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BUNDESLIGA: Traumdébut in falschen Schuhen

In Leipzig ist die Debatte über die Nachwuchsabteilung von einem Leihspieler beendet worden. Der eingewechselte Engländer Ademola Lookman traf gegen Mönchengladbach in der 89. Minute zum 1:0.
Daniel Theweleit, Mönchengladbach
Ademola Lookman (rechts) brachte nur ein Paar Fussballschuhe aus England mit, doch das reichte. (Bild: Imago)

Ademola Lookman (rechts) brachte nur ein Paar Fussballschuhe aus England mit, doch das reichte. (Bild: Imago)

Daniel Theweleit, Mönchengladbach

Der Eigensinn von jungen, unvernünftigen Fussballprofis ist ein altes Problem in diesem Geschäft. Es gibt Spieler, die taktische Anweisungen ignorieren. Manche lassen sich von Problemen im Privatleben ablenken oder beschäftigen sich zu intensiv mit dem nächsten Autokauf, und seit diesem Wochenende gibt es auch den Leipziger Profi Ademola Lookman. Dieser 20-jährige Engländer ist vorige Woche vom FC Everton an den sächsischen Bundesligaclub ausgeliehen worden und hat nur ein einziges Paar Fussballschuhe aus dem Land der kunstvollen Rasenpflege ins winterliche Fussballdeutschland mitgebracht. Bereits an den beiden Trainingstagen, die Lookman mit seinem neuen Team absolvierte, sei der U20-Weltmeister «nur gerutscht», berichtete Trainer Ralph Hasenhüttl. Und auf die Bitte, wenigstens im Spiel in Mönchengladbach andere Stiefel zu tragen, habe der Spieler schlicht erwidert: «Ne.»

Knapp 78 Minuten waren in dem hart umkämpften Spiel im Borussia-Park absolviert, als Lookman mit seinem untauglichen Schuhwerk einen durchpflügten Rasen betrat, und überhaupt keinen Halt fand. «Ich wollte ihn eigentlich sofort wieder rausnehmen», erzählte Hasenhüttl, aber der Fussball-Lehrer mochte diesen jungen Kerl auch nicht gleich in seinem ersten Spiel blamieren. Also ertrug er das Geschlitter, und statt zum Gespött der Liga zu werden, avancierte Lookman tatsächlich zum Helden des Abends. In der 89. Minute erzielte er nach einem schönen Lauf durch die Gladbacher Hälfte den 1:0-Siegtreffer für die Leipziger. «Kompliment an unseren Sportdirektor für diesen Transfer, Kompliment an unseren Trainer, dass er ihn eingewechselt hat», sagte Torhüter Peter Gulacsi.

Kein bundesligawürdiger Nachwuchs

Und so wurde Lookmans Treffer zur seltsamen Schlusspointe bewegter Tage mit intensiven Debatten über das Leipziger Fussballprojekt. Denn vor der Partie hatte Ralf Rangnick den Club mit einigen deutlichen Anmerkungen aufgerüttelt. Leipzig unterhält ja ein ambitioniertes Jugendinternat, ist aber der einzige Bundesligaclub, der im Saisonverlauf keinen einzigen Spieler aus dem eigenen Nachwuchs eingesetzt hat. Nachdem sich Emil Forsberg verletzt hat und eine Lücke entstand, mussten sie Lookman ausleihen, weil kein eigenes Talent gut genug ist, um an die Bundesliga herangeführt zu werden. Nach dem Kreuzbandriss von Marcel Halstenberg konnten sie gar nicht mehr reagieren, weshalb Rangnick sich vor dem Spiel zu einer emotionalen Generalkritik hinreissen liess. «Wir müssen konstatieren, dass wir die schlechteste U19 seit sechs Jahren haben, seit ich da bin. Und dass keiner der Spieler in Frage kam, um Forsberg oder Halstenberg auch nur annähernd zu ersetzen», hatte er gezürnt.

Nach dem wilden «Immerhöherimmerweiter» der vergangenen Jahre ist Leipzig irgendwie im grauen Alltag der Fussballwelt angekommen. Die Mannschaft und ihr Umfeld sind nicht mehr mit dieser extremen Energie der Vorsaison aufgeladen, das war auch in Mönchengladbach zu sehen, und das soll sich ändern. Dass nun Lookman, diese Notlösung aus England mit Zahnspange und ungeeignetem Schuhwerk, den ersten Auswärtssieg seit Oktober möglich machte, wirkt da wie ein listiger Scherz des Schicksals.

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