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Chronik eines Scheiterns

Guter Wein wird nicht älter, sondern besser. Thomas Sarbacher hat am Phönix-Theater Egon Monks «Industrielandschaft mit Einzelhändlern» aus dem Jahr 1970 kredenzt – ein Genuss. Der heute Abend nochmals zu hören ist.
Severin Schwendener

STECKBORN. Wer den Namen Thomas Sarbacher hört, denkt zuerst an Fernsehkrimis. Besucher des Theaters am Neumarkt oder des Sogar-Theaters mögen ihn schon auf der Bühne gesehen haben. Doch noch nie haben sie in der Schweiz Egon Monks Stück «Industrielandschaft mit Einzelhändlern» gesehen. Die Produktion des Theaters Winkelwiese ist die Schweizer Erstaufführung und gastiert im Phönix-Theater.

Monks Stück ist es wert, gesehen zu werden. Geschrieben 1970, beschreibt es aus der Perspektive eines Drogisten, wie ein einzelner trotz grösstem Einsatz an einer globalen Wirtschaftsentwicklung scheitern kann. Und was dies für den einzelnen auf persönlicher Ebene bedeutet. Zwar ist heute das grosse «Lädelisterben» bereits Geschichte, und wir gehen mit aller Selbstverständlichkeit in Supermärkten einkaufen.

Die Schlagwörter sind geblieben

Monks Stück hat trotzdem nichts von seiner Aktualität eingebüsst. Es zeigt, wie sich globale Entwicklungen einen Deut um jeden einzelnen scheren, wie gnadenlos ausgemerzt wird, wer nicht mehr mithalten kann, nicht mehr konkurrenzfähig ist.

«Industrielandschaft mit Einzelhändlern» führt aber auch das Denken des modernen Wirtschaftens ad absurdum, wenn dieser kleine Drogist plötzlich in seinem kleinen Geschäft all die Konzepte, Theorien und Schlagwörter anwenden will, mit denen die Grosskonzerne um sich werfen. Erstaunlich auch, dass trotz der seit der Entstehung vergangenen vierzig Jahre ebendiese Phrasen noch immer genau die gleichen sind. Egon Monk demaskiert sie als die leeren Worthülsen, die sie sind, indem er sie von der Professionalität der erfolgreichen Konzerne trennt und das zeigt, was sich darunter befindet: pure Profitgier.

Reglos lauscht das Publikum

Ein solcher Monolog lebt jedoch nicht nur vom Text, sondern vor allem von dem, der ihn spricht. Thomas Sarbacher hat in dieser Beziehung Grosses geleistet. Er verleiht seiner Figur eine begeisternde Präsenz: keine Durchhänger, keine Längen, keine Lustlosigkeit. Stattdessen vom ersten bis zum allerletzten Wort Spannung und Konzentration. Das Publikum hängt gebannt an seinen Lippen, lauscht reglos. Nicht ein einziges Mal wird Sarbacher durch scharrende Füsse, Räuspern oder andere störende Geräusche unterbrochen, die Spannung ist greifbar. Kein Wunder, muss Sarbacher am Schluss immer und immer wieder auf die Bühne kommen, weil der Applaus einfach nicht abebben will – das Licht im Zuschauerraum muss ihn schliesslich erlösen.

Sa, 31.3., 20.15, Phönix-Theater Steckborn. www.phoenix-theater.ch

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