COMEBACK: Das Denkmal bröckelt

Nach einer zweimonatigen Verletzungspause ist Mathias Seger von den ZSC Lions zurück auf dem Eis. In seiner letzten Saison vor dem Karriereende wird dem Routinier aus Flawil aber nichts geschenkt.

Sergio Dudli
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Mathias Seger absolviert seine 22. und letzte Saison in der NLA. (Bild: Freshfocus)

Mathias Seger absolviert seine 22. und letzte Saison in der NLA. (Bild: Freshfocus)

Sergio Dudli

Zwischen St. Gallen und Zürich gibt es viele Rivalitäten: Bratwurst ohne Senf gegen Bratwurst mit Senf. Ostschweizer Dialekt gegen «Züritüütsch». Der FC St. Gallen gegen die Grasshoppers und den FC Zürich. Dass ein Ostschweizer im teils unbeliebten Nachbarkanton als Held und Symbolfigur gefeiert wird, ist daher eine Seltenheit. Mathias Seger von den ZSC Lions hat das geschafft. «Das liegt wohl daran, dass ich mich über Rapperswil angeschlichen und den Dialekt etwas angepasst habe», sagt der Flawiler. «Nein, Scherz beiseite: Es hat sicher damit zu tun, wie lange ich schon da bin. Clubtreue ist etwas, das im Sport nicht mehr an vorderster Front steht.» Der 39-Jährige steht seit 1999 für die Zürcher auf dem Eis, war während zwölf Jahren Captain und gewann fünf Meistertitel. «Ich wollte meine Tugenden – die Kampfbereitschaft und die richtige Arbeitsmoral – hier einbringen. Zudem war es immer mein Ziel, dass sich die Spieler mit dem Verein identifizieren.» Diese Punkte habe er stets vorgelebt.

Was wie die perfekte Geschichte klingt, bekam aber bereits vor der Saison erste Risse. Nach einer durchzogenen Spielzeit, in der Seger nicht mehr erste Wahl in der Verteidigung der Lions war, setzten ihn die Verantwortlichen als Captain ab. Seger nimmt seine Degradierung sportlich: «Ich habe weniger Verantwortung, sei es auf dem Eis oder auch in organisatorischen Dingen. So kann ich mich in meiner letzten Saison besser auf mein Spiel konzentrieren.»

In der dritten Linie Richtung Karriereende

Nachdem er zu Beginn dieser ­Saison keine tragende Rolle spielte, kam auch noch eine Ver­letzung dazu. In der Partie gegen Biel brach er sich die Hand, weil ihn eine Scheibe unglücklich traf. Knapp zwei Monate musste der Verteidiger pausieren. Das sei für einen Sportler immer eine schwierige Zeit. «Du bist zwar nahe bei der Mannschaft, aber doch nicht zu 100 Prozent ­dabei», so Seger. Tatenlos zu­zuschauen, fiel dem Mann mit den meisten NLA-Einsätzen in der Geschichte schwer. «Die Motivation zurückzukommen ist grösser als in jungen Jahren. Schliesslich ist es meine letzte Saison.»

Vergangene Woche gab Seger bei der 2:3-Niederlage im heimischen Hallenstadion gegen Langnau im dritten Verteidigungsblock der Zürcher sein Comeback. Dass er in seinen letzten Monaten als Eishockeyprofi keine tragende Rolle spielt, trägt er mit Fassung. «Logisch will jeder so viel Eiszeit wie möglich haben. Ich dränge mich im Training auf und nehme jene Minuten, die ich bekomme. Ich versuche, das Beste daraus zu machen.»

Die Karriere nach der Karriere

Auch wenn Seger, der am 17. Dezember 40 Jahre alt wird, nicht mehr die prägende Figur im Spiel der ZSC Lions ist, fokussiert er sich voll auf das Eishockey. In der Tabelle liegen die Zürcher deutlich hinter Leader Bern zurück. «Nachdem wir zweimal in Serie im Playoff-Viertelfinal ausgeschieden sind, ist unser Vertrauen angeknackst. Wir müssen zuerst wieder unser Niveau erreichen», so Seger. Er sehe das Team aber auf einem guten Weg. Der Wunsch, sich mit dem Titel zu verabschieden, sporne ihn an. «Für Titel spielen wir schliesslich, und das ist meine allerletzte Chance – die will ich nutzen.»

Was nach seiner aktiven Karriere kommt, lässt der Ostschweizer noch offen. Zuerst einmal möchte er Abstand vom Eishockey gewinnen. «Ich muss das Ganze sacken lassen. Dann bin ich bereit für meine zweite Karriere – ob das im Eishockey sein wird, weiss ich noch nicht.»