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Argentiniens Fussballer ausgeschieden: «Hör nicht auf, es zu versuchen, Leo!»

Nach dem 0:2 gegen Brasilien im Halbfinal steht der Argentinier Lionel Messi mit seiner Selección weiter mit leeren Händen da.
Heiner Gerhardts (SID), Belo Horizonte
Trotzdem «ein Ausserirdischer»: Lionel Messi. (Bild: Ricardo Mazalan/Keystone)

Trotzdem «ein Ausserirdischer»: Lionel Messi. (Bild: Ricardo Mazalan/Keystone)

Es war wie immer. Der Schlusspfiff ertönte, Lionel Messi stand gedankenversunken und einsam im Mittelkreis. Bis Brasiliens Captain Dani Alves kam und den wieder einmal geschlagenen Superstar der Argentinier in den Arm nahm. Mitgefühl und Mitleid mit einem, der im Fussball alles gewonnen hat – nur keinen Titel mit seiner Nationalmannschaft.

Mit dem 0:2 (0:1) im Halbfinal der Copa América bleibt der fünfmalige Weltfussballer im himmelblau-weissen Nationaltrikot der Unvollendete. «Ungerecht», schimpfte der 32-Jährige voller Wut auf den Schiedsrichter. «Für sie pfiff er jede Kleinigkeit, für uns gab es nur gelbe Karten», reklamierte der Barcelona-Star. «Heute haben sie nicht einmal den Videobeweis herangezogen», meckerte Argentiniens Captain zudem erbost. Messi wollte in zwei Szenen Elfmeter für die Selección gesehen haben, Schiedsrichter Roddy Zambrano (Ecuador) liess jedoch weiterlaufen. «Wir haben ein grosses Spiel geliefert», war sich Messi dennoch sicher. Und um ein Haar hätte er der Seleçao im Mineirao von Belo Horizonte, wo Brasilien 2014 gegen Deutschland sein 1:7-Fiasko erlebt hatte, ein neues Trauma beschert.

Unermüdlich kurbelte Messi das Spiel der Gauchos mit teils spektakulären Aktionen an, er legte Sergio Agüero zu dessen Kopfball an die Latte (30.) auf, scheiterte selber mit einem Schuss am Pfosten (58.) und war hauptverantwortlich für das Torschussverhältnis von 13:4 zugunsten der Argentinier.

Argentinien gewann 1993 letztmals einen Titel

Deshalb flehte daheim auch das Sportblatt «Ole» auf seiner Onlineseite direkt nach Schlusspfiff: «Hör nicht auf, es zu versuchen, Leo!» Für Messi geht es am Samstag noch nach São Paulo zur ­Partie der Halbfinalverlierer um Platz drei. Vielleicht nächstes Jahr erneut zur Copa América, dann daheim in Argentinien. Und 2022 die WM in Katar. Der letzte Titel der Argentinier datiert von der Südamerikameisterschaft 1993.

Die Brasilianer treffen dagegen am Sonntag im Final im Maracana auf den Sieger des in der Nacht auf heute ausgetragenen zweiten Vorschlussrunden-Duells zwischen Titelverteidiger Chile und Peru. Die Seleçao kann die fünfte Copa América daheim am Zuckerhut gewinnen und strebt ihren insgesamt neunten Triumph beim ältesten Nationenturnier der Welt an.

Auch wenn der verletzt fehlende Superstar Neymar anschliessend zum Mitfeiern in die Kabine stürmte, auch wenn Brasiliens Staatspräsident Jair Bolsonaro sich auf einer halben Ehrenrunde bereits zur Halbzeit als «Mito» (Mythos) feiern liess: Nationaltrainer Tite vergass in der Stunde des Triumphs den Verlierer des Abends nicht und stellte für alle klar: «Messi ist ein Ausserirdischer.» Und freute sich über die Effizienz seines Teams. Gabriel Jesus (19.), der zuvor in fünf WM-Spielen und vier Copa-Auftritten leer ausgegangen war, sowie Liverpools Roberto Firmino (71.) verwandelten das mit fast 56'000 Zuschauern gefüllte Mineirao in einen Hexenkessel.

Am Ende gehörte die Bühne aber noch einmal Messi. «Wenn ich der Gruppe weiterhelfen kann, ja», beantwortete der «Unvollendete» die unvermeidliche Frage nach seiner Zukunft im Nationaltrikot. Viele Chancen auf einen Titel mit der Selección bleiben jedoch nicht mehr.

Brasilien – Argentinien 2:0 (1:0)
Belo Horizonte. – 55 947 Zuschauer. – Tore: 19. Gabriel Jesus 1:0. 71. Roberto Firmino 2:0 – Bemerkungen: Brasilien ohne Neymar (verletzt). Pfostenschüsse von Agüero (29.) und Messi (56.).

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