Carlsen lümmelt, Viswanathan brütet

Schach; das Spiel der Könige. Für den Laien ein Buch mit sieben Siegeln. Wer kennt schon die Tschigorin-Verteidigung? Eben. Wie also als Laie über diese Sportart berichten? Schliesslich ist Schach-WM.

Christof Krapf
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Schach; das Spiel der Könige. Für den Laien ein Buch mit sieben Siegeln. Wer kennt schon die Tschigorin-Verteidigung? Eben. Wie also als Laie über diese Sportart berichten? Schliesslich ist Schach-WM. Vielleicht mit einem Liveticker? Wie im Fussball? Denn diese Sportart versteht bekanntlich jeder. Hier deshalb Spiel acht: Titelverteidiger Magnus Carlsen aus Norwegen gegen seinen indischen Herausforderer Anand Viswanathan. Live im Ticker.

Vor dem Spiel: Die Kontrahenten haben sich in Spiel sieben eine Abwehrschlacht geliefert. Sechseinhalb Stunden hat diese gedauert und unentschieden geendet. Die Frage ist nun, wie der 44jährige Viswanathan die Strapazen überstanden hat. «Gut essen, gut schlafen», lautet das Rezept für solche Situationen. Hoffen wir, dass der Inder dies getan hat. Denn sein Gegner ist 21 Jahre jünger und dürfte frischer sein.

Eröffnung: Es ist totenstill im Pressezentrum der Olympischen Spiele von Sotschi, wo gespielt wird. Viswanathan tritt in Weiss von rechts nach links an und hat Anspiel. Ein Vorteil für den Inder. Los geht's.

Startphase: Viswanathan setzt auf ein Damengambit. Diese Eröffnung haben wir von ihm schon in Spiel drei gesehen – damals gewann er. Ein gutes Omen? Er erspielt sich eine Bauern-Übermacht im Mittelfeld. Der norwegische Weltmeister gerät unter Druck. Anmerken lässt er sich nichts. Carlsens Augen sind geschlossen. Ja, schläft der denn?

Zug 6: Die Partie hat Fahrt aufgenommen. Carlsen liegt eher in seinem Sessel als er sitzt. Die Augen noch immer geschlossen. Liegt es an der Motivation? Viswanathan macht mehr fürs Spiel. Sucht sein Glück im Angriff und erspielt sich dank des Damengambits erste Chancen in der Offensive.

Zug 8: Wo ist Carlsen? Der Norweger hat die Wettkampfbühne verlassen. Ist der schon müde oder drückt die Blase? Vielleicht ist dies aber auch eine taktische Finte, um den Gegner zu verunsichern. Viswanathan sitzt derweil brütend vor dem Brett.

Zug 9: Da ist er wieder, der Norweger, und wie! Mit seinem Turm versucht er die gegnerischen Angriffe zu kontern – vorerst ohne zählbaren Erfolg. Viswanathan brütet weiter.

Zug 9: Carlsens Zug haben wir übrigens schon 1905 bei der Partie zwischen Frank Marshall und David Janowski gesehen. Sie erinnern sich.

Zug 14: Carlsen kommt nicht in die Gänge. Er verschleppt das Tempo und sucht noch nach der idealen Abstimmung. Viswanathan brütet derweil.

Zug 21: Ganz clever gespielt von Carlsen. Weltklasse! Viswanathans Dame ist ihm zu aktiv. Also weg damit. Doch auch der Norweger büsst bei diesem Spielzug seine Dame ein. Gar nicht die feine Art, so was.

Zug 25: Hier läuft gerade nicht viel. Die Gegner neutralisieren sich. Carlsen lümmelt, Viswanathan brütet. Alles wie gehabt.

Zug 26: Carlsen räumt alles ab, was ihm Viswanathan entgegenwirft, und büsst dabei eigene Figuren ein. Spielt der auf Remis? Leisten könnte er es sich. Schliesslich führt er 4:3.

Zug 34: Wann brüllt der «Tiger von Madras», wie Viswanathan in Schachkreisen genannt wird, endlich? Er liegt doch zurück.

Zug 39: Die Sache ist gelaufen. Keiner der Kontrahenten hat mehr Siegeschancen. Nur: Wann merken die beiden das?

Zug 41: Fertig aus. Die Gegner einigen sich auf ein Remis und schütteln sich die Hand. Nur zweieinhalb Stunden hat das gedauert. Kurzarbeit sozusagen. Carlsen führt 4,5 zu 3,5. Bis bald – bei Partie Nummer neun.