CHAMPIONS LEAGUE: Young Boys hoffen auf den Coup

Die Ausgangslage der Young Boys nach dem 0:1 im Playoff-Hinspiel ist delikat. Nur mit einem Sieg heute in Moskau gegen ZSKA erfüllen sie sich den Traum vom ersten Vorstoss in die Königsklasse.

Stefan Baumgartner (sda), Moskau
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Dürfte heute von Beginn weg stürmen: Roger Assalé. (Bild: Urs Lindt/Freshfocus (Bern, 15. August 2017))

Dürfte heute von Beginn weg stürmen: Roger Assalé. (Bild: Urs Lindt/Freshfocus (Bern, 15. August 2017))

Stefan Baumgartner (SDA), Moskau

In Europacup-Heimspielen haben die Young Boys in der jüngeren Vergangenheit dem einen oder anderen bekannten Team nicht nur Paroli geboten, sondern es auch bezwungen. Tottenham, der VfB Stuttgart, Getafe, Zenit St. Petersburg, Udinese, Napoli oder Schachtar Donezk hiessen die im Stade de Suisse unterlegenen Mannschaften in den vergangenen fünf Jahren.

Der letzte Auswärtscoup hingegen liegt länger zurück: Anfang August 2010 führte der Kameruner Henri Bienvenu die Young Boys mit dem Tor zum 1:0 bei Fenerbahçe Istanbul – nach einem 2:2 im Hinspiel – in das Champions-League-Playoff – und wurde am letzten Tag des Transferfensters von Fenerbahçe aus dem laufenden Vertrag herausgekauft.

Die Berner treffen das Tor nicht mehr

Heuer sind die Young Boys auf einen Exploit angewiesen, gegen Treffer eines afrikanischen Stürmers würde sich niemand wehren. Roger Assalé und Jean-Pierre Nsamé dürften in der neuen, 30 000 Zuschauer fassenden Arena von ZSKA Moskau, die wohl höchstens zur Hälfte gefüllt sein wird, von Beginn weg stürmen. Die Young Boys brauchen zwingend Tore, «vermutlich ja zwei», sagte Trainer Adi Hütter.

Nur: In den vergangenen drei Partien – das Cupspiel gegen das zwei Klassen tiefer spielende Breitenrain nicht eingerechnet – haben die Young Boys keinen einzigen Treffer erzielt. Nicht beim 0:4 gegen Thun, nicht beim 0:1 gegen ZSKA Moskau und auch nicht beim 0:0 gegen den FC Zürich am vergangenen Wochenende. Sorgen macht sich Hütter deswegen keine. «Das ist natürlich ärgerlich. Aber es würde mich mehr stören, wenn wir keine Möglichkeiten herausspielen würden», so der Vorarlberger Coach, der fordert, offensiv zuzulegen. «Wir müssen mehr riskieren, um diese Tore zu erzielen.»

Wird die grosse Erfahrung helfen?

ZSKA Moskau hat nach dem Siegtreffer in der Nachspielzeit im Hinspiel alle Vorteile auf seiner Seite, um sich zum fünften Mal in Folge für die Champions League zu qualifizieren. Interessant wird zu beobachten sein, ob den Moskauer Spielern die Erfahrung aus insgesamt über 400 Einsätzen in der Königs- klasse –gegenüber 19 der Young Boys – helfen wird. «Die Frage wird sein: Spielen sie wie in Bern?», so Hütter. Also defensiv, abwartend, eher zerstörend und auf Konter lauernd? Oder will der Armeeclub dem Publikum doch etwas bieten? Die Young Boys, das haben sich jedenfalls fest vorgenommen, «nicht hinten reinsitzen und abwarten, auch nicht kopflos nach vorne stürmen». So formulierte es der linke Aussenverteidiger Loris Benito. Bei Trainer Hütter tönte es ähnlich: «Wir müssen offensiv aktiv sein. Trotz allem dürfen wir die Defensive, die in letzter Zeit sehr, sehr gut war, nicht vernachlässigen.» Hütters Devise lautet: «Tore schiessen, mit Hirn und Mut spielen.»

Nicht im Einsatz steht heute der am Oberschenkel verletzte Guillaume Hoarau. «Natürlich ist es ein anderes YB ohne ihn, allein schon aufgrund seiner Persönlichkeit», sagte Trainer Hütter. «Ich habe immer wieder betont, dass wir es schaffen müssen, ohne ihn Spiele zu gewinnen.» Das geschah in dieser Saison zum Beispiel beim 4:0-Auswärtserfolg gegen die Grasshoppers.