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Champagner für Alaphilippe, Selters für Team Ineos

Julian Alaphilippe holt sich die 3. Etappe der Tour de France und schlüpft auch ins Gelbe Trikot. Beim Team Ineos zeigt Titelverteidiger Geraint Thomas erste Schwächen.
Tom Mustroph
Der Franzose Julian Alaphilippe Epernay, France, 08 July 2019. EPA/YOAN VALAT

Der Franzose Julian Alaphilippe Epernay, France, 08 July 2019. EPA/YOAN VALAT

Egan Bernal zeigte im Ziel in der Champagnerstadt Epernay, dass er seine Jugend als Geländefahrer verbracht hatte. Schnell sprang er über eine hohe Bordsteinkante, um den Journalisten auszuweichen, und verschwand hinter den Teambussen. Bernal hatte zuvor bereits das Rennen richtig gelesen. Er hatte sich bei den steilen Rampen durch die Weinberge der Champagne gut positioniert und liess sich auch bei den Tempoverschärfungen auf dem Schlussanstieg nicht überraschen. Fünf Sekunden Vorsprung auf die meisten der Klassementrivalen waren der Lohn, fünf Sekunden gewann er auch auf Teamkollegen Geraint Thomas. Ausgerechnet zwischen den beiden Ineos-Fahrern war die Lücke entstanden.

Während Bernal so schnell entschwand, dass man nicht einmal von seinem Gesicht ablesen konnte, ob er sich diebisch freute, war das Lachen von Julian Alaphilippe für alle sichtbar. Der Franzose, der mit Siegen bei den Strade Bianche, Mailand – Sanremo und dem wallonischen Pfeil bereits ein grossartiges Frühjahr hatte, setzte bei der Heimkehr der Grande Boucle nach Frankreich seine phänomenale Erfolgsserie fort. «Man weiss, dass er bei Etappen wie dieser gewinnen kann. Man erwartet seinen Antritt. Und folgen kann ihm doch niemand», beschrieb der Bora hansgrohe-Profi Maximilian Schachmann das Dilemma der Konkurrenz. Schachmann selbst hatte eigentlich vorgehabt, Alaphilippe zu folgen, als der auf der 12,2 Prozent steilen Cote de Mutigny davon schoss. «Der Antritt war aber zu stark», beschrieb Schachmann die folgenden Szenen. Mit einer Vierergruppe, unter anderem mit dem Basken Mikel Landa, setzte Schachmann Alaphilippe hinterher. Die Gruppe gab aber bald auf. Grund waren auch taktische Geplänkel. Schachmann arbeitete auf Anweisung seiner sportlichen Leitung nicht mit in der Gruppe. «Unsere Taktik war, heute ganz für Peter Sagan zu arbeiten. Ich wollte mit meiner Attacke nur etwas Druck von ihm nehmen», erklärte Schachmann.

Alaphilippe: «Ich bin sprachlos»

Ganz glücklich wirkte der Tour-Neuling über diese Entscheidung nicht. Tages-Captain Peter Sagan konnte dann nicht einmal den Sprint des reduzierten Feldes für sich entscheiden. Die Punkte als Etappenfünfter reichten aber immerhin zur Übernahme des Grünen Trikots. Der Slowake trug es zwar schon auf der Etappe, aber nur in Vertretung für den punktgleichen Gesamtführenden der ersten beiden Tage, Mike Teunissen. «Natürlich bin ich glücklich, dass ich das Grüne Trikot wiederhabe. Insofern war es ein guter Tag», meinte Sagan. Liebend gern hätte er diesen guten Tag mit einem Etappensieg zu einem exzellenten gekrönt. Gegen Alaphilippe war aber kein Kraut gewachsen. «Ich bin sprachlos», so Alaphilippe. «Ich wusste, das Finale lag mir. Mir gelang es dann auch, allen Problemen und Stürzen fernzubleiben. Bei meiner Attacke habe ich nicht damit gerechnet, allein wegzukommen. Ich gab dann alles. Es ist schwierig, den Erwartungen gerecht zu werden und die Favoritenrolle auch auszufüllen. Mir gelang das heute, und ich bin glücklich», meinte der Profi vom belgischen Rennstall Deceuninck Quick Step.

Deutlich distanzierte er auch den bisherigen Gesamtführenden Teunissen vom Jumbo Visma-Team. Der Niederländer fiel früh aus dem Hauptfeld zurück. Weil auch seine kletterstärkeren Teamkollegen Wout van Aert und Steven Kruijswijk nicht mit Alaphilippe mithalten konnten, erwies sich die enorme Tempoarbeit, die der Deutsche Tony Martin über lange Kilometer zwischen den wallonischen Feldern und den Weinbergen der Champagne geleistet hatte, als umsonst. Martin hatte die Hauptarbeit geleistet, eine fünfköpfige Fluchtgruppe zu kontrollieren. Einer gegen fünf lautete der Kampf über weite Strecken dieser 215 km langen Etappe, bevor dann Alaphilippe auf den letzten 16 Kilometern einen Wettbewerb Einer gegen alle daraus machte – und ihn auch noch gewann.

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