Chance am Mitteblock

VOLLEYBALL. Seit dieser Saison spielt die Wigoltingerin Sabina Kleger in der höchsten Schweizer Volleyball-Liga bei Volley Toggenburg. Der Trainer hat ihre Stärken sofort erkannt.

Olivia Hug
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Sabina Kleger tanzt aus der Reihe: Anders als ihre Teamkolleginnen zieht sie Wandern im Alpstein dem Grand Canyon vor, sie macht lieber Veloferien als Städtereisen und hört CD statt iPod. In den Vergleich über alle Teams der höchsten schweizerischen Volleyball-Liga, wonach eine durchschnittliche NLA-Spielerin 23 Jahre alt und 181 cm gross ist, passt sie auch nicht. Sabina Kleger wird Ende Jahr 27 und hat ihren Einsatz in der NLA gerade erst begonnen. Ihr Ziel: so stark zu smashen, dass der Ball vom Boden bis an die Decke springt.

An Plauschturnier entdeckt

Auf Beginn der Saison 2014/ 2015 sind 60 Spielerinnen neu in eines der zehn Teams der NLA transferiert worden. Eine davon ist die Thurgauerin. Mit ihren 184 cm Körpergrösse war sie ein Glückstreffer für Volley Toggenburg, das zuvor Mühe bekundete, Schweizer Spielerinnen für die Mitteblockposition zu finden. Denn das Liga-Schlusslicht kann sich mit seinem Budget keine Zwei-Meter-Ausländerin leisten. Dabei hatte Sabina Kleger eine Verpflichtung in der NLA gar nie gesucht. Es war Zufall, dass Volley-Toggenburg-Trainer Marcel Erni an einem Plauschturnier auf sie aufmerksam wurde und sie in ein Probetraining ins Toggenburg einlud. Warum nicht, dachte die 27-Jährige, die zu jenem Zeitpunkt unschlüssig war, in welchem Club sie fortan spielen sollte. «So eine Chance kriegt man in meinem Alter nur einmal», sagt sie.

Sabina Kleger war zuvor beim VBC Frauenfeld aktiv, wo sie in sämtlichen Regionalligen spielte. Angefangen in der zweiten Mannschaft in der 5. Liga, spielte sie sich in die erste Mannschaft vor, die in der 2. Liga antritt. Verhältnismässig spät, als 17-Jährige, wurde sie vom damaligen Trainer bei einem Turnier an der Kanti Frauenfeld entdeckt. Dem Club ist die in Wigoltingen aufgewachsene Wirtschafts-Ingenieurin auch während der Studien- und Assistenzzeit an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Winterthur treu geblieben. Erst mit ihrem Umzug nach St. Gallen, wo sie als Controllerin arbeitet, kam die Frage nach dem Clubwechsel auf. Und so trainiert Sabina Kleger heute dreimal wöchentlich in Wattwil.

Startplatz lässt auf sich warten

Dort agiert sie bislang als Backup-Spielerin, kommt für eine Handvoll Bälle oder einen Satz aufs Feld. Eine Tatsache, mit der sie gut umgehen kann: «Die Verpflichtung in der NLA brachte die logische Konsequenz mit sich, dass ich nicht in der Startformation stehen werde.» NLA-Niveau habe sie nicht, bleibt Sabina Kleger realistisch. «In einer bis zwei Saison kann sie so weit sein», sagt derweil Trainer Marcel Erni. Er hatte in kurzer Zeit das Potenzial seiner Schnupper-Spielerin erkannt: Schnelle Muskulatur, hohe Sprungkraft, guter Teamplayer. Plus: «Sabina ist begeisterungsfähig, lernwillig und unterstützend. Das macht sie sehr wertvoll in der Mannschaft.» Einzig an den technischen Defiziten gelte es noch zu arbeiten. Die grossgewachsene Spielerin sei etwas ungestüm. Diese nimmt's mit Humor und meint: «Ich war zudem auch schon immer ein wenig tollpatschig.»