Bunjaku führt das Torschützenklassement an, Cavusevic musste aufhören, Aleksic spielt für den Erdogan-Club – was aus früheren FCSG-Spielern geworden ist

Das Fussballerleben geht auch nach dem FC St.Gallen weiter. Überraschungen inklusive.

Christian Brägger
Hören
Drucken
Teilen
Albert Bunjaku ist in der 3. Bundesliga Leader des Torschützenklassements.

Albert Bunjaku ist in der 3. Bundesliga Leader des Torschützenklassements.

Getty

Das Toreschiessen verlernt man nie, heisst es. Das bleibe im Blut. Auch Albert Bunjaku hat es noch drauf. In St.Gallen hatte es damit nach passablem Start nicht mehr nach Wunsch geklappt, doch heute ist der frühere Schweizer Nationalspieler im Sold bei Viktoria Köln in der 3. Bundesliga Deutschlands mit 13 Treffern Leader des Torschützenklassements.

Bunjaku steckt mit dem familiären Verein aus Nordrhein-Westfalen im Abstiegskampf. An die Heimspiele kommen 2'000 Zuschauer, auswärts gegen Hansa Rostock oder 1'860 München gehe es aber jeweils ab, sagt der 36-Jährige; er fühlt sich immer noch im Saft.

Der Vertrag läuft zum Ende der Saison aus, Bunjaku sagt: «Es wird wohl so kommen, dass ich nochmals für ein Jahr verlängere. Sofern wir nicht absteigen. Gespräche haben jedenfalls schon stattgefunden.» Der Stürmer wohnt mit seiner Frau und den beiden Kindern in Köln, nach der Karriere soll der Einstieg ins Trainerbusiness folgen. Und wenn es dereinst eine Rückkehr in die Schweiz geben sollte, will Bunjaku wieder in sein Haus in Wittenbach ziehen.

Sandro Gotal ist wieder zurück

Den Weg zurück in die österreichische Bundesliga hat Sandro Gotal geschafft, er spielte bei Hartberg zuletzt aber keine Rolle. Seit dem Weggang aus St.Gallen im September 2016 stehen beim 28-jährigen Stürmer, der so gerne wie Zlatan Ibrahimovic wäre, sechs Clubwechsel zu Buche. Reüssiert hat er einzig im einjährigen Gastspiel bei FK Suduva Marijampole in Litauen.

Batuhan Karadeniz geht seinem Fussallerberuf inzwischen in der dritthöchsten Liga der Türkei nach, er macht dort beim Tabellenzweiten Bandirmaspor seine Sache gut: In diesem Jahr traf der 28-jährige Stürmer für den Club am Südufer des Marmarameeres saisonübergreifend in der Meisterschaft 20 Mal bei 27 Einsätzen. Sein Marktwert ist in all den Jahren dennoch zusammengebrochen, war der Höchststand 2012 einmal bei 2,5 Millionen Euro, ist Karadeniz heute gerade noch 50'000 Euro wert.

Martin Angha, der frühere Captain des FC St.Gallen, fand nach dem Weggang im September 2017 sein Glück auch im FC Sion nicht. Oft war der Verteidiger verletzt, und natürlich war der Club so, wie man ihn vom Hörensagen kennt: Kompliziert. Angha machte für sich einen Schnitt, wechselte diesen Sommer für zwei Jahre zu Fortuna Sittard in die nicht zu unterschätzende holländische Eredivisie – und kann endlich wieder lachen. Beim heimstarken, aber äusserst auswärtsschwachen Verein des hinteren Tabellenmittelfelds ist Angha als Innenverteidiger gesetzt, der Vertrag läuft bis Sommer 2021.

Mutsch: «Zurück zu St.Gallen»

Mario Mutsch (links) kann sich vorstellen, dereinst nach St.Gallen zurückzukehren.

Mario Mutsch (links) kann sich vorstellen, dereinst nach St.Gallen zurückzukehren.

imago-images

Nach zweieinhalb Jahren mit Vaduz und der anschliessenden halbjährigen Vereinslosigkeit lässt Marco Mathys die Karriere beim FC Solothurn in der 1. Liga ausklingen. Ebendiese hat Mario Mutsch im Sommer bei Progrès Niederkorn beendet und hält sich nun im Trainermetier auf. Der 35-Jährige wohnt in Belgien und coacht für sein Heimatland Luxemburg die talentiertesten U12- und U14-Junioren. Davor hatte es der langjährige Verteidiger des FC St.Gallen tatsächlich noch geschafft, mit 101 Länderspielen Rekordnationalspieler seines Landes zu werden. Heute sagt Mutsch: 

«Der FC St.Gallen ist immer noch tief in meinem Herzen. Es wäre wunderbar, wenn mein Weg dereinst wieder dahin zurückführen würde. Egal, in welcher Form.»

Nach etwas mehr als fünfmonatiger Arbeitslosigkeit hat sich Franck Etoundi vor zehn Tagen für das nächste Halbjahr Slaven Belupo angeschlossen. Während er hofft, dass es im Alter von 29 Jahren in der höchsten kroatischen Liga endlich wieder aufwärtsgeht, ist Florent Hanin seinen Weg gegangen. Der 29-jährige Linksverteidiger spielt inzwischen beim Tabellenfünften Vitoria Guimarães und damit an einer guten Adresse Portugals, sein Marktwert mit 1,5 Millionen Euro ist so hoch wie nie.

Kofi Schulz, ein anderer ehemaliger Linksverteidiger des FC St.Gallen, läuft seit diesem Sommer in der zweithöchsten österreichischen Liga als Stammspieler bei der SKU Amstetten auf, keinen Stammplatz und immer mal wieder Verletzungssorgen plagen dafür Lucas Cueto bei Preussen Münster, das in derselben Liga wie Viktoria Köln spielt.

Grosses Pech für Dzengis Cavusevic

Dzengis Cavusevic musste die Karriere beenden.

Dzengis Cavusevic musste die Karriere beenden.

Samuel Schalch

Wie das Leben im Fussball nicht immer gradlinig verläuft, zeigt sich beim 27-jährigen Edgar Salli. Nach drei Jahren mit Nürnberg verschlug es den quirligen kamerunischen Flügelspieler zu Sepsi OSK Sfântu Gheorghe und damit ins rumänische Tabellenmittelfeld. Teamkollege dort ist mit Goran Karanovic ebenfalls ein Offensivspieler mit St.Galler Vergangenheit – der Stürmer trifft regelmässig.

Schlimm erwischte es Dzengis Cavusevic. Nach einem dritten Kreuzbandriss – zwei erlitt der Slowene mit dem FC St.Gallen – musste der Stürmer in Australien bei Adelaide United vor über einem Jahr schweren Herzens mit dem Fussballspiel aufhören. Die Signale des Körpers waren deutlich. Er habe gespürt, dass diese neuerliche Verletzung das Karriereende bedeuten würde, sagt Cavusevic. Und weiter:

«Auch wenn ich vom Kopf her unbedingt weitermachen wollte.»

Noch in der Reha brach er sich zusätzlich den Fuss. Heute trainiert der 32-Jährige in der vierthöchsten slowenischen Liga Slovan Ljubljana, doch soll das erst der Anfang sein.

Nzuzi Toko hat die Saison mit IFK Göteborg auf dem siebten Platz beendet. Der 28-Jährige ist als Offensivverteidiger unbestritten und begeistert von seinem Arbeitgeber, der Vertrag läuft noch ein halbes Jahr – und endet damit mitten in der nächsten Spielzeit. Wie wird es danach für Toko weitergehen?

Danijel Aleksic spielt für Recep Tayyip Erdoğan

Danijel Aleksic verliess den FC St.Gallen im Sommer 2018.

Danijel Aleksic verliess den FC St.Gallen im Sommer 2018.

Urs Flüeler/Keystone

Bleibt noch Danijel Aleksic: Nach einem komischen, letztlich drei Spiele dauernden Abstecher nach Saudi-Arabien zu Al-Ahli läuft der kreative Linksfuss nun für den Istanbuler Verein Basaksehir auf. Erst im Sommer war der 28-jährige Serbe für kolportierte 3,8 Millionen Euro in den Wüstenstaat gewechselt, nur eineinhalb Monate später kehrte er – laut inoffizieller Meldungen ablösefrei – in die Türkei zurück.

Basaksehir ist ein Spitzenclub und mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan und dessen Partei AKP eng verbunden. Laut eigener Aussage soll der Machthaber an der Gründung beteiligt gewesen sein, der Verein ist derzeit Liga-Zweiter und gewann jüngst vor der AS Roma und Mönchengladbach seine Europa-League- Gruppe J. Aleksics aktueller Marktwert: Drei Millionen Euro.

Und dann gab es in der Saison 2010/11 im FC St.Gallen ja auch noch den Innenverteidiger Tim Bakens und den Stürmer Sandro Calabro, die beide als Fehleinkäufe galten und schnell von der Ostschweizer Bildfläche verschwanden.

Beide Holländer haben längst ihre Spielerkarrieren beendet, und Bakens ist heute in der Heimat quasi vis-à-vis von der Fussballhauptstadt Amsterdam Nachwuchstrainer bei Almere City – mit überschaubarem Punkteschnitt.

Mehe zum Thema