Ciceks Traum lebt noch

FUSSBALL. Der Thurgauer Tunahan Cicek vom FC Winterthur hat eines der schönsten Tore des vergangenen Jahres erzielt. Nach einer schwierigen Zeit will der frühere Spieler des FC St.Gallen seine Karriere nun nochmals so richtig lancieren.

Daniel Walt
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Tunahan Cicek überspringt einen Gegenspieler. (Bild: VALERIANO DI DOMENICO (KEYSTONE))

Tunahan Cicek überspringt einen Gegenspieler. (Bild: VALERIANO DI DOMENICO (KEYSTONE))

Es gab einen Moment im Leben von Tunahan Cicek, als der Mittelfeldspieler nahe daran war, aufzugeben. Einst beim FC St.Gallen als Rohdiamant gehandelt, war sein Vertrag bei den Ostschweizern im Sommer 2013 ausgelaufen. Und zwar ohne dass der in Arbon aufgewachsene Cicek in der ersten Mannschaft hätte Fuss fassen können. Voller Hoffnung absolvierte der vertragslose Cicek ein Probetraining in der Türkei – und brach sich den Fuss. "Damals fragte ich mich, ob das mit dem Fussball nochmals etwas wird", sagt er.

Flanke volley verwertet
Es war die Familie, die Cicek den Antrieb gab, den Weg zurück auf sich zu nehmen. Der türkischstämmige Offensivakteur begann, für das Comeback zu schuften, kam im Frühling 2014 bei Winterthur in der Challenge League unter – und erzielte im vergangenen Frühling ein Traumtor: Gegen Schaffhausen verwertete Cicek vor dem Strafraum eine Flanke volley. Die Swiss Football League nahm Ciceks Treffer kürzlich prompt in den Reigen der zehn schönsten Tore auf, die 2015 in den beiden obersten Schweizer Ligen fielen.

In den Final der prächtigsten drei Tore hat es Ciceks Treffer letztlich nicht geschafft – zu gross war die Konkurrenz durch Super-League-Spieler wie etwa Guillaume Hoarau von den Young Boys. "Die Nomination machte mich und meine Familie aber stolz", so der 23-Jährige, der an der Gala-Nacht vom kommenden Montag dafür eventuell den Sprung ins Dream Team der Challenge League schaffen wird.

Das fehlende Selbstvertrauen
"Wenn man in einer solchen Situation nachdenkt, ob man den Ball nicht doch besser annimmt, hat man schon verloren", sagt Cicek zu seinem Prachtstor. Dass er direkt abzog, zeugt von Selbstvertrauen. Genau damit war es in Ciceks Zeit beim FC St.Gallen nicht zum besten bestellt gewesen. "Ich hätte etwa in Testspielen mehr Mut zum Risiko haben sollen", sagt Cicek. Keine Kritik übt er am damaligen Trainer Jeff Saibene, der ihn bei sechs Teileinsätzen gerade einmal knapp 60 Minuten spielen liess. Dies, obwohl dem Luxemburger lange vorgeworfen wurde, zu wenig auf Junge zu setzen. "Es ist bei jedem Verein so, dass eingekaufte Spieler eher Chancen haben, sich zu zeigen. Das ist nicht typisch FC St.Gallen", sagt Cicek.

"…sonst wird es schwierig"
Paradoxerweise war es gerade der Fussbruch, der Cicek in seiner Entwicklung entscheidend weiterbrachte. "Ich bin in jener Zeit reifer geworden", sagt er. Cicek erdete sich in jener Zeit auch, indem er seinem Schwiegervater Erich Hug in einer Geflügelzucht in Romanshorn zur Hand ging. Trotzdem gab er seinen Traum, irgendwann einmal in der Bundesliga zu spielen, nicht auf – "sonst wird es als Spitzensportler schwierig", sagt Cicek, der mittlerweile in Romanshorn lebt.

Für die bevorstehende Rückrunde ist es vorerst einmal Ciceks Ziel, beim FC Winterthur Topleistungen zu bringen – und nach Ablauf des Vertrags im Sommer den Sprung in die Super League oder auch in die Türkei zu schaffen. Und falls es schliesslich doch nicht so weit kommt, hat Cicek gelernt, auch damit zu leben. "Ich wollte immer nur Fussball spielen", sagt er. Das wird er dann vielleicht weiter bei Winterthur tun – und seinem Schwiegervater auch künftig im Hühnerstall helfen.

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