Colognas Dämpfer in der Heimat

Dario Cologna verliert beim Sprint im Val Müstair wichtige Sekunden auf die Spitze der Tour de Ski. Er liegt damit schon über eine Minute hinter Gesamtleader Petter Northug. In Toblach geht es für ihn nun bereits um alles oder nichts.

Ralf Streule/Tschierv
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SKI NORDISCH. Ein paar Sekunden lang hörte man nur noch das Plätschern des Bergbachs im Val Müstair. Der Speaker war verstummt, wie auch all die Rufe und die Kuhglocken am Loipenrand. Die vielen Cologna-Fahnen hingen schlaff im Wind. Als «König des Tals» war Dario Cologna vor ein paar Minuten durch die Lautsprecher noch angekündigt worden, als er in Tschierv an den Start zum Sprint-Viertelfinal gegangen war. Nun war er also ausgeschieden. In seiner Heimat. Der spätere Sieger Federico Pellegrino aus Italien und der Russe Evgenyi Belov hatten ihm keine Chance gelassen.

«Fehlende Sekunden tun weh»

Auch wenn unter den Zuschauern niemand richtig glauben wollte, dass der Langlauf-König in seinem eigenen Tal gestürzt worden war: Eine grosse Überraschung war es nicht. Schon vor der Tour de Ski hatte sich abgezeichnet, dass das Rennen im Münstertal – trotz Heimvorteil – am wenigsten auf den Olympiasieger zugeschnitten sein würde. In den ersten Weltcup-Sprints der Saison war Cologna bereits in der Qualifikation gescheitert, seine Stärken kann er derzeit vor allem über die längeren Distanzen ausspielen.

So zeigte sich der Münstertaler auch nur ansatzweise enttäuscht, als er Minuten nach dem Zieleinlauf Red und Antwort stand. «Natürlich habe ich mir ein Weiterkommen, mindestens in den Halbfinal, erhofft», sagte er. «Die fehlenden Bonussekunden tun weh.» Aber er habe gewusst, dass er über die Sprintdistanz noch nicht mit den Besten mithalten könne. Und die entscheidenden Rennen würden erst noch anstehen.

Spannt Spitze zusammen?

Colognas Hoffnung, dass direkte Konkurrenten wie Petter Northug oder Martin Johnsrud Sundby ebenfalls nicht bis nach ganz vorne vorstossen würden, erfüllte sich nicht. Die beiden Norweger mussten sich im Final auf der Zielgeraden nur Pellegrino geschlagen geben. Damit sicherten sie sich über 30 Bonussekunden mehr als Cologna, der letztlich 14. wurde. Der Schweizer liegt damit zwar weiter auf dem sechsten Gesamtrang, dies aber mit über einer Minute Rückstand auf Tour-Leader Northug. Damit steht Cologna morgen in Toblach beim 10-km-Rennen in klassischer Technik im Einzelstart unter Druck. Kann er nicht zur Spitze mit Northug, Sundby und dem Schweden Calle Halfvarsson aufschliessen, droht ihm ein schwieriges Verfolgungsrennen am Tag darauf. Über die 25 Kilometer könnte die Spitzengruppe zusammenspannen und weiteren Boden auf Cologna gut machen. Dass die beiden Norweger darauf durchaus spekulieren, verheimlichten sie gestern nach dem Rennen nicht.

Van der Graaff hebt Stimmung

Eine Enttäuschung setzte es auch für Gianluca Cologna ab. Auch der Sprintspezialist scheiterte im Viertelfinal, ebenso Erwan Käser und Roman Furger. So musste Laurien van der Graaff die Schweizer Zuschauer mit ihrem Finaleinzug bei Laune halten. Dort konnte sie nicht mit den Norwegerinnen Marit Björgen und Co. mithalten – nicht zum ersten und wohl auch nicht zum letzten Mal in dieser Saison.