CSIO: Schnelle Iren, schlauer Guerdat

Die irischen Reiter mögen St. Gallen. Nach dem Nationenpreissieg im Vorjahr feiern die Iren im GP der Schweiz mit Bertram Allen und Richard Howley einen Doppelsieg. Derweil sichert sich der schlaue Steve Guerdat eine Sonderprämie.

Peter Wyrsch
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Fliegender Ire mit Knabengesicht: Bertram Allen gewinnt den Grand Prix im Gründenmoos. (Bild: Ennio Leanza/KEY)

Fliegender Ire mit Knabengesicht: Bertram Allen gewinnt den Grand Prix im Gründenmoos. (Bild: Ennio Leanza/KEY)

Peter Wyrsch

Der mit mit 200 000 Euro dotierte Grosse Preis der Schweiz bot bei Sonnenschein und gut besetzten Rängen am Sonntag erstklassigen Sport und enorme Spannung. 13 der 50 gestarteten Teilnehmer erreichten die Finalrunde, darunter sechs einheimische Reiter: 12 Paare kamen im selektiven Initialkurs mit 13 bis 160 cm hohen Hindernissen fehlerlos ins Ziel. Als schnellster Reiter mit einem Abwurf drang auch noch der Weltcup-Zweite Romain Duguet mit Twentytwo des Biches in die finale Passage und wurde letztlich noch Zehnter vor Janika Sprunger mit Aris und Niklaus Rutschi mit dem erst neunjährigen und noch «grünen» Inländer Cardano.

Paul Estermann rehabilitiert sich

Erst im letzten Ritt fiel die Entscheidung. Der erst 21-jährige und äusserst talentierte Ire Bertram Allen unterbot mit seinem Schimmel-Hengst Hector die Bestzeit seines überraschenden Landsmanns Richard Howley mit Chinook noch um 89 Hundertstel und sicherte sich das Sieggeld von 50 000 Euro. Der «Wonderboy» mit den dünnen Beinen und dem Knabengesicht überzeugt mit seiner inneren Ruhe und dem aussergewöhnlichen Instinkt. Der seit fünf Jahren in Hünxe am Niederrhein stationierte Ire kam mit Hector zu seinem bedeutendsten Sieg. «Wir zeigten die beste Vorstellung. Das Pferd war mit mir. Hector machte mir das Leben im Sattel leichter.» Eine besondere Genugtuung erfuhr auch Paul Estermann. Der Luzerner vermochte sich mit Lord Pepsi für sein enttäuschendes Resultat im Nationenpreis, als er zweimal das Streichergebnis lieferte, zu rehabilitieren. «Ich hatte schon am Freitag ein gutes Gefühl. Nur der Reiter war im Nationenpreis nicht so gut drauf. Wir sind aber zu zweit. Und diesmal verstanden wir uns besser. Pepsi machte einen Superjob, ist aber nicht der Allerschnellste. Wir versuchen stets, das Tempo zu beschleunigen, aber in den Kurven zieht er mir noch zu weit weg.»

Guerdat mit sieben fehlerlosen Runden

Steve Guerdat war der überragende Reiter des 22. CSIO in St. Gallen. Der Olympiasieger von London und zweifache Weltcupsieger vertraute im GP seiner Belgien-Stute Hannah und blieb wie die Tage zuvor auch in der wichtigsten Einzelprüfung fehlerlos. Mit sieben makellosen Runden knackte der sehr gefühlvoll reitende Jurassier den Jackpot und sicherte sich somit die Sonderprämie von 50 000 Franken. Im GP klassierte er sich, ohne das letzte Risiko einzugehen, als Fünfter, unmittelbar vor der ebenfalls fehlerlosen und überzeugenden Freiburgerin Christina Liebherr mit Eagle Eye. «Ich startete äusserst motiviert in den GP. Der Sieg hatte Priorität, nicht die Sicherheit. Hannah ist ein schnelles Klassepferd. Ein Missverständnis vor dem vierten Hindernis in der Finalrunde kostete uns wohl den Sieg. Ich hatte anderes im Kopf als im Auge», meinte der in Elgg wohnhafte Teamleader. Nach der kleinen Disharmonie drosselte der schlaue Guerdat die Pace. Er nahm etwas Tempo weg, «da ich wusste, dass die Bestzeit nicht mehr zu toppen war. Ich wollte nun lieber fehlerlos das Ziel erreichen und die Sonderprämie kassieren.» Cleverness unter Stress zeichnet den Schweizer Vorzeigereiter halt ebenfalls aus.

Viel Pech beklagte Martin Fuchs. Der Weltcup-Vierte aus Wängi konnte mit Clooney den 390 cm breiten Wassergraben nicht überqueren und schied aus. Zweimal verweigerte der Westfalen-Schimmel und drehte ab. Fuchs hatte gegen die Pferdeskraft keine Chance und muss bis zur EM von Ende August üben, damit er das Wasser überspringen kann.

Positive Bilanz der Schweizer Equipe

Der CSIO St. Gallen hat das gehalten, was man von ihm erwartet hat. Er bot bei Wetterglück und nicht ganz erstklassiger Beteiligung grossen Sport. «Auch unsere sportliche Bilanz fällt trotz nur eines Einzelsiegs (Philipp Züger auf Castus im Kleinen Jagdspringen, die Red.) positiv aus. Nach dem zweiten Platz im Nationenpreis drang die Hälfte unserer Reiter in die GP-Finalrunde vor, und einige Male resultierten Podest- und Ehrenplätze», bilanzierte Equipenchef Andy Kistler. Das EM-Team (Guerdat, Fuchs, Estermann, Duguet) steht wohl, und mit Christina Liebherr hat sich eine Reiterin als fünfte Kraft empfohlen.