Cologna in Lauerstellung

Dario Cologna lässt sich auch nach einem Sturz im Heimrennen in Tschierv die gute Laune nicht verderben. Heute startet er in Toblach aus vielversprechender zweiter Position ins 35 Kilometer lange Handicap-Rennen der Tour de Ski.

Jörg Greb/Tschierv
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Heimspiel für Dario Cologna: Bis zum Sturz im Final läuft für den 26jährigen Bündner im Sprint fast vor seiner Haustür in Tschierv alles nach Plan. (Bild: freshfocus/Urs Lindt)

Heimspiel für Dario Cologna: Bis zum Sturz im Final läuft für den 26jährigen Bündner im Sprint fast vor seiner Haustür in Tschierv alles nach Plan. (Bild: freshfocus/Urs Lindt)

SKI NORDISCH. Die imposanten Schneeberge hoben sich nur noch schwach ab vom zunehmenden Dunkel der Dämmerung. Doch die attraktiv angelegte, gut 700 Meter lange Runde rückte ins Zentrum. Flutlicht beleuchtete sie und bot die Möglichkeit, die weltbesten Langläufer in Tschierv in den Finalläufen hautnah zu verfolgen. Zu einem Spektakel erster Güte kamen die 6000 Zuschauer, und einer stand im Zentrum: Dario Cologna, der Einheimische.

Der Olympiasieger und dreifache Tour-de-Ski-Sieger wuchs in Tschierv auf. Und das brachte bei dieser zweiten Etappe die erhoffte Begeisterung. Ein Langlauf-Fest, wie es die Schweiz noch nie erlebt hat, spielte sich ab in der ersten Ortschaft nach der Ofenpasshöhe. «Dario Cologna, der König des Münstertals», strich Speaker Kjell-Erik Kristiansen immer wieder treffend heraus.

Kein Frust, trotz des Malheurs

Und wenig fehlte dazu, dass der Protagonist ganz gross auftrumpfte. Zweitbester war Cologna im Prolog, schneller war nur der schwedische Sprint-Spezialist Emil Joensson. Im Viertelfinal löste der Münstertaler seine Aufgabe souverän. Im Halbfinal zitterte er. Erst nach Konsultation des Zielfilms war klar, dass er im Final stand. Doch dort schien wieder alles möglich. Cologna wirkte selbstsicher. Nachdem er sich auf der ersten Runde zurückgehalten hatte, attackierte er im steilen Anstieg die führenden Finn Haagen Krogh aus Norwegen und Frederico Pellegrino aus Italien aggressiv. Aber er strauchelte. «Was genau geschah in diesem Augenblick, kann ich nicht sagen», sagte Cologna später, «wahrscheinlich trat ich mit dem Ski auf den Stock.» Weg war die Möglichkeit auf den Podestrang, allenfalls gar auf den Sieg. Rang vier aber konnte er sich dennoch zu erkämpfen.

Unglücklich aber zeigte sich der 26-Jährige hinterher kaum. «Mir glückte ein starkes Rennen, ich sicherte mir die erwünschten Bonussekunden, bin gesund, und die Formkurve steigt an,» strich er mehrere Punkte hervor. Er sagte immer wieder, wie er dieses Rennen praktisch vor der Haustür seiner Eltern genossen habe. Von «einer einzigartigen Superstimmung», sprach er und davon, dass «dieses Ganze schon sehr speziell gewesen ist».

Spannende Ausgangslage

Wegen des Missgeschicks aber hat Cologna die Übernahme der Leaderstellung des Zwischenklassements verpasst. Der Russe Maxim Wylegschanin, überraschender Zehnter dieses Sprints, startet heute mit 2,1 Sekunden Vorsprung ins längste Rennen dieser Tour von Toblach nach Cortina – über 35 Kilometer. «Diese Differenz bringt keinen Vorteil», ist Cologna überzeugt. Er geht davon aus, dass er und der 6,9 Sekunden später startende Norweger Petter Northug zum Russen aufschliessen werden. Die Aufgabe dieses Trios dürfte es sodann sein, das nachfolgende Duo – der Kanadier Alex Harvey und der Russe Alexander Lekow –, die 28 Sekunden nach dem Leader starten werden, in Schach zu halten. «Das Szenario passt mir», sagt Cologna und erinnert daran, dass ein Alleingang in der Etappe von heute kaum erfolgversprechend sein würde.