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Schweizer Reiter verpassen Nationenpreis-Sieg im Stechen

Die Schweizer Equipe muss weiterhin auf den ersten Nationenpreis-Sieg im eigenen Land seit 19 Jahren warten. Steve Guerdat scheitert im Stechen, sodass wie im Vorjahr Frankreich als Gewinner am CSIO St. Gallen jubelt.
Peter Wyrsch, St. Gallen
Steve Guerdat (links) und Martin Fuchs auf Chaplin nach dem Nationenpreis in St. Gallen, den die Schweiz als Dritte beendet hat. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone (2. Juni 2019))

Steve Guerdat (links) und Martin Fuchs auf Chaplin nach dem Nationenpreis in St. Gallen, den die Schweiz als Dritte beendet hat. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone (2. Juni 2019))

Nach je zwei Umgängen jedes Equipenreiters totalisierten Frankreich, Italien und die Schweiz je vier Punkte. Ein Stechen musste entscheiden. Jedes Team durfte einen Reiter stellen. Die Einheimischen vertrauten dem Weltranglistenersten Steve Guerdat mit Bianca. Der sonst äusserst nervenstarke Jurassier scheiterte mit seiner Schweden-Stute am Einsprung in die Zweierkombination.

Da sowohl Guillaume Foutrier für Frankreich als auch Giulia Martinengo Marquet fehlerlos über die sieben Barragesprünge blieben, musste die Zeit über den Triumph entscheiden. Die Equipe Tricolore feierte den 16. Nationenpreis-Erfolg in St. Gallen mit einem Vorsprung von 45 Hundertstel vor Italien, dem Sieger des Mannschaftsspringen vor zwei Jahren. Der Schweiz blieb trotz ansprechenden Leistungen aller vier Teamreiter nur der enttäuschende dritte Rang. Der Favorit muss den angestrebten Nationenpreissieg weiter vertagen. Vielleicht klappt es 2020 am 24. Mai. Der CSIO St. Gallen wird im nächsten Jahr um eine Woche vorverschoben, damit man nicht vom CHIO Aachen konkurrenziert wird.

Die tolle Stimmung im Gründenmoos war nach dem verletzungsbedingten 20-minütigen Unterbruch nach dem Sturz des Brasilianers Stephan de Freitas Barcha und vor der Entscheidung zwar etwas gewichen. Die sportliche Spannung war aber intakt. GP-Sieger Guerdat musste als erster Reiter in die Barrage. Er hatte den Vorteil, dass seine Bianca nur einen Parcours in den Beinen hatte. Der dreifache Weltcupsieger verzichtete nach einem beeindruckenden Blankoritt im ersten Durchgang auf eine zweite Runde, da seine Kollegen zuvor alle fehlerlos ins Ziel gekommen waren. Besonders der Luzerner Paul Estermann vermochte mit Lord Pepsi zu überzeugen. Er war einer der sechs Reiter, die zweimal makellos sämtliche Klippen übersprungen hatten und sich die Zusatzprämie von 50000 Euro teilen durften. Martin Fuchs eröffnete mit Chaplin den Nationenpreis und verschätzte sich bei der Hauptfehlerquelle, dem Einsprung in die Zweierkombination vor dem Zelt des Uhren-Titelsponsors. «Ich hätte Chaplin etwas zurückhalten sollen. Der Fehler ärgert mich», meinte der WM-und Weltcupzweite.

Enttäuschter Schweizer Equipenchef

Auch der Luzerner Niklaus Rutschi beklagte im ersten Umgang mit dem Inländer Cardano einen Abwurf. Der Reiter aus Alberswil, der seine EM-Ambitionen beim Nationenpreis-Auftakt in La Baule mit zwei Blankoritten angemeldet hatte, scheiterte am mittleren Sprung in der Dreierkombination. Das Fazit von Equipenchef Andy Kistler: «Wir sind schon enttäuscht, dass wir den angestrebten Erfolg nicht realisieren konnten. Aber ich kann keinem Paar einen Vorwurf machen. Mit total vier Punkten aus zwei Umgängen hat man schon einige Nationenpreise gewonnen.»

Grosses Glück war dem gestürzten Brasilianer Stephan de Freitas beschieden. Dabei sah sein Sturz am letzten Hindernis der Dreierkombination schlimm aus. Der Reiter wurde vom Pferd am Kopf und an der Schulter getroffen, blieb minutenlang liegen und musste stabilisiert werden. «Er war aber stets bei Bewusstsein und ansprechbar», sagte FEI-Sportdirektor John Roche. «Zur Beobachtung und Abklärung wurde er mit der Ambulanz ins Spital gefahren. Er hatte Glück im Unglück.» Offenbar sind die Verletzungen im Schulterbereich nicht allzu schlimm.

Nationenpreis (2 Umgänge, 160 cm Hindernishöhe, Dotation 250000 Euro): 1. Frankreich (Leprevost/Vancouver 0+0, Foutrier/Valdocco 0+4, Delmotte/Urvoso 0+0, Staut/Calevo 4+4) 4 (0+4), Foutrier im Stechen 0/44,09. 2. Italien (Marquet/Elzsas 0+0, Pisani/Chaclot 4+4, Paini/Ottava 0+0, Marziani/Tokyo 0+Aufgabe) 4 (0+4), Marquet im Stechen 0/44,54. 3. Schweiz (Martin Fuchs/Chaplin 4+0, Niklaus Rutschi/Cardano 4+0, Paul Estermann/Lord Pepsi 0+0, Steve Guerdat/Bianca 0+Verzicht) 4 (4+0), Guerdat im Stechen 4/43,46. 4. Grossbritannien 16 (8+8). 5. Brasilien 22 (8+14). 6. Norwegen 33 (11+22). 7. Dänemark 42 (27+15). 8. Österreich 48 (22+26).

Internationale Prüfung (1 Umgang mit Stechen/145/30000 Franken): 1. Marschall (GER), Fenia, 0/37,89. 2. Estermann, Anaba, 0/38,15. 3. Fuchs, The Sinner, 0/38,75.

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