CHAMPIONS LEAGUE: Liverpool im Traumland

Liverpool deklassiert Manchester City dank einer hochklassigen Startphase im Viertelfinal 3:0. Mohamed Salah brilliert. Die AS Roma steht nach dem 1:4 in Barcelona vor einer wohl unlösbaren Aufgabe.

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Mohamed Salah ist erneut nicht zu bremsen. (Bild: Peter Byrne/AP)

Mohamed Salah ist erneut nicht zu bremsen. (Bild: Peter Byrne/AP)

Er will Geschichte schreiben, und er will sie mit dem fünffachen Meistercup-Gewinner sofort schreiben: Jürgen Klopp, der Antreiber und populäre Hoffnungsträger des FC Liverpool. Im Vorfeld hatte der deutsche Trainer keine Gelegenheit ausgelassen, den Kontrahenten und dessen Star-Coach Pep Guardiola mit Komplimenten zu überhäufen: «Bestes Team in Europa mit dem wahrscheinlich besten Trainer der Welt.»

Was dann folgte, war allerdings keine weitere Verneigung vor Manchester City, sondern eine Demütigung des Favoriten. Nach einer Startphase, welche die «BBC» nach dem 3:0 nach einer halben Stunde passend ­ausschmückte: «Liverpool im Traumland.» Klopp klatschte begeistert, Guardiola drehte sich entnervt ab. Ihm war früh klar, dass die 13. Begegnung mit Klopp mit der siebten Niederlage enden würde – gegen keinen anderen Antipoden hat er öfter verloren.

Manchester zu defensiv ausgerichtet

Liverpool griff den designierten Champion der Premier League an. Ohne Zurückhaltung, ohne Absicherung, furchtlos, phasenweise enthemmt und berauscht, bis zur letzten Körperfaser entschlossen und davon beseelt, die grosse Clubgeschichte um einen denkwürdigen Europacup-Abend zu erweitern. Mit dem Pressing bis zur Schmerzgrenze überraschten die Liverpooler den viel zu defensiven ausgerichteten Giganten aus Manchester erheblich. Einer steht derzeit wie kaum ein Zweiter für den Tempofussball, wie ihn Klopp will: Mohamed Salah. Mit seinem 38. Tor im 43. Einsatz für Liverpool leitete der frühere Basler die beste erste Hälfte in der zweieinhalbjährigen Ära von Klopp ein.

Nicht alle aus dem Umfeld der Liverpooler präsentierten sich allerdings von ihrer besten Seite. Bei einigen Anhängern waren die Emotionen bereits vor dem Anpfiff übergeschäumt. Sie beschossen den Teambus von Manchester City mit Flaschen und Petarden, worauf sich der Gastgeber sofort in aller Form entschuldigte und die Attacke der Gewalttäter «als absolut inakzeptabel» verurteilte.

Barcelonas Heimbilanz

Im Camp Nou stemmte sich eine wegen zahlreicher physischer Beschwerden ziemlich ramponierte AS Roma relativ lange erfolgreich gegen den La-Liga-Dominator Barcelona. Schliesslich verloren die Römer aber 1:4. Vom Kurs kam der Serie-A-Dritte weitgehend selbstverschuldet ab – mit zwei Eigentoren. Zunächst grätschte Daniele Rossi einen für Lionel Messi vorgesehenen Ball ins falsche Tor. Dem Lapsus des bald 35-jährigen Captains folgte eine weitere missratene Abwehraktion des griechischen Verteidigers Konstantinos Manolas.

Nach der Eigentor-Doublette erlitten die Römer einen Einbruch und verspielten jegliche Chancen, im Rückspiel noch einen Coup zu schaffen. Barcelona genügte im elften Champions-League-Viertelfinal in Folge eine durchschnittliche Leistung, um die imposante Heimserie auszuweiten: 24 ihrer vergangenen 26 Partien haben die Katalanen gewonnen – bei einer Tordifferenz von 81:13. (sda)