieg im Riesenslalom. Albrecht hätte einer der ganz Grossen im Skisport werden können. Wäre da nicht dieser Unfall gewesen. Mit dem Schicksal hadert der 30-Jährige aber nicht: «Ich bin die Streif heruntergefahren. Und ich bin schnell gefahren. Deshalb bin ich auch verantwortlich, dass ich stürzte.»

Albrecht sagt, er habe alles probiert, um an die Spitze zurückzukehren. Deshalb spricht er im Zusammenhang mit seinem Rücktritt nicht von aufgeben. «Ich habe keine Lust mehr. Mir fehlt die Energie, um weiterzukämpfen.» Der vierfache Weltcupsieger sagt dies, obwohl er bei seinem Rücktritt noch daran glaubt, dass er es zurück an die Spitze geschafft hätte. Albrecht sagt: «Für das Bild eines für mich guten Skifahrers müsste ich andere Farben haben – Farben, die mir aber fehlen.»

Rücktritt als gesunder Mensch

Trotz Rücktritt wirkt Albrecht glücklich. «Ich höre als gesunder Mensch auf und habe das Leben vor mir.» Er ist froh, dass er es viereinhalb Jahre lang versucht hatte, wieder im Weltcup Fuss zu fassen. «Ich wollte es probieren und selber entscheiden, wann ich zurücktrete. Nun will ich nicht mehr.» Im vergangenen Sommer spürt er, dass er genug hat von der Schinderei in der Vorbereitung. Auch wenn ihm Trainerlegende Karl Frehsner anbietet, mit ihm als Privatteam zu arbeiten. Anstatt Skikarriere nimmt sich Albrecht nun aber eine Auszeit, um sich neu zu orientieren. Ein zweites Standbein hat er sich schon vor dem Unfall mit seiner Kleidermarke aufgebaut. Ob er dereinst als Trainer oder Funktionär in den Skisport zurückkehren wird, lässt er offen. Definitiv ist aber, dass der Rennfahrer Albrecht in Zukunft nur noch auf Video zu sehen sein wird.

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