CHAMPIONS LEAGUE: Abwehrsorgen vor dem Derby

Vor dem heutigen Halbfinal-Hinspiel plagen sich Real Madrid und Atlético Madrid mit Abwehrsorgen herum. Real kassiert zu viele Tore, Atlético stehen fast keine Verteidiger mehr zur Verfügung.

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Nach einer Verletzungspause steht der Franzose Raphaël Varane (Zweiter von rechts) seinem Club Real Madrid in der Innenverteidigung wieder zur Verfügung. (Bild: Steven Governo/AP (Lissabon, 22. November 2016))

Nach einer Verletzungspause steht der Franzose Raphaël Varane (Zweiter von rechts) seinem Club Real Madrid in der Innenverteidigung wieder zur Verfügung. (Bild: Steven Governo/AP (Lissabon, 22. November 2016))

Eine alte Weisheit besagt: Spiele gewinnt man im Sturm, Meisterschaften in der Abwehr. Für Real Madrid gilt das so nicht. Das Team von Zinédine Zidane steht in der spanischen Liga auf Platz 1, obwohl es mehr Tore kassiert als die vier Konkurrenten FC Barcelona, Atlético Madrid, Villar­real und Athletic Bilbao. Und es steht in der Champions League in den Halbfinals, obwohl es noch nie in dieser Saison ohne Gegentor geblieben ist.

In den vergangenen fünf Pflichtspielen musste Real Madrid zehn Gegentore hinnehmen. Fünf davon gegen die hochkarätig besetzten Teams von Bayern München und FC Barcelona. Aber auch die Abstiegskandidaten Sporting Gijon und La Coruña trafen gegen Sergio Ramos und Co. zweimal. «Madrid ist ein Sieb», titelte deshalb die spanische Zeitung «Mundo Deportivo» vor wenigen Tagen.

Zidane spielt die Probleme vor dem Hinspiel in der Champions League herunter. «Es ist unsere Philosophie anzugreifen. Da gehen wir auch ein gewisses Risiko in der Abwehr ein.» Trotzdem dürfte der Franzose froh sein, steht ihm nun der Landsmann Raphaël Varane nach überstandener Oberschenkel- und Achillessehnenverletzung in der Innenverteidigung wieder zur Verfügung. Mit dem 23-Jährigen in der Startformation kassierte Real im Schnitt 0,85 Gegentore. Ohne ihn beträgt die Quote 1,57.

Während bei Real ein Leistungsträger in der Defensive zurückkommt, fallen bei Atlético Madrid die Verteidiger derzeit wie Domino-Steine um. Nach den Ausfällen von Juanfran und Sime Vrsaljko verletzte sich im Spiel gegen Las Palmas mit José Maria Gimenez der dritte Aussenverteidiger im Kader. Deshalb muss der Montenegriner Stefan Savic rechts verteidigen und spielt Lucas Hernandez, der in der Champions League erst zu drei Einsätzen gelangt ist, in der zentralen Abwehr.

Real Madrid war bisher besser

Trotzdem sagte Routinier Fernando Torres: «Wir haben keine Angst.» Vor gut einem Monat holte Atlético in der Meisterschaft auswärts gegen Real nach Rückstand ein 1:1. Das wäre auch im heutigen Spiel ein gutes Resultat – und die Basis zum ersten Europacup-Triumph über den Rivalen. In den vergangenen drei Jahren scheiterte Atlético nämlich in der Champions League nur an einem Widersacher: Real Madrid. 2014 und 2016 im Final, 2015 im Viertelfinal. (sda)