Chancenlose vor Titelgewinn

Manchester City steht nach dem 1:0-Sieg im Stadtderby gegen die United vor dem Gewinn des dritten Meistertitels. Trainer Roberto Mancini und Geld aus Abu Dhabi sind die Erfolgsgaranten.

Thomas Werner
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Torschütze Vincent Kompany lässt sich von den Fans von Manchester City feiern. (Bild: epa/Gerry Penny)

Torschütze Vincent Kompany lässt sich von den Fans von Manchester City feiern. (Bild: epa/Gerry Penny)

FUSSBALL. Vor drei Wochen zweifelten nur wenige am 20. Titelgewinn von Manchester United. Acht Punkte lag die Mannschaft von Trainer Alex Ferguson vor Stadtrivale Manchester City. Dessen Trainer Roberto Mancini war einer der Zweifler. Das Titelrennen sei «noch nicht vorbei», sagte der 47jährige Italiener damals. Wie diese Aussage zu werten ist, zeigte sich aber, als seine Mannschaft nach der überraschenden Niederlage der United gegen Wigan nur noch fünf Punkte zurücklag. «Wir haben keine Chance mehr auf den Titelgewinn», lautete nun Mancinis Kommentar.

Jetzt ist ein Belgier dafür verantwortlich, dass Trainerprognosen zum Meisterschaftsausgang kaum noch interessieren. Der frühere Hamburger Vincent Kompany traf im Derby in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit per Kopf zum 1:0-Erfolg für Manchester City. Die Stadtrivalen liegen damit zwei Runden vor Schluss gleichauf – mit Vorteil City. Mancinis Mannschaft weist die um acht Tore bessere Tordifferenz auf. In den letzten beiden Runden gastiert der neue Leader noch in Newcastle und empfängt dann die Queens Park Rangers, Fergusons Teams gastiert nach dem Heimspiel gegen Swansea zum Abschluss noch bei Sunderland.

Spannung und Intensität

Das 162. Stadtderby lebte von Spannung und Intensität, der spielerische Gehalt der Begegnung der beiden besten Mannschaften der Premier League war bescheiden, das Spiel äusserst arm an Torszenen. Angesichts der Konstellation war kaum etwas anderes zu erwarten. «Wir wollten gewinnen, sie spielten auf Unentschieden», fasste Mancini das Spiel zusammen. Seine Rechnung ging auf. Und der Auftritt von Manchester United zeigte, dass die Punktverluste gegen Wigan und Everton zuletzt keine Zufälle waren. Ein blasser Wayne Rooney und die nicht mehr hohes Tempo gehenden U40-Spieler Ryan Giggs und Paul Scholes konnten Manchester City mit ihrem Spiel nie in Verlegenheit zu bringen.

Manchester City ist wieder da, wo es in dieser Saison zuvor schon 28 Spieltage war, an der Tabellenspitze. Mancini liess sich auch von den Eskapaden seiner Problemspieler Carlos Tévez und Mario Balotelli nicht aus der Ruhe bringen. Nach der Arbeitsverweigerung von Tévez im Champions-League-Spiel in München wollte Mancini den 28-Jährigen «nie mehr» einsetzen. Sein Meinungswandel hat jetzt sogar den Erfolg gebracht. Das argentinische Sturmduo Tévez und Sergio Agüero erzielte zuletzt bei den drei überzeugenden Siegen in Folge – 4:0 gegen West Bromwich, 6:1 in Norwich und 2:0 in Wolverhampton – zusammen neun Tore. Es ist nicht mehr ausgeschlossen, dass Tévez auch kommende Saison für Manchester City spielen wird. Gleiches gilt auch für Balotelli, trotz all dessen Undiszipliniertheiten. Das 21jährige italienische Talent war nach seiner Sperre im Derby zurück im Kader.

Eine verrückte Sache

Seit 2008 hat Scheich Mansour bin Zayed al-Hahyans beim Club das Sagen. Mehr als eine Milliarde Franken flossen seither aus Abu Dhabi nach Manchester. Der Cupsieg in der vergangenen Saison war der erste Titelgewinn seit 35 Jahren. Jetzt könnte der erste Meistertitel seit 1968 Tatsache werden. Aber so weit denkt Mancini noch nicht. United hätte zwei leichte Spiele vor sich, sie zwei heikle Gegner, und «Fussball ist eine verrückte Sache».