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MotoGP-Legende Stefan Dörflinger erinnert sich zurück: «Da liegen Welten dazwischen»

Stefan Dörflinger (70) wird als erster Schweizer in die MotoGP-Hall-of-Fame aufgenommen. Im Interview erzählt er, weshalb er nie in die Königsklasse aufstieg, und er erinnert sich, wie man das doppelte Startgeld erhielt.
Valentin Oetterli / sda
Das waren noch Zeiten, das waren noch Töffli: der Basler Stefan Dörflinger vor 36 Jahren als Nummer 1. (Bild: Keystone, Monza, 24. April 1983)

Das waren noch Zeiten, das waren noch Töffli: der Basler Stefan Dörflinger vor 36 Jahren als Nummer 1. (Bild: Keystone, Monza, 24. April 1983)

Stefan Dörflinger ist mit vier WM-Titeln der erfolgreichste Schweizer Motorradrennfahrer in einer Solokategorie. Der in Birsfelden wohnhafte Basler gab 1973 sein GP-Début. Er wurde in den Achtzigerjahren je zweimal Weltmeister in der 50- und 80-ccm-Klasse. Im August 1990 trat der 18-fache GP-Sieger zurück. Morgen wird der 70-jährige Dörflinger anlässlich des Grand Prix von Deutschland auf dem Sachsenring als 30. Fahrer – und erster Schweizer – in die «Hall of Fame» des MotoGP-Sports aufgenommen. Diesem exklusiven Kreis gehören unter anderen Motorradlegenden wie Giacomo Agostini, Angel Nieto, Mick Doohan und Mike Hailwood an.

Sie gehören ab morgen offiziell zu den MotoGP-Legenden. Das ist wohl kaum etwas, was Sie noch vor einem Jahr erwartet hätten, nicht wahr?

Stefan Dörflinger: Keineswegs. Als ich Ende letztes Jahr telefonisch davon erfuhr, war ich ­erstaunt. ‹Hoppla›, dachte ich, denn in dieser Hall of Fame sind ja bislang nur gut zwei Dutzend Leute. Neunzig Prozent davon sind 500er- oder MotoGP-Fahrer. Doch mein langjähriger Konkurrent in den unteren Klassen, Jorge Martinez, wird Ende Saison in Valencia auch aufgenommen.

Fahren Sie überhaupt noch Motorrad?

Nein. Aber das schon seit meinem Rücktritt nicht mehr. Auch während meiner Aktivzeit bin ich neben den Rennen ausser auf dem Motocross-Töff fast nie auf dem Motorrad gesessen. Zwar erhielt ich von einem damaligen Sponsor jedes Jahr die neuste Strassen-Ducati vor die Tür gestellt, aber gefahren bin ich diese eigentlich nie.

Und was ist mit den Motorrad-Grands-Prix – schauen Sie sich diese an?

Die Rennen schaue ich regelmässig, aber nur am Fernsehen. Vor Ort war ich seit 1990 nur noch zweimal. Kurz nach meinem Rücktritt musste ich beruflich einmal nach Hockenheim, wo ich aber die Rennen nicht schaute. Dazu war ich einmal 2004 in Valencia als eingeladener Gast dabei.

Was halten Sie von Ihren Nach-Nachfolgern, Tom Lüthi und Dominique Aegerter, den momentan einzigen Schweizern in der Strassen-WM?

Leider sind es nur noch zwei. Früher gab es Jahre, da fuhren in den diversen Kategorien insgesamt wohl mehr als 15 Schweizer. Von den aktuellen Fahrern kenne ich nur Lüthi. 2005 war ich bei seiner Weltmeisterfeier in Linden. Ich verfolge aus der Ferne, wie es den beiden läuft.

Sie nahmen von 1973 bis 1990 an 159 Grands Prix teil, 18 davon gewannen Sie, 58-mal standen Sie auf dem Podest. 1989, mit fast 41 Jahren, wurden Sie in der 80-ccm-Klasse noch WM-Zweiter. Wie war das möglich?

Meine Geschichte ist nicht mit heute zu vergleichen, da liegen Welten dazwischen. Heutzutage beginnt die Töffkarriere ja im ­Alter von etwa zehn Jahren. Wir hingegen mussten damals 18 Jahre alt sein und danach ein Jahr den Motorradausweis haben, bevor man in der Schweizer Meisterschaft in der Debütanten-Kategorie starten konnte. Bis du Grands Prix fahren konntest, warst du locker 22 oder 23 Jahre alt. Dafür aber hören sie heute – ausser vielleicht Valentino Rossi – auch um einiges früher auf.

Im heutigen GP-Rennsport auch undenkbar: Sie wurden von 1982 bis 1985 viermal hintereinander in der kleinsten WM-Kategorie Weltmeister. Warum stiegen Sie nicht in eine höhere Klasse oder gar zu den 500ern auf?

Damals spezialisierte man sich auf eine Klasse, und in dieser blieb man dann auch. Viele meiner grössten Konkurrenten, so beispielsweise auch der x-fache Weltmeister Angel Nieto oder Martinez, haben das so gehalten.

Kam dazu, dass der Rennsport damals ganz anders organisiert war. So waren Sie Ihr eigener Chef.

Ganz genau. Ich hatte mein eigenes Team mit dem Chefmechaniker und den Technikern. Wir waren immer so sechs, sieben Leute. Ich musste schauen, dass es läuft. Ein Aufstieg stand gar nie zur Diskussion.

Zumindest 125er-Rennen sind Sie aber regelmässig gefahren.

Ja. Auch immer wieder mit Erfolg. Zweimal war ich auf dem Podest, zudem regelmässig in den ersten zehn. Aber eigentlich hatten meine 125-ccm-Starts einen anderen Hintergrund: Damals erhielt man Startgeld. Wenn man in zwei Klassen startete, dann kriegte man eben das Doppelte. Es gab sogar Fahrer, so zum Beispiel Bruno Kneubühler, die starteten pro GP in drei Klassen.

Früher war es ...

... nicht besser oder schlechter, sondern einfach anders. Noch ein Beispiel: Pro Kategorie hatte es manchmal an den Trainingstagen über 60 Fahrer, nur gut die Hälfte erhielt fürs Rennen einen Startplatz. Selbst als Weltmeister oder WM-Führender kam man nicht um die Qualifikation herum.

Welcher WM-Titel und welcher Sieg war Ihr schönster?

Der erste Titel 1982 und der erste Sieg am 6. Juli 1980 jeweils im belgischen Zolder. Alle anderen waren dann Wiederholungen.

Was bedauern Sie im Rückblick?

Ganz sicher den einen wegen Stallregie verpassten WM-Titel.

Wann war das?

1980. Damals war ich noch in einem fremden Team und nur der zweite Fahrer hinter Ricardo Tormo. Von mir wurde verlangt, dass ich jeweils hinter dem Spanier ins Ziel komme. Erst wenn er stürzte oder Probleme hatte, durfte ich zufahren. Trotz zwei Siegen in den letzten zwei Saisonrennen fehlten mir am Ende zwei Punkte zum Titel. Es wäre mein erster gewesen, deshalb wurmte mich die Stallorder umso mehr.

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