Corona, Quarantäne und ein verhängnisvolles Mittagessen: Der FC Wil hat unruhige Wochen hinter sich

Nach fast drei Wochen Pause steigt Alex Frei mit seinem FC Wil in Thun wieder in die Meisterschaft. Der Trainer spricht von der Stimmung in seinem Team nach den Quarantänemassnahmen sowie von ärgerlichen Spielverschiebungen. Und er sagt, weshalb die Namen der infizierten Wiler Spieler nicht genannt wurden.

Ralf Streule
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FC-Wil-Trainer Alex Frei: «Wir wussten, dass es auch uns treffen kann. Wir waren vorbereitet.»

FC-Wil-Trainer Alex Frei: «Wir wussten, dass es auch uns treffen kann. Wir waren vorbereitet.»

Bild: Marc Schumacher/Freshfocus

Der FC Wil tritt heute um 18.15 Uhr beim FC Thun an. Nur: Dies interessiert im Mediengespräch am Tag vor dem Spiel nur am Rande. Denn in den vergangenen Tagen, ja Wochen, regierte im Klub das Thema Virus. Drei positive Coronatests führten vor zwei Wochen zu einer Quarantäne für fünf weitere Spieler und zur Verschiebung des Heimspiels gegen Winterthur. Damit wurden aus zwei Wochen Nationalmannschaftspause fast deren drei.

Eine Situation, die man mit Fassung getragen habe, wie Trainer Alex Frei sagt.

«Wir müssen die Situation akzeptieren, wir wussten, dass es auch uns treffen kann und waren vorbereitet. In diesen Zeiten muss man Flexibilität an den Tag legen.»

Die betreffenden Spieler wurden, quasi fürs Homeoffice, mit einem Trainingsprogramm beschäftigt. Auf die Stimmung in der Mannschaft habe die ganze Sache keine negativen Auswirkungen gehabt, auch weil die infizierten Spieler keinen schweren Verlauf zeigten, sagt Frei. Und weil die Spieler in Quarantäne nach negativen Tests schon nach wenigen Tagen wieder zum Team stiessen.

Der FC Wil in Quarantäne, der FC St.Gallen nicht

Fragen löste die Sache dennoch aus. Zum Beispiel: Weshalb wurden fünf Spieler des FC Wil in Quarantäne gestellt, während beim FC St.Gallen lediglich die Infizierten isoliert wurden und morgen Sonntag gespielt wird? Den Wil-Spielern, die in Quarantäne mussten, wurde ein gemeinsames Mittagessen mit den Infizierten zum Verhängnis, sagt Frei. Dem kantonsärztlichen Dienst wurde dieser Kontakt offen dargelegt – was zur Quarantäne führte. Der Umkehrschluss lautet: Beim FC St.Gallen dürfte es nicht zu ähnlich engen Kontakten gekommen sein.

Etwas Weiteres unterscheidet den Wiler Fall von jenem St.Gallens. Während der Super-League-Klub die Namen der Infizierten nach Rücksprache mit den Spielern nannte, verzichtete der FC Wil darauf. Was Frei nicht als Intransparenz bezeichnet haben will. Vielmehr gehe es um Daten- und Persönlichkeitsschutz. Und darum, die Sensationslust der Medien nicht zu stillen, wie er süffisant sagt.

Frei: «Spielverschiebungen erhöhen den Druck auf die Teams»

Frei möchte sich nicht mit der Frage aufhalten, weshalb ähnliche Coronafälle in verschiedenen Kantonen unterschiedlich beurteilt werden. Was ihn aber ärgert, ist die Wettbewerbsverzerrung, welche die Coronaverschiebungen grundsätzlich mit sich brächten. Dabei denke er nicht explizit an den FC Wil. «Wer mit wenigen Spielen und Punkten am Tabellenende liegt, kommt stark unter Druck – das wirkt sich negativ auf die Leistung aus.» Frei vermisst in diesem Zusammenhang klarere Leitplanken und Lösungsvorschläge seitens der Liga. Und Szenarien, welche den Teams etwas Druck wegnehmen würden. Er erwähnt zum Beispiel die Idee, in diesen Zeiten die Ligen aufzustocken, um Abstiege abzuwenden, die auf ebenjener Wettbewerbsverzerrung beruhten. Immerhin: Der FC Wil gilt – Stand jetzt – nicht als Abstiegskandidat. Womit die Kurve zum Sportlichen doch noch geschafft ist.

Der FC Thun hat sich unter Bernegger gefangen

Der FC Wil hat seine Punkte quasi päckliweise gesammelt. Auf zwei Siege zu Beginn der Saison folgten drei Niederlagen, dann drei Unentschieden. Damit liegt Freis Team in einer unübersichtlichen Tabelle auf dem drittletzten Rang, aber lediglich drei Punkte hinter dem Zweitplatzierten Lausanne-Ouchy.

Gegen den heutigen Gegner Thun konnten die Wiler in der zweiten Runde zu Hause mit 3:1 gewinnen. Diesmal sei die Situation gänzlich anders, sagt Frei. «Damals war der Absteiger verunsichert, das Team hat sich aber gefangen.» Diese Wandlung dürfte auch mit dem neuen Trainer Carlos Bernegger zu tun haben. Ihn kennt Frei aus Luzerner Zeiten. Frei holte, seinerzeit als Sportchef, Bernegger in die Innerschweiz. «Thun ist mit ihm defensiv sehr stabil geworden.» Chancenlos schätze er sein Team aber nicht ein, so Frei. «Unser Spielstil entwickelt sich.» Was sich auch im Testspiel gegen St.Gallen zeigte, als die Wiler ein 0:4 aufholten. «Wir müssen einfach noch lernen, von Beginn weg bereit zu sein.»