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BUNDESLIGA: Schweizer Helden in Gladbach

Nebst Torschütze Nico Elvedi hat bei Mönchengladbachs Derbysieg gegen Köln mit Denis Zakaria ein zweiter Schweizer überzeugt. Vom 22-Jährigen erhofft sich Gladbach die Rückkehr des Xhaka-Faktors.
Daniel Theweleit
Denis Zakaria und Nico Elvedi feiern das 1:0-Siegtor im Rhein-Derby gegen Köln. (Bild: Uwe Speck/Freshfocus)

Denis Zakaria und Nico Elvedi feiern das 1:0-Siegtor im Rhein-Derby gegen Köln. (Bild: Uwe Speck/Freshfocus)

Daniel Theweleit

Auf den ersten Blick mag es reichlich seltsam wirken, dass Dieter Hecking in seinem Résumé zum Derby zwischen Mönchengladbach und Köln eine Grätsche zur «Szene des Spiels» erklärte. Schliesslich hatten die gut 50 000 Zuschauer einen hochklassigen Fussballabend erlebt, der viel mehr zu bieten hatte als Kampf und Leidenschaft. Es war eine Partie voller Tempo, technischer Feinheiten und strategischem Geschick. Aber wie Siegtorschütze Nico Elvedi mit einem gekonnten Sprung im eigenen Strafraum Jhon Córdoba am Abschluss hinderte, hatte Hecking besonders beeindruckt. «Zwei Minuten nach dem Treffer die Konzentration zu haben, da hinten in der höchsten Not zu retten, das war eine herausragende Aktion von ihm», sagte der Trainer nach dem 1:0-Erfolg seiner Borussia.

Elvedi war der Held des Tages; er hatte souverän verteidigt, tauchte häufig in der Offensive auf und krönte seine Leistung mit seinem ersten Bundesligatreffer überhaupt. Der Schweizer sei schon in der Vorsaison einer der «meistunterschätzten Spieler» gewesen, sagte Hecking.

Neuzugänge verleihen Stabilität

Die Mannschaft verfügt mit Lars Stindl, Raffael und diversen schnellen Aussenstürmern nicht nur über interessante Angriffs­optionen, sondern auch über eine Abwehr, gegen die sicher nicht nur der Kölner Angriff ohne eigenes Tor bleiben wird. Der starke Jannik Vestergaard und Neu­zugang Matthias Ginter bilden ein Innenverteidigerpaar, das zu einem Bollwerk werden könnte. Und davor haben sie mit Denis Zakaria einen neuen Spieler, der dem Team die im Vorjahr ver­loren gegangene Wucht zurückgeben könnte.

Sowohl Ginter als auch Zakaria hätten «gezeigt, was wir uns erwartet» haben, sagte Sportdirektor Max Eberl, wobei Zakaria die Hoffnungen vielleicht sogar noch übertroffen hat. Kein einziger Fehlpass ist dem 20-jährigen Schweizer auf der komplexen Position im Mittelfeldzentrum unterlaufen, und seine Präsenz war beeindruckend, fand Eberl: «Er spielt aggressiv, ist unglaublich schnell, ein guter Balleroberer, er kann eine Mannschaft mitreissen.» Und er unterhielt das Publikum mit einer weiteren Grätsche, die von diesem Spiel in Erinnerung bleiben wird.

Zakaria erinnert an alte Zeiten

Nach 22 Minuten kam Zakaria ­direkt vor der Kölner Trainerbank angerauscht und beförderte Leonardo Bittencourt schmerzhaft zu Boden. Mit Anlauf hechtete der Mittelfeldspieler in die Beine des filigranen Kölners, traf zwar sauber den Ball, zugleich aber auch die Knochen des Gegenspielers. In England wäre er damit nicht nur durchgekommen, die Herzen des Publikums wären ihm sicher gewesen. In Deutschland sah er dafür eine gelbe Karte. Beeindruckend war diese Szenen aber vor allem, weil diese Art der Kompromisslosigkeit dem Team in der vorigen Saison gefehlt hatte. Zu brav, zu still sei die Borussia gewesen, nachdem Granit Xhaka im Sommer 2016 zu Arsenal übergelaufen war, lautete ein Ergebnis der Saisonanalyse. Zakaria ist nun der Mann, von dem sie sich eine Rückkehr des Xhaka-Faktors erhoffen. «Ich hüte mich vor Vergleichen, doch in dem Fall sind sie nicht zu verhindern», hat Eberl in der Sommerpause gesagt, und zugleich gewarnt: «Ich erinnere gern ­daran, wie schwer für Xhaka die ersten 18 Monate bei uns waren.»

Zakaria wird sich womöglich schneller integrieren, denn er wirkt zwar ähnlich wuchtig und präsent, ist nach den bisherigen Eindrücken aber nicht solch ein Grenzgänger. Und so grossspurig, wie Xhaka vom ersten Tag an in Mönchengladbach auftrat, scheint Zakaria auch nicht zu sein. «Es war ein schwieriges Spiel. Wir mussten heute geduldig sein, vor allem in der ersten Halbzeit haben wir sehr gut gespielt», sagte er mit einem sanften französischen Akzent. Der Vater ist Kongolese und arbeitet für die dortige Regierung, die Mutter stammt aus dem Sudan und lebt in Genf.

Zakaria selbst ist Schweizer, durchlief die Nachwuchs-Nationalteams und kam für zwölf Millionen Euro von den Young Boys zu Mönchengladbach. In Bern hat er zuletzt übrigens nicht immer so überzeugend gespielt wie in seiner ersten Bundesligapartie. Man wird sich also vielleicht nochmals erinnern an Eberls Bitte um Geduld. Aber die Eindrücke dieses sehenswerten Derbys deuten schon darauf hin, dass die Gladbacher einmal mehr sehr schlau agiert haben auf dem Transfermarkt.

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