Checks gehören einfach dazu

EISHOCKEY. Eishockey lebt von der Schnelligkeit, der Härte im Spiel. Die Akteure spielen auf dem Eis sehr körperbetont, checken sich gegenseitig und nehmen so einiges in Kauf. Doch manchmal kann genau das auch ins Auge gehen.

Jarima Haas
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Der Eindruck täuscht: Trotz einer zu Beginn harmlos scheinenden Situation… (Bilder: ap/Ross D. Franklin)

Der Eindruck täuscht: Trotz einer zu Beginn harmlos scheinenden Situation… (Bilder: ap/Ross D. Franklin)

Checks gehören genauso zu dieser Sportart wie der Puck, der Helm oder der Stock. Für viele wäre Eishockey ohne die berüchtigten Körperattacken kein Eishockey mehr. Denn genau diese machen für einige diesen Sport aus, tragen zur Spannung bei, unterhalten. Doch so mitreissend es für den Zuschauer ist, wenn ein Spieler mit vollem Tempo und aller Kraft einen Konkurrenten skrupellos über den Haufen fährt, so gefährlich kann es für den angegriffenen Konkurrenten sein. Entweder knallt er mit voller Wucht mit dem Kopf auf das Eis oder gegen die Bande, die hart wie Stein ist. Die mögliche Folge: Gehirnerschütterung.

Ein solches Schicksal traf Thomas Jaag, Spieler beim HC Thurgau. Es geschah am 10. August letzten Jahres, im allerersten Vorbereitungsspiel gegen die Rapperswil-Jona Lakers. Jaag spielte einen Pass, wurde gecheckt und schlug hart mit dem Kopf auf dem Eis auf. Es war ein regulärer Check, kein Foul. Eine Aktion, wie man sie so oft im Eishockey sieht. Kurz darauf spielte er weiter, war auch noch bei der nächsten Partie mit dabei. «Dann merkte ich, dass ich Konzentrationsstörungen hatte. Ausserdem litt ich an starken Kopfschmerzen, hatte einen permanenten Druck im Kopf und stetig das Gefühl, nicht richtig da zu sein», schildert der Verteidiger sein Negativ-Erlebnis. Seine Ausrüstung zog er das nächste Mal am 4. Januar für die NLB-Meisterschaftspartie gegen Ajoie an. Alle vorherigen Spiele verpasste der Verteidiger.

«Der Unfall hat mich schon sehr genervt. Vor allem wusste ich nie, wie lange ich ausfalle und ob alles wieder gut wird», erinnert sich Jaag, der bereits die dritte Gehirnerschütterung als Spieler beim HC Thurgau erlitten hat. Trotz seiner Erfahrungen spielt Jaag nicht anders als zuvor. Die Genesungszeit der vorherigen Verletzungen sei zwar nicht so lange gegangen wie bei der letzten, doch auf dem Eis denke er nicht daran.

Jaag ist nicht der einzige

Doch Jaag ist lange nicht der einzige Akteur, der ein solches Schicksal erlitten hat. Fast jeder Eishockeyspieler erhielt schon die Diagnose Gehirnerschütterung. Auch der Spielertrainer vom SC Weinfelden, Rolf Schrepfer, gehört dazu. «Heute ist man viel sensibler, was dieses Thema angeht, als früher. Es gibt mehr Ergebnisse bezüglich der Auswirkungen einer Gehirnerschütterung und der betroffene Spieler muss eine gewisse Zeit pausieren», sagt Schrepfer, für den das Problem des Gesundheitsrisikos klar bei der Einführung der Null-Toleranz-Regel liegt. Wurde früher ein Check auf einen Spieler angesetzt, durfte ein anderer seinen Teampartner mittels Blocken des Angreifers schützen oder den Check so abschwächen. Seit der Einführung dieser Richtlinie ist dies nicht mehr erlaubt. Hinzu kommt, dass die Spieler heute kräftiger sind, mehr Muskelmasse haben und das Tempo höher geworden ist.

Um die Sicherheit der Eishockeyaner zu erhöhen, sieht Schrepfer deshalb einzig die Aufhebung der Null-Toleranz-Regel. Mit anderen Worten «das Blocken wieder erlauben». Hinzu kommt, dass die Junioren im Training lernen, dem Gegner den Rücken zu zukehren, wenn sie an der Bande stehen. Dann darf der Spieler nicht gecheckt werden. «Es nützt doch nichts, dem Angreifer den Rücken zu zeigen und zu hoffen, dass man dann nicht gecheckt wird. Denn setzt man einmal zu einem Angriff an, führt man diesen auch aus. Eine Möglichkeit zu bremsen hat man fast nicht mehr, das Tempo ist viel zu hoch», meint der SCW-Trainer, der es wichtiger fände, dass die Junioren, wie es der SC Weinfelden mit «seinem» Nachwuchs trainiert, wieder vermehrt lernen würden, richtig zur Bande zu stehen, um sich so bei einem Check besser schützen zu können.

Auch bei den Pikes ein Thema

«Ja, absolut», sagt Richard Stäheli, Teammanager der Pikes Oberthurgau, auf die Frage, ob Gehirnerschütterungen in der Nachwuchsabteilung der «Hechte» ein Thema sind. Auch bei den Oberthurgauern gab es Fälle. Diese Spieler werden gemäss dem Aufbauprogramm «Return to play» vom Schweizerischen Eishockeyverband (SEHV) schrittweise wieder zurück auf das Eis geführt. Damit sollen laut SEHV mögliche Spätfolgen so gering wie möglich gehalten werden. «Sobald für den Kopf ein Risiko besteht, schaut man, dass der Akteur pausiert. Unsere Trainer sind dazu angehalten, dies auch einzuhalten», so Stäheli.

Die Gehirnerschütterung, ein Risiko, das jeder Eishockeyspieler eingeht, sobald er mit den Schlittschuhen das Eis betritt. Doch glücklicherweise bedeutet nicht gleich jeder Aufprall diese Diagnose. Und schliesslich lauern überall Risiken und Gefahren. Daher sind sich auch Jaag, Schrepfer und Stäheli einig: Checks zu verbieten kommt für die drei nicht in Frage, denn ohne diese wäre Eishockey kein Eishockey mehr.

…liegen nach dem Check von Stone Gegner Sedin und der eigene Torhüter Smith auf dem Eis. (Bild: Ross D. Franklin (AP))

…liegen nach dem Check von Stone Gegner Sedin und der eigene Torhüter Smith auf dem Eis. (Bild: Ross D. Franklin (AP))

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