Chancen konsequent ausnützen

RAD. Reto Hollenstein startet auch im Jahr 2016 für die Schweizer IAM-Mannschaft. Der Sirnacher Radrennfahrer darf mit der Saison 2015 im grossen und ganzen zufrieden sein, obwohl die herausragenden Resultate fehlen.

Urs Huwyler
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Der Kanton Thurgau ist mit den Radprofis Reto Hollenstein, Michael Albasini und Stefan Küng in der World-Tour dreifach vertreten. (Bild: Urs Huwyler)

Der Kanton Thurgau ist mit den Radprofis Reto Hollenstein, Michael Albasini und Stefan Küng in der World-Tour dreifach vertreten. (Bild: Urs Huwyler)

Jeder Rennfahrer, der für die nächste Saison bei einem der maximal 20 Pro-Teams einen der rund 600 Verträge erhalten hat, darf sich glücklich schätzen. Der Thurgau ist mit dem Trio Michael Albasini (Orica GreenEdge), Stefan Küng (BMC) und Reto Hollenstein (IAM) im Olympia-Jahr 2016 quantitativ und qualitativ überdurchschnittlich vertreten. Patrick Schelling (Hemberg) wurde dagegen bei IAM ausgemustert, Claudio Imhof (Surgtech-Lech&Partner) wird erneut auf Strasse und Bahn als erfolgreicher Einzelkämpfer unterwegs sein.

Chancen, an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro dabeizusein, besitzen alle Thurgauer. Stefan Küng (Wilen) und Michael Albasini (Lanterswil) dürften fast gesetzt sein, Claudio Imhof hat an der EM in Grenchen mit Bronze im Punktefahren ein Ausrufezeichen gesetzt. Bei Reto Hollenstein (Sirnach) sieht die Sache anders aus. Sein Auftrag bleibt auch im kommenden Jahr, die eigenen Captains als «Bidonträger» zu unterstützen, sie möglichst kräfteschonend in eine aussichtsreiche Position zu manövrieren, was sich selten in herausragenden eigenen Resultaten niederschlägt.

Keine Selektionen

Das Problem der Teamplayer: Selektionen für Grossanlässe liegen oft ausser Reichweite, weil die medialen Top-Ergebnisse fehlen und die Schweiz zuletzt an der WM in Richmond nur ein Trio stellen durfte. Bestünde das Kontingent wie bei anderen Nationen aus neun Fahrern, bekäme der Leutnant von Mathias Frank wohl ein WM-Ticket. «Mich als Helfer entschädigen Siege und Podestplätze der Kollegen für meine Arbeit», fügt Hollenstein an. Es gelte, den Job zu erledigen und persönliche Interessen zurückzustellen. «Gewinnen wir ein Rennen, habe ich meinen Teil dazu beigetragen. Das ist entscheidend.»

Grundsätzlich werden beim Jungvater auch 2016 die unterstützenden Fähigkeiten nicht nur an der Tour de France gefragt sein. «Doch ein nächster Schritt sollte sich resultatmässig niederschlagen. Ich habe bei den Pro-Tour-Rennen viel profitiert und weiss, worauf es ankommt», betont der Rundfahrtenspezialist. Anzeichen in Richtung Spitzenklassierungen gab es an der Eneco-Tour durch Platz 15. Mit Tim Wellens (Be), Greg Van Avermaet (Be), Wilco Kelderman (Ho) und Philipe Gilbert (Be) lagen keine Unbekannten vorne.

Potenzial nicht ausgeschöpft

Bei der Tour de l‘Eurométropole verlor Reto Hollenstein nach dem WM-Einsatz mit der Mannschaft im Prolog 17 Sekunden (5.) auf den Leader, in der Gesamtwertung wurde es Rang sieben. «Ich habe mein Potenzial noch nicht ausgeschöpft, eine weitere Steigerung müsste möglich sein», sagt er nach der insgesamt positiv verlaufenen Saison. «Ich werde noch konsequenter die wenigen Chancen auszunützen versuchen.»

Als Vorbild dient Albasini, der sich oft in den Dienst von Simon Gerrans oder Michael Matthews stellt und trotzdem jede Saison Rennen gewinnt. Albasinis Vorteil: Er kann auch aus einer grösseren Gruppe heraus sprinten. Hollenstein wird als tempofester Roller sein Glück dagegen in einer Soloflucht suchen müssen. «Irgendwann wird es mit einem Podestplatz oder sogar einem Sieg aufgehen», ist er überzeugt.