Chef und Fahrer in Personalunion

Claudio Imhof bestreitet die Radsaison als Einzelfahrer und fühlt sich dabei wohl. Er möchte weiterhin Strassen- und Bahnrennen bestreiten. Die Europameisterschaft auf der Bahn Mitte Oktober in Grenchen bleibt sein Saisonziel.

Urs Huwyler
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Eine fast alltägliche Szene: Das Feld auf der Verfolgung von Einzelfahrer Claudio Imhof. (Bild: pd)

Eine fast alltägliche Szene: Das Feld auf der Verfolgung von Einzelfahrer Claudio Imhof. (Bild: pd)

RADSPORT. Lädt beim Radteam «SurgTech-Lerch&Partner» der Besitzer den Teammanager, Sportlichen Leiter, Mechaniker, Chauffeur und die Fahrer zu einem Meeting ein, reicht ein Stuhl. Claudio Imhof muss die Taktik, Planung, Finanzen, Bekleidung und Ziele mit niemandem besprechen. «Mir gefällt die Situation ganz gut. Ich bin nur für mich zuständig, muss sportlich auf niemanden Rücksicht nehmen und kann die Saison nach den eigenen Bedürfnissen gestalten», sagt der Fahrer stellvertretend für die einköpfige Equipe.

Dabei schien der 25-Jährige aus Sommeri sportlich ins Abseits zu sprinten, als er bei der Schweizer Sportgruppe IAM mit den Thurgauern Marcello Albasini (Sportlicher Leiter) und Reto Hollenstein (Sirnach) sowie Trainingskollege Patrick Schelling (Hemberg) keinen Vertrag erhielt. «Anfangs war ich enttäuscht, inzwischen fühle ich mich wohler als in den letzten Jahren», erklärt das 190 Zentimeter grosse Kraftpaket. Geschäftsmann Imhof würde Sportler Imhof zwar bei einem Angebot einer professionell geführten Mannschaft raten, einen Vertrag zu unterschreiben, aber nicht unter Bedingungen wie bei den früheren Arbeitgebern. Sonst bleibe er eine eigene Firma, betont Manager Imhof.

In kurzer Zeit Zukunft gesichert

Verwunderlich ist es allemal, dass Claudio Imhof (VC Hirslanden) innerhalb kürzester Zeit seine Zukunft zu sichern vermochte. Er fand mit dem Radsport vertraute Hauptsponsoren, mit Focus einen Velo- und Cuore-Kleider-Ausrüster sowie weitere Sponsoren. «Ich spürte von allen Seiten die Wertschätzung, was wiederum das Selbstvertrauen und die Freude am Radsport stärkte.» Die Einstellung zum Beruf dürfte ein Grund gewesen sein, wieso sich das Projekt realisieren liess, obwohl wenige daran glaubten.

Bei den Helden der Landstrasse soll, wird oft betont, der Teamgedanke eine wichtige Rolle spielen. Die Captains müssen auch national von den Helfern möglichst im Windschatten zur Entscheidung geführt werden. Dazwischen legt sich Alleinunterhalter Imhof im Feld mit den Mannschaften an. «Ich bin an keine taktischen Vorgaben gebunden, kann selbst entscheiden, wann ich einer Fluchtgruppe angehören möchte. Oder muss nicht für ein Rennen stundenlang im Auto sitzen. Mir bleibt dadurch mehr Zeit, um alle Arbeiten zu erledigen.» Velo putzen und Webseite aktualisieren eingeschlossen.

Zweimal Zweiter

Am «GP Osterhas» in Affoltern a. A. (Kriterium) erspurtete sich der frierende Roller bei Kälte und Dauerregen als Titelverteidiger Rang zwei. Zwei Tage später fuhr Imhof in Kiesen erneut als Zweiter aufs Podest, nachdem er als offensivster Fahrer in jeder Spitzengruppe präsent war. Alberto Cecchin (It) war am Ende vier Sekunden schneller, dessen Teamkollegen kamen auf die Ränge fünf, sechs und sieben. Alle andern Equipen – darunter das Mountainbike-Nationalkader (ohne Ralph Näf) – blieben chancenlos.

Die Karriere des mehrfachen Schweizer Meisters scheint eine Wende genommen zu haben. Bisher fiel der gelernte Milchtechnologe durch seine Bahn-Erfolge auf. Was nun? «Ich werde weiterhin Bahnrennen bestreiten. Die Bahn-EM Mitte Oktober in Grenchen bleibt ein Saisonziel.» Mit einem Auge schielt er auch zu den Olympischen Spielen in Rio 2016. Bis dann ist ihm die Unterstützung durch die Sponsoren zugesichert.

Am 16. April bestreitet Claudio Imhof in Aigle ein Bahn-Meeting, drei Tage später startet er beim Heimrennen in Oberwangen: «Im Hinterthurgau dürfte es gegen die verschiedenen Teams schwierig werden.»

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