«Da sitzt einer am Werktisch und sägt»

KREUZLINGEN. Heute wird im Kunstraum Kreuzlingen eine umfangreiche Werkschau mit Skulpturen des bislang weitgehend unbekannten Künstlers Anton Teppert eröffnet.

Brigitte Elsner-Heller
Drucken
Teilen
Skulpturen Anton Tepperts im Kunstraum Kreuzlingen. (Bild: Brigitte Elsner-Heller)

Skulpturen Anton Tepperts im Kunstraum Kreuzlingen. (Bild: Brigitte Elsner-Heller)

Anton Teppert hatte höchste Ansprüche an die Qualität dessen, was er gestaltete, sagt seine Tochter Beate Willauer im Kunstraum Kreuzlingen. Einen inneren Drang, sich zu exponieren, habe ihr Vater jedoch nie gehabt. Und so kommt es, dass das Werk Anton Tepperts, der am 3. Mai dieses Jahres im Alter von 88 Jahren verstorben ist, weitgehend unbekannt geblieben ist.

Werk geschlossen erhalten

Neben seiner Tochter ist es jetzt der Galerie Mera in Schaffhausen, dem einstigen New Yorker Galeristen Tom Zöllner und Richard Tisserand, Kurator des Kunstraums Kreuzlingen, anzurechnen, dass erstmalig eine Gesamtschau über das geschlossen wirkende Schaffen Anton Tepperts realisiert worden ist. Heute wird die Ausstellung im Kunstraum eröffnet, in der Skulpturen aus 40 Schaffensjahren präsentiert werden. Sie reflektieren die intensive Auseinandersetzung Tepperts mit Konkreter Kunst. Reto Müller hat dazu eine Szenographie entworfen, die in ihrer Leichtigkeit den passenden Rahmen abgibt.

Auch wenn es zentrales Anliegen ist, den ausgebildeten Goldschmied und Bildhauer, der im Brotberuf Zeichnen an der Hanauer Goldschmiedeschule unterrichtete, als Künstler bekannt zu machen, geht es auch darum, das Werk geschlossen zu erhalten.

Nachdem das Werkarchiv, das Teppert 2008 seiner Tochter übereignet hatte, von Elisabeth Grossmann (bis 2005 Direktorin am Haus Konstruktiv) gesichtet worden ist, wendet man sich nun gut vorbereitet an die Öffentlichkeit. Ein druckfrischer Katalog unterstützt dieses Ansinnen. Man muss sich wohl einen nachdenklichen Mann vorstellen, der sich in seine Kunst versenkt wie in eine Meditation. Anders ist nicht vorstellbar, wie diese Synthese aus handwerklicher Fertigkeit und Durchdringung räumlicher Konstellationen als Ausdruck einer geistigen Haltung zustande kommen kann.

Blütenweisser Mantel

Beate Willauer beschreibt in einem Katalogbeitrag ihre Erinnerungen an den Klang des Sägens: «Sägeschnittgeräusche. Tag für Tag, Abend für Abend, wochenends und feiertags. Da sitzt einer an seinem Werktisch im blütenweissen Arbeitsmantel und sägt.» Kunst zu schaffen: Für Anton Tappert wird das immer wieder auch ein festlicher Anlass gewesen sein, eine blütenweisse Erfahrung.

Die meisten seiner Arbeiten hat er in Metall ausgeführt, hat geometrische Formen dreidimensional aufgefächert und nicht selten auch farblich gefasst. Respekt nötigen auch jene Objekte ab, bei denen gespannte feine Fäden wie Schraffuren in den Raum ausgreifen und dabei neue Linienführungen durch die jeweiligen Überkreuzungen entstehen. Messing oder Kupfer werden unter den Händen Anton Tepperts geschmeidig wie Papier, alles zeugt von Perfektion.

Er hat sich mit der zeitgenössischen Kunst auseinandergesetzt – und ist eigenständig geblieben. «Es ist durch die Jahrtausende eine immer wieder bestätigte Tatsache, dass das […] teuerste Gut, für das es sich einzusetzen lohnt, die Freiheit in allen Bereichen ist, insbesondere in denen des Geistigen.» So hat Anton Teppert es vor zehn Jahren ausgedrückt.

Vernissage: Fr, 23.5., 19.30, Bodanstrasse 7a, Kreuzlingen

Fr 15–20, Sa/So 13–17 Uhr; bis 6.7.

So, 15.6., 11.00: Gespräch

Tiefparterre: Timo Ullmann; bis 6.7.

Aktuelle Nachrichten