CHAMPIONS LEAGUE: Ein Zürcher überzeugt die Basler

Trainer Urs Fischer wurde beim FC Basel nicht mit offenen Armen empfangen. Unterdessen sind die Diskussionen verstummt.

Patricia Loher
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Der Basler Trainer Urs Fischer. (Bild: GEORGIOS KEFALAS (KEYSTONE))

Der Basler Trainer Urs Fischer. (Bild: GEORGIOS KEFALAS (KEYSTONE))

Der Anfang war schwer für Urs Fischer. «Fischer, nie einer von uns!!!», hatten Fans auf ein Transparent gepinselt, während Fischer als neuer Trainer des FC Basel vorgestellt wurde. Fischer, den Urzürcher und eine Ikone des Erzrivalen FC Zürich, mochten sie in Basel zu Beginn nicht akzeptieren. Und immer wieder stellten sich die erfolgsverwöhnten Anhänger auch die Frage: Kann Fischer das? Der 50-Jährige kam vom FC Thun, einem Verein mit anderen Ansprüchen, einem Club, der meistens Aussenseiter, aber fast nie Favorit ist. Unterdessen hat Fischer bewiesen, dass er das kann.

15 Monate ist der Zürcher in Basel nun schon im Amt, und der siebte Meistertitel in Serie bedeutete die direkte Qualifikation für die Champions League. «Das war ein Gefühl der Befreiung», sagte Fischer. Er ist dort angekommen, wo sich der FC Basel sieht und die Millionen sprudeln. Heute startet der Trainer mit seinem Team zu Hause gegen die Bulgaren von Ludogorez Rasgrad in die Champions League. Mit 50 Jahren ist Fischer erstmals in seiner Karriere Teil der Königsklasse.

Als der FC Basel Fischer verpflichtete, tat er das vor allem wegen seines Leistungsausweises. Nach einem zweiten Platz in der Super League mit dem FC Zürich hatte sich Fischer mit Thun zweimal für den Europacup qualifiziert. Allerdings machten sie in Basel auch nie einen Hehl daraus, nach den glamourösen Murat Yakin und Paulo Sousa einen bodenständigen Trainer zu suchen. Mit dem Abgang von Thorsten Fink 2011 hatte in Basel eine unruhige Zeit begonnen. Zwar war der Club auch nach Fink immer eine Erfolgsmaschine; trotzdem mussten Heiko Vogel und Yakin gehen, Sousa verliess Basel auf eigenen Wunsch. Mit Fischer hat sich die Lage beim Ligakrösus nun entspannt. Der Zürcher nimmt sich selber nicht so wichtig, in den Mittelpunkt drängt er sich nie. Vor einigen Monaten, als seine 21jährige Tochter nach dem Glamourfaktor ihres Vaters gefragt wurde, musste sie lachen.

Den grössten Teil seines Lebens hat Fischer im Fussball verbracht. Mehr als dreissig Jahre war er beim FC Zürich engagiert. Fischer durchlief die gesamte Nachwuchsabteilung bei den Zürchern, bestritt über 300 Meisterschaftspartien, wurde als ihr Captain 2000 Cupsieger. Nach seiner Aktivkarriere übernahm Fischer die U14 des FC Zürich. Über die U21 wurde er Assistent von Lucien Favre und Bernard Challandes, ehe er im April 2010 zum Cheftrainer befördert wurde. In der Saison 2010/11 verpassten Fischer und der FC Zürich den Meistertitel nur gerade um einen Punkt. Die anschliessende Meisterschaft aber war schwierig, und Fischer musste gehen. Die Entlassung war ein Einschnitt und vor allem der Bruch mit seinem Herzensverein.

Zwischen 1987 und 1995 bestritt Fischer 243 Spiele für den FC St. Gallen. Nur Marc Zellweger, Jörg Stiel und Daniel Lopar liefen öfter für die Ostschweizer auf. Mit insgesamt 545 Partien ist der in Zürich-Affoltern aufgewachsene Fischer noch immer Schweizer Rekordspieler. In St. Gallen prägte er die Zeit der Chilenen Ivan Zamorano, Hugo Rubio und Patricio Mardones mit. Fischer war ein Führungsspieler, ein Antreiber und ein Arbeiter, den das Publikum im Espenmoos ins Herz schloss. 1995 kehrte der Fussballer in seine Heimatstadt zurück. Weil der FC Zürich das 100jährige Bestehen feierte, wurde Fischer als Identifikationsfigur zurückgeholt. Eigentlich sei er in St. Gallen zufrieden gewesen, sagte Fischer vor wenigen Jahren. «Aber die Wurzeln bleiben ein Leben lang in einem drin.»