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Copa Libertadores «Superfinal» zwischen River Plate und Boca Juniors am falschen Ort

Die Argentinier erobern Madrid. Wider Willen müssen River Plate und Boca Juniors am Sonntag (20.30 Uhr) im Bernabeu-Stadion zumindest sportlich einen Schlusspunkt unter die Copa Libertadores setzen.
Heiner Gerhardts, Madrid (SID)
Carlos Tevez, im Zentrum des Boca-Teams, winkt den Fans in Madrid. (Bild: M. Fernandez/AP (8. Dezember 2018))

Carlos Tevez, im Zentrum des Boca-Teams, winkt den Fans in Madrid. (Bild: M. Fernandez/AP (8. Dezember 2018))

Allzu gross war die Umstellung für die Boca Juniors dann gar nicht. Starstürmer Carlos Tevez grinste breit, als er aus dem Teambus ausstieg und Dutzende johlende und hüpfende Fans vor dem Mannschaftshotel erblickte, die blau-gelben Schals wirbelten durch die Luft. Alles wie immer eigentlich. Doch nicht ganz: Denn der lautstarke Empfang fand nicht in der Heimat Buenos Aires, sondern in Madrid statt. Und die Spieler hatten einen über elfstündigen Flug in den Knochen, um endlich das Rückspiel um den Titel in der Copa Libertadores zu bestreiten.

Rund 10000 km von der Keimzelle aller Rivalität entfernt streiten am Sonntag (20.30 Uhr/Sport1) im Estadio Santiago Bernabeu, wo Real Madrid als amtierender König Europas regiert, River Plate und Boca Juniors um Südamerikas Klubkrone. Doch die Entscheidung, das Stadtderby von Buenos Aires zwischen dem Klub der Arbeiterklasse und Los Millonarios nach den Krawallen vom 24. November ins Ausland zu verlegen, stösst nicht auf besonders viel Gegenliebe.

Boca schaltet internationalen Sportgerichtshof ein

«Komisch, hier in Madrid zu sein», sagte Boca-Präsident Daniel Angelici nach der Landung. Der 54-Jährige setzte auch noch auf spanischem Boden bis kurz vor dem Spieltag alle juristischen Hebel in Bewegung. Nach der Abfuhr durch die Berufungskammer der Disziplinarkommission des südamerikanischen Fussballverbandes Conmebol für den Versuch, sich den Titel am Grünen Tisch zusprechen zu lassen, schaltete der sechsmalige Libertadores-Cup-Champion inzwischen schon den Internationalen Sportgerichtshof CAS ein.

Zwar lehnte die letzte sportrechtliche Instanz am Samstag einen gleichlautenden Eilantrag ab. Doch sollte Boca den Match in Madrid verlieren, geht das Duell damit in der Schweiz auch noch in die juristische Verlängerung.

Von Harmonie kann auch auf dem Rasen keinerlei Rede sein. Nicht zuletzt, weil eine feige Attacke von River-Fans mit Wurfgeschossen auf den Boca-Teambus vor dem eigentlich geplanten Rückspiel das nicht nur am Rio de la Plata als «Superfinal» angepriesene Endspiel der Copa Libertadores zur Farce gemacht hat. Dabei hatte das 2:2 im ersten Duell noch alle elektrisiert.

Desaster für den südamerikanischen Verband

Gerade für die Conmebol ist der Superclasico ein Desaster. Der Verband agierte am tragischen Wochenende chaotisch mit Verzögerung, Verschiebung und erst dann endgültiger Absage. Und nun also die Flucht in Spaniens Hauptstadt, nach Madrid.

«Wir treffen in Spanien die Neutralität an, die wir gesucht haben. Madrid hat alles, was für die Partie nötig ist», sagte Conmebol-Präsident Alejandro Dominguez: «Spanien ist das Land mit der grössten argentinischen Gemeinde ausserhalb der Heimat. Der Madrider Flughafen hat die meisten Verbindungen nach Lateinamerika.»

Mehr Polizisten als bei Real Madrid gegen Barcelona

Für die Sicherheitskräfte in Madrid ist der Argentinien-Klassiker schlicht «das Aufeinandertreffen mit dem grössten Risiko in der Geschichte der Stadt», wie die Zeitung El Pais schrieb. Deshalb kommen mehr Polizisten zum Einsatz als beim spanischen Clasico zwischen Real und dem Erzrivalen FC Barcelona. Ein Sicherheitsgürtel zwischen den beiden rivalisierenden Fangruppen soll Ausschreitungen verhindern.

Wenigstens können in Argentinien gebliebene Anhänger einen Sieg ihres Klubs wie gewohnt im Herzen von Buenos Aires feiern: Der «Obelisco» auf der zentral gelegenen Plaza de la Republica wurde von den Behörden für den Fan-Ansturm des neuen Libertadores-Cup-Gewinners freigegeben.

Allerdings müssen die in den Stadien der Vereine geplanten Public-Viewing-Events ausfallen: Wegen der brisanten Sicherheitslage verweigerte der Sicherheitschef der argentinischen Hauptstadt die Erlaubnis und sperrte die beiden Arenen.

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