CHAMPIONS LEAGUE: Juventus’ nächster Anlauf

Zehn Monate nach dem verlorenen Final trifft Juventus Turin wieder auf Real Madrid. Im zweiten Viertelfinal von heute will Bayern München seine schwarze Serie gegen spanische Clubs beenden.

Julien Oberholzer (sda)
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Gianluigi Buffon möchte nach drei Finalniederlagen erstmals die Champions League gewinnen. (Bild: Kirsty Wigglesworth/EPA)

Gianluigi Buffon möchte nach drei Finalniederlagen erstmals die Champions League gewinnen. (Bild: Kirsty Wigglesworth/EPA)

Julien Oberholzer (SDA)

Dem siebten Meistertitel in Serie ist Juventus Turin in den vergangenen Wochen um einiges näher gekommen. Vier Punkte beträgt der Vorsprung auf das lange Zeit in der Serie A führende Napoli. Seit die Turiner Mitte November letztmals verloren haben, agieren sie überragend und liessen in seither 25 Partien nur noch fünf Gegentreffer zu. Die Mannschaft mit Stephan Lichtsteiner, dem einzigen im Wettbewerb verbliebenen Schweizer, hat trotz der 1:4-Niederlage im Champions-League-Final 2017 gegen Real Madrid allen Grund, selbstbewusst zu sein. In den vergangenen drei Jahren erreichte Juventus zweimal den Final, und die ­Bilanz gegen Real Madrid lässt sich sehen: Die vergangenen vier Begegnungen in K. o.-Runden entschieden die Italiener für sich, zuletzt den Halbfinal 2015.

«Wir müssen so spielen, wie wir es können»

«Ich hoffe, dass uns die Erfahrungen der vergangenen Jahre helfen – egal ob sie positiv oder negativ waren», sagte Goalie und ­Captain Gianluigi Buffon. Der 40-Jährige gewann die Champions League bislang noch nie, dreimal unterlag er im Final. Im Endspiel im vergangenen Jahr in Cardiff sei sein Team etwas gar selbstbewusst angetreten, befand Buffon und meinte deshalb: «Wir müssen gegen Real Madrid so spielen, wie wir es können. Wir müssen nichts anderes tun.»

Real Madrid hat nach mühevollen Wochen zu Beginn des Jahres den Tritt wieder gefunden. Für eine Korrektur im spanischen Meisterrennen erwachte das Team von Zinédine Zidane zu spät, doch der dritte Titel in Folge in der Champions League ist machbar, was nicht zuletzt der souverän gewonnene Achtelfinal gegen Paris Saint-Germain bewies. Das zuverlässigste Mittel, um den Formstand der Madrider zu bestimmen, ist die Torquote von Cristiano Ronaldo. Und ­diese ist beeindruckend: Der Portugiese traf in den vergangenen 13 Partien 23-mal. Zudem scheint die Champions League sein Lieblingswettbewerb zu sein: In den bislang acht absolvierten Spielen traf er satte zwölfmal. Buffon wird gewarnt sein.

Sevilla ist nicht Münchens Traumlos

Der zweite Viertelfinal heute Abend ist auf dem Papier weniger ausgeglichen. Sevilla, Rekordsieger in der Europa League, steht zum ersten Mal seit 1958 im Viertelfinal des wichtigsten Europacups. Gegner ist Bayern München, seines Zeichens Seriensieger in der deutschen Bundesliga. Dass die Andalusier aber auch auf diesem Niveau wettbewerbsfähig sind, haben sie im Achtel­final gegen Manchester United genauso gezeigt sowie am Samstag gegen Barcelona, als sie erst in den letzten Minuten zwei Treffer zum 2:2 hinnehmen mussten. Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge stellte vor dem Abflug gestern nach Sevilla nochmals fest, dass der spanische Meisterschaftssechste kein Traumlos sei. Er schätzt den Gegner hoch ein und weiss zuletzt um die Statistik seiner Mannschaft gegen Vertreter aus Spanien. In den vergangenen vier Jahren schied der deutsche Meister in der Champions League immer gegen Spanier aus. Den letzten Sieg in Spanien feierte München auf dem Weg zum Champions-League-Titel 2013 mit dem 3:0 in Barcelona. Damals war wie heute Jupp Heynckes Trainer.

Der 73-Jährige, über dessen Nachfolger derzeit ohne Zurückhaltung spekuliert wird, ist mit seiner Mannschaft bestens auf Kurs. Der Meistertitel wird demnächst Tatsache sein, und im Cup steht man im Halbfinal. Seit Jahresbeginn hat München 13 Spiele bestritten und dabei siebenmal vier oder mehr Treffer erzielt. Thomas Müller hielt allerdings fest: «Jetzt beginnen die Wochen, für die man die ganzen Vorbereitungen absolviert, im April geht es um alles.»