CHALLENGE LEAGUE: Qualität besiegt Leidenschaft

Eine in kämpferischer Hinsicht einwandfreie Leistung genügt dem FC Wil nicht, um gegen Absteiger Vaduz zu punkten. Bei der 0:1-Heimniederlage macht ein ruhender Ball den Unterschied aus.

Simon Dudle
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Maurice Brunner und der FC Vaduz setzen sich gegen Kenzo Schällibaum (rechts), Johan Vonlanthen und den FC Wil knapp durch. (Bild: Gianluca Lombardi)

Maurice Brunner und der FC Vaduz setzen sich gegen Kenzo Schällibaum (rechts), Johan Vonlanthen und den FC Wil knapp durch. (Bild: Gianluca Lombardi)

Simon Dudle

Als Konrad Fünfstück vor gut einem Monat überraschend beim FC Wil als neuer Trainer vorgestellt wurde, gab er bereits die Marschrichtung für die neue Saison vor: Mit ehrlicher Arbeit und viel Einsatz Schritt für Schritt vorwärts kommen. Dies wiederholte er im Verlauf der Vorbereitungsphase gebetsmühlenartig. Nach dem ersten Pflichtspiel unter seiner Führung ist festzuhalten: Die neu formierte Mannschaft hat die Vorgaben schon gut umgesetzt. Sie machte vieles richtig, zeigte eine kämpferische Leistung wie kaum im vergangenen Jahr und gestand dem qualitativ überlegenen Gegner nicht allzu viele Chancen zu.

Das genügte aber nicht, um den Liechtensteinern, die als Absteiger einer der meistgenannten Anwärter auf den sofortigen Wideraufstieg sind, Punkte abzuknöpfen. Die beiden entscheidenden Situationen spielten sich binnen weniger Sekunden rund eine Viertelstunde vor Schluss ab. Der Führungstreffer der Gäste schien bereits beschlossene Sache, als der starke Mohamed Coulibaly gleich mehrere Akteure der Gastgeber umkurvte und dann das leere Tor vor sich hatte. Allerdings konnte Wils neuer Captain, Marko Muslin, in extremis doch noch zum Corner klären. Diesen trat der eingewechselte Milan Gajic von der rechten Seite zur Mitte, wo Marco Mathys per Kopf zum Vaduzer Führungstreffer einnicken konnte.

In Rückstand liegend zu harmlos

Dies war gleichbedeutend mit der Entscheidung. Denn in der Folge wurde deutlich, was sich schon zuvor und in einigen Testspielen angedeutet hatte: Im Wiler Offensivbereich gibt es einiges an Luft noch oben. In Rückstand liegend erspielten sich die Gastgeber in der Schlussviertelstunde keine einzige zwingende Chance mehr. Es schien, also hätten sie sich zuvor zu sehr verausgabt. Man wünschte sich, einer wie Silvio sässe nicht nur auf der Tribüne der IGP-Arena wie an diesem Nachmittag, sondern wirkte auf dem Kunstrasen mit. Der Brasilianer, im vergangenen Jahrzehnt für rund drei Saisons ein Wiler und in der vergangenen Saison 16-facher Torschütze für Winterthur, soll vor einer Rückkehr stehen. Die Verhandlungen mit den Zürchern ziehen sich aber in die Länge. Auch gestern traf die Vollzugsmeldung nicht ein. Bei der 1:3-Heimniederlage Winterthurs am Samstag gegen Wohlen gehörte Silvio nicht zum Aufgebot.

Während Siegtorschütze Mathys nach dem Spiel von einem «Geknorze» sprach, war die Niederlage für Wils Trainer Fünfstück «ärgerlich». Er sagte: «Wir waren leidenschaftlich bei der Sache und sind auf einem guten Weg. Offensiv fehlt es uns aber noch an Erfahrung und Reife. Die Qualität hat sich schliesslich durchgesetzt.» Fünfstück ergänzte: «Wir werden in dieser Saison noch viele Spiele erleben gegen Teams, die uns an Routine überlegen sind.» Verteidiger Michael Gonçalves sprach von einem «unnötigen Gegentor», aber auch von einer Leistung, auf der man aufbauen könne.

Vonlanthen dem Führungstreffer nahe

Die Wiler hatten ihre Haut teuer verkauft, mussten dem Geg- ner aber doch die grössere An-zahl Möglichkeiten zugestehen. Chancen auf ein Wiler Tor gab es aber auch. Vorab kurz vor der Pause, als Caine Keller von der linken Seite flankte und Johan Vonlanthen zentral vor dem Tor an den Ball kam, aber die gute Möglichkeit vergab.