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Chelsea-Goalie in guter Gesellschaft: Als sich Günter Netzer selbst einwechselte und ein Trainer einen Spieler verprügelte

Chelseas Torhüter Kepa Arrizabalaga sträubt sich unmittelbar vor dem Penaltyschiessen im Final des englischen Ligacups gegen seine Auswechslung. Damit schafft er es in die lange Liste der Kuriositäten.
Sergio Dudli
Der 24-jährige Kepa Arrizabalaga (rechts) ist mit 92 Millionen Franken Ablösesumme der teuerste Goalie der Welt. (Bild: AP)

Der 24-jährige Kepa Arrizabalaga (rechts) ist mit 92 Millionen Franken Ablösesumme der teuerste Goalie der Welt. (Bild: AP)

Am Ende versuchten sie zu retten, was zu retten war. «Es handelte sich um ein Missverständnis, ich dachte, er sei verletzt», sagte Chelseas Trainer Maurizio Sarri. «Es war zu keinem Zeitpunkt meine Absicht, den Anweisungen des Trainers nicht Folge zu leisten», liess Goalie Kepa Arrizabalaga, der bei seinem Vornamen genannt wird, verlauten.

Kurz zuvor: Es läuft die letzte Minute der Verlängerung im Final des englischen League Cups zwischen Chelsea und Manchester City, als Sarri seine Nummer eins auswechseln und durch Willy Caballero ersetzen will. Ein cleverer Schachzug, gilt dieser doch als Elfmeterspezialist und spielte einst beim Gegner. Doch Kepa will nicht raus. Zuvor noch von Krämpfen geplagt, wedelt er nun quickfidel mit dem ausgestreckten Zeigefinger in Richtung Seitenlinie.

Mehrere Minuten dauert das Spektakel. Doch Kepa will nicht raus. Also setzt sich der verdutzte Caballero in voller Montur auf die Treppe neben der Spielerbank. Sarri reisst sich derweil die Jacke vom Leib, läuft wutentbrannt in Richtung Kabinengang, bevor er sich entscheidet, doch dazubleiben. Wäre er gegangen, niemand hätte es ihm übel genommen. So sieht er mit an, wie Manchester City vom Punkt die Nerven behält. Die hat Chelsea längst verloren. Am Ende des Abends ist der Fussball um eine Kuriosität reicher. Doch wer nun meint, früher wäre eine solche Geschichte undenkbar gewesen, der irrt. Ein Blick zurück:

Der umgekehrte Kepa

Ein Rebell war er, dieser Günter Netzer. Lange Haare, schnelle Sportwagen, Frauengeschichten – er verkörperte bereits vor über 40 Jahren das noch heute gültige Klischee des modernen Fussballers. Doch an diesem 23. Juni 1973 schmorte Netzer auf der Ersatzbank – und das am Tag des Cupfinals zwischen seinen Gladbachern und Köln. Es sollte seine letzte Partie für den Club sein. Kurz zuvor hatte Netzer seinen Wechsel zu Real Madrid bekannt gegeben. Mit versteinerter Miene sass der Spielmacher ganz aussen auf der Bank – weit weg von Trainer Hennes Weisweiler.

Ein kompliziertes Verhältnis wurde ihnen nachgesagt, dem Freigeist Netzer und Weisweiler, der während des Zweiten Weltkriegs bei der Flugabwehr stationiert war und in Gefangenschaft geriet. Es stand 1:1 nach 90 Minuten, der Cupfinal ging in die Verlängerung – da wechselte sich Netzer selbst ein. «Ich spiele dann jetzt», soll er zum Trainer gesagt haben. Weisweiler liess ihn gewähren. Netzer war drei Minuten auf dem Feld, ehe er mit seiner zweiten Ballberührung den Siegtreffer erzielte. «Ich hatte nicht geplant, mich selber einzuwechseln. Aber ich spürte, dass es jetzt notwendig war», so Netzer. Es war sein Abschiedsgeschenk.

Keine Macht den Worten

An der WM 1966 kam es in den Viertelfinals zur Partie zwischen England und Argentinien. Bereits damals war der Schiedsrichter befähigt, Spieler des Feldes verweisen. Allerdings gab es keine Hilfsmittel, um dies zu symbolisieren. So kam es in der 35. Minute, dass Rudolf Kreitlein den argentinischen Captain Antonio Rattin unter die Dusche schicken wollte. Doch dieser konnte oder wollte den mündlichen Platzverweis nicht verstehen. Es folgten minutenlange Diskussionen, sogar der Vizepräsident der Fifa war beteiligt. Schliesslich gab Rattin nach und trottete vom Platz. Um solche Probleme zu vermeiden, führte der Weltfussballverband an der WM 1970 die gelbe und vier Jahre später die rote Karte ein. Übrigens kennt auch der FC St. Gallen einen «Fall Kepa»: Beim Cupsieg 1969 weigerte sich Aldo Moscatelli, ausgewechselt zu werden. Mehrmals soll Trainer Albert Sing «Aldo, komm raus!» gerufen haben. Ohne Erfolg. Im Gegensatz zu Kepa und Chelsea gewann St. Gallen den Final trotzdem – 2:0 gegen Bellinzona.

Vom Trainer verprügelt

Eine Auswechslung zum falschen Zeitpunkt setzt Emotionen frei. So auch im Mai 2012 bei Adem Ljajic, der damals bei der Fiorentina unter Vertrag stand. In einem Spiel gegen Novara nahm ihn Trainer Delio Rossi nach einer halben Stunde raus. Es folgte eine Schimpftirade des Serben. Wie später herauskam, beleidigte der Mittelfeldspieler die Familie seines Trainers. Dessen Reaktion folgte prompt: Kaum hatte Ljajic auf der Bank Platz genommen, prügelte Rossi auf ihn ein. Unmittelbar nach der Partie wurde Rossi entlassen und Ljajic vorläufig suspendiert. «Ich habe versagt, ich habe dafür bezahlt, bezahle dafür und werde noch bezahlen», sagte der geschasste Rossi. Gleichzeitig entschuldigte er sich bei Ljajic. Auch dieser krebste nach dem Vorfall zurück: «Ich habe gegenüber dem Trainer einen Fehler gemacht. Auf diese Art den Rasen zu verlassen, ist für mich unwürdig.» Das Verhalten Rossis deklarierte er aber als «unverständlich».

Entlassung in der Pause

Als Goalie war Toni Schumacher Europameister mit Deutschland. Als Trainer verlief seine Karriere weniger erfolgreich. Die schwärzeste Stunde erlebte er am 15. Dezember 1999. Er stand damals in der 2. Bundesliga für Fortuna Köln an der Seitenlinie – und lag mit seinem Team gegen Mannheim zur Pause 0:2 in Rückstand. Kaum in der Garderobe angekommen, platzte Fortunas Präsident Jean Löring hinein. «Raus hier! Du hast hier nichts mehr zu sagen», sagte er zu Schumacher. In der zweiten Halbzeit stand der Präsident in bester Christian-Constantin-Manier selbst an der Seitenlinie. Es nützte nichts. Die Partie endete 1:5 aus Kölner Sicht. Löring rechtfertige sich später: «Ich als Verein musste doch reagieren.»

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