Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Collage über einen Collagisten

«Facetten», die Publikationsreihe der Kulturstiftung des Kantons Thurgau, beschäftigt sich in ihrer 13. Ausgabe mit dem Ermatinger Urs Graf. Gestern wurde die Publikation vorgestellt.
Mathias Frei
Drei Collagen, die Urs Graf angefertigt hat, und ein Bild vom Künstler selber an seiner Buchvernissage. (Bilder: Urs Graf/Mathias Frei)

Drei Collagen, die Urs Graf angefertigt hat, und ein Bild vom Künstler selber an seiner Buchvernissage. (Bilder: Urs Graf/Mathias Frei)

ERMATINGEN. Über der Höri liegt an diesem Sonntagvormittag ein dunstiger Wattebausch. Auf dem See vor Ermatingen ziehen Ruderer ihre Bahnen. Er habe sich dichten Nebel gewünscht, sagt Urs Graf. Dieser Wunsch wurde dem bald 69-Jährigen nicht erfüllt. Dafür ist ihm und seinem Werk das 13. «Facetten» der Kulturstiftung des Kantons Thurgau gewidmet worden.

«Facetten» versuche, Persönlichkeiten und Phänomene des Thurgauer Kulturlebens festzuhalten, erklärt der Stiftungsbeauftragte Klaus Hersche an der Buchvernissage in Grafs Wohn- und Atelierhaus. Die 12. Ausgabe von «Facetten» hatte sich mit Muda Mathis und Sus Zwick beschäftigt.

Der Blick über den Untersee

Vor einem Jahr tauchte der Name Urs Graf im Stiftungsrat der Kulturstiftung auf. Hersche konnte mit dem Namen vorerst nichts anfangen. Jahrgang 1942 und dann noch Zeichenlehrer. Als er dann eines Tages am Ermatinger Bahnhof stand, nach Grafs Haus suchte, sich telefonisch nach dem Weg erkundigte, habe eine rauchige Stimme am anderen Ende der Leitung gesagt: «Ich sehe sie von hier aus.» Hersche traf auf einen herzlichen Mann mit Schalk in den Augen. Und es wurde zur Gewohnheit, bei jedem Treffen in Grafs Haus, einem Quader aus Sichtbeton, den Blick zuerst über den Untersee schweifen zu lassen.

Graf ist denn auch als Künstler Beobachter und Sammler seiner Beobachtungen, die er unter dem Prinzip der Collage kompiliert, Sampling betreibt, die Erfahrungswelten remixt.

Erstickend grosser Fundus

«Es war langwierig, aber keinesfalls langweilig.» Hersche spricht über den Entstehungsprozess von «Facetten 13». Graf habe dabei sein Werk wiederentdeckt. Zum Vorschein sei ein Korpus gekommen, der für sich stehe, dabei auch viel über existenzielle Erfahrungen aussage: «Urs Graf NY88 + N.Y. 1990+91». Grafs Reaktion per Mail, als die Publikation ausgeliefert worden war: «Sehr schön. Ich freue mich.» Hersche freut sich über diese Lakonie.

Und grad noch weiter: Graf stellt fest, dass seine frühen Arbeiten gar nicht so schlecht waren. Darüber habe er gestaunt. Die Arbeiten an «Facetten» habe er zum Anlass genommen, eine Übersicht seines Werks zu erhalten. Und an diesem riesigen Fundus sei er beinahe erstickt.

Beobachtungen von unterwegs

Von einer extremen Lösung spricht Graf bei der Auswahl für «Facetten». Der zu sehende Bildzyklus stammt grösstenteils aus einem Skizzenbuch, das Graf während drei Aufenthalten in New York zwischen 1988 und 1991 begleitete. Er habe zeigen wollen, was ihn interessierte, wenn er unterwegs war. «Ich bin kein Graffiti-Künstler, aber Graffitis turnen mich an.» Ihn faszinieren die Kraft und Hemmungslosigkeit von Street-Art, wie reagiert und protestiert wird. Das präge ihn auch in seinem Prinzip der Collage.

Auch Sekundärliteratur

Neben den Collagen findet sich in der Publikation auch Sekundärliteratur journalistischer und kunsthistorischer Natur. Journalistin und Stiftungsrätin Kathrin Zellweger nähert sich unter dem Ausspruch einer Kioskfrau – «Vergessen Sie die Zeit nicht, Herr Graf» dem Künstler an. Eine schön sinnige Schau auf sein Leben. Dabei hält sie fest: «Die einzige Ordnung ist die Chronologie.» Des weiteren ein Aufsatz der Kunsthistorikerin und ehemaligen Kunstmuseum-Direktorin Elisabeth Grossmann, wo sie auf den Charakter von Grafs Skizzenbücher, seine Assoziationsfelder und seine ungeordnet vielstimmige Bildsprache zu sprechen kommt.

Und all dies zusammen, das Gehörte, Gesehene und Gelesene, kommt einer Collage gleich über einen Künstler, der collagiert.

Bezug von «Facetten 13»: www.kulturstiftung.ch

Legende

Legende

Legende

Legende

Legende

Legende

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.