Clubführung vertrödelt kostbare Zeit

Es war der Funke Hoffnung in einer tristen Zeit. Als Rapperswil-Jonas Abstieg besiegelt war, beteuerte Verwaltungsrat Konrad Müller, dass der St. Galler Eishockeyclub einen Plan B in der Schublade habe.

Matthias Hafen
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Es war der Funke Hoffnung in einer tristen Zeit. Als Rapperswil-Jonas Abstieg besiegelt war, beteuerte Verwaltungsrat Konrad Müller, dass der St. Galler Eishockeyclub einen Plan B in der Schublade habe. Die Anhänger durften darauf hoffen, dass der Gang in die Nationalliga B mit dem nötigen Ernst angegangen wird. Als Müller in der Stunde der Relegation auch noch verkündete, man werde die neue Herausforderung mit Elan annehmen und schon bald personelle Konsequenzen ziehen, tönte dies trotz des sportlichen Desasters verheissungsvoll. Heute sieht die Sache anders aus.

Zwei Wochen brauchte die Clubführung, um die Trennung von Geschäftsführer Roger Sigg und Sportchef Harry Rogenmoser bekanntzugeben. Fast zwei Wochen lang musste befürchtet werden, dass die Protagonisten, die für den grössten sportlichen Misserfolg der Clubgeschichte verantwortlich sind, bleiben dürfen. Begründet wurde die benötigte Zeit damit, dass bei einem Abstieg nach 20 Jahren NLA zuerst einmal alles gründlich analysiert werden müsse. Das widerspricht der Darlegung, dass der Club für den Gang in die Nationalliga B gerüstet war.

Rapperswil-Jona vertrödelte in den vergangenen Tagen wertvolle Zeit. Noch hat der Absteiger keinen neuen Geschäftsführer. Und noch immer ist offen, mit welchem Trainer die St. Galler das Abenteuer NLB in Angriff nehmen werden. Letzteres ist besonders verhängnisvoll, weil in diesen Tagen das Kader für die kommende Saison zusammengestellt werden muss. Welcher Spieler unterschreibt schon bei einem Club, wenn er noch nicht einmal weiss, wer sein Trainer sein wird? Im Fall von Rapperswil-Jona ist der Exodus deshalb in vollem Gang. Fast kein Tag vergeht, ohne dass Spieler den Club verlassen. Spieler, die in der NLB wichtige Pfeiler hätten sein sollen. Am Schluss wird sich der Absteiger noch am Ramschtisch bedienen müssen. Die Zeit, die Rapperswil-Jona jetzt verliert, ist nur sehr mühsam wieder aufzuholen, wenn überhaupt.

matthias.hafen@tagblatt.ch