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Rückkehr des Enfant Terrible: «Johnny Football» plant NFL-Comeback

Johnny Manziel war einer der hoffnungsvollsten Quarterbacks der NFL. Dann verlor er sich in einem Sumpf aus Exzessen und Skandalen. Nach zwei Jahren ohne Job arbeitet Manziel nun an der Rückkehr – in Kanada.
Nicola Berger
Will wieder zurück in die NFL: Jonny Manziel. (Bild: Michael Wyke/AP Photo (Texas, 27. März 2018))

Will wieder zurück in die NFL: Jonny Manziel. (Bild: Michael Wyke/AP Photo (Texas, 27. März 2018))

Die Zeit an der Universität kann wild sein, schon Filme wie «Road Trip» oder «American Pie 2» ­haben einen Lebensentwurf mit Sex, Drogen und Rock ’n’ Roll glorifiziert. Johnny Manziel, 25, wirkte lange wie eine aus jenen Kultfilmen der 1990er-Jahre entsprungene Figur. Der Quarterback war am College von Texas A&M ein Star, ihm flogen die Herzen der Footballfans und der Frauen zu, er genoss sein Dasein in vollen Zügen. 2012 gewann er die Heisman Trophy, die den wertvollsten Spieler im Land auszeichnet. Im Milliardenmarkt College Football wurde er zu einer so grossen Attraktion, dass er 2013 seinen Spitznamen «Johnny Football» markenrechtlich schützen liess.

Die ganz grosse Karriere schien vorgezeichnet, Manziel hatte alles, um auch in der National Football League zum Star zu werden: die Wurfkraft, das ­Talent, die Vista, die Athletik. Die Cleveland Browns wählten ihn 2014 an 22. Stelle des NFL-Drafts aus. Immer noch in der ersten Runde, aber viel später, als sein Talent es eigentlich geboten hätte. Die Fachwelt war sich darüber einig, dass Manziel zu den besten fünf Spielern seines Jahrgangs gehörte. Aber seine Persönlichkeit galt als zu grosses Risiko, er polarisierte enorm. Schon 2012 war er nach einer Schlägerei in einer Bar in Texas festgenommen worden, ihm wurde ein Alkoholproblem nachgesagt. Es gab Scouts, die ihn für «nicht draftbar» hielten, er sei faul, egozentrisch, und nur an Partys interessiert. Barry Switzer, der frühere Coach der Dallas Cowboys, nannte ihn «einen überheblichen Scheisskerl».

Lange Liste an Fehltritten

Es sollte nicht lange dauern, bis ihm in Cleveland viele zustimmten. Zwar verkündete Manziel noch am Tag des Drafts, er wolle «die Liga demolieren». Doch er zerstörte nur seine Karriere, er konnte mit all dem Geld und Ruhm nicht umgehen, die Hybris nahm überhand. Er leistete sich so viele Fehltritte: 2015 warf er bei einem Golfturnier eine Wasserflasche nach einem Fan, der ihn nach einem Autogramm ­gebeten hatte. Er verpasste ­Termine, weil er oft feiern ging. Eine Ex-Freundin bezichtigte ihn, ihr mit dem Tod gedroht zu haben.

Nur 15 Mal lief Manziel für die Browns auf, bevor er im März 2016 entlassen wurde. Sein Leben war aus den Fugen geraten. Besser wurde es vorderhand nicht. Die Eltern versuchten, Manziel in eine Entzugsklinik einzuweisen, er weigerte sich. Stattdessen wurde ihm in Los Angeles vor laufenden Kameras ein Gerichtsbeschluss zugestellt, während er mit Freunden im Ausgang war. Ihm blieb wenig erspart.

Zweijahresvertrag in Hamilton

Es dauerte, bis es ruhiger wurde um Johnny Manziel. Er begab sich in Behandlung, heiratete, bat öffentlich um Vergebung für seine Vergangenheit und sagte, er leide an einer bipolaren Störung. Erst am Wochenende trat der Quarterback zurück ins Scheinwerferlicht. Nach mehr als zwei Jahren ohne Job startete Manziel seinen Comebackversuch und unterschrieb bei den Hamilton Tiger-Cats einen Zweijahresvertrag, der ihm pro Jahr 121000 Dollar plus Prämien einbringt. Die Tiger-Cats spielen in der Canadian Football League (CFL), einer zweitklassigen Liga mit überschaubarem Niveau und nur lokaler Bedeutung. Doch ­Hamilton soll für Manziel die Brücke sein, die ihn zurück in die NFL führt. Aber der Weg ist steinig: Zumal er bei den Tiger-Cats zunächst einmal nur als Nummer 2 vorgesehen ist.

Offiziell vorgestellt wurde Manziel am Samstag auf einer viel beachteten Medienkonferenz in Hamilton. Er zeigte sich geläutert und versprach harte ­Arbeit – und trat trotzdem in den nächsten Fettnapf: Er schwärmte von der «grossen Tradition der Tiger-Cats», und fügte an: «Ihr wisst schon, die 15 Meistertitel.» Nun hat Hamilton den Grey-Cup dummerweise erst acht Mal gewonnen, aber vielleicht ist das ­sekundär, weil es um etwas anderes geht: Dass ein junger Mann nach Jahren des irrlichternden Vagabundentum zurück ins Profigeschäft gefunden hat. Und ab Juni wieder jenen Sport ausübt, den er einmal geliebt hat.

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