Trainer Markus Hagmann über seinen Läufer Dominic Lobalu: «Soll er gehen und das Ding gewinnen, dann bin ich zufrieden»

Am Dienstagabend wird sich die Schweizer Laufspitze zum ersten Mal nach dem Lockdown wieder an einem Wettkampf begegnen. Um den Sieg mitlaufen wird der Brühler Dominic Lobalu.

Casimir Herold
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Dominic Lobalu.

Dominic Lobalu.

Urs Siegwart

Seit einer Woche dürfen in der Leichtathletik wieder Wettkämpfe stattfinden. Die Nachfrage ist gross, die Startplätze aufgrund von Coronamassnahmen limitiert. Für die Langstreckenläufer ist gleich sofort voller Wettkampfbetrieb angesagt, findet doch am 26. Juni bereits die Schweizer Meisterschaft über 10'000 m statt.

Um den besten Läufern der Schweiz schon vorher ein schnelles Rennen zu ermöglichen, organisiert der Nationaltrainer Langstrecken Michael Rüegg einen Wettkampf über 5000 m in Wetzikon.

Messen mit Abraham und Rüttimann

Eric Rüttimann

Eric Rüttimann

PD

Auf der Startliste figurieren unter anderen Tadesse Abraham, Inhaber des Schweizer Rekords im Marathon, sowie Eric Rüttimann, der Schweizer Meister über 10'000 m. Für ein schnelles Rennen ohne taktisches Geplänkel wird ein Pacemaker verantwortlich sein. Die Zielzeit der Spitze: schnelle 13:45 Minuten.

All das sind für Dominic Lobalu jedoch keine Gründe, sich einschüchtern zu lassen. Er hat in dem Jahr, seitdem er als Flüchtling in der Schweiz lebt, bereits Aufsehen erregt. So liess er im vergangenen Winter sowohl Abraham als auch Rüttimann an Strassenläufen hinter sich. Zudem ist auch Lobalu eine Art inoffizieller Schweizer Meister, gewann er doch das 3000-m-Rennen in diesem Winter, war jedoch als Südsudanese nicht medaillenberechtigt.

Tadesse Abraham

Tadesse Abraham

Salvatore Di Nolfi/Keystone

Fünf Kilometer in 13:50 Minuten

Obwohl auch ihm die Wettkämpfe und Trainingspartner während des Lockdowns fehlten, gibt es an seiner momentanen Form nur wenig Zweifel. Im Trainingslauf morgens um halb acht mit Trainer Markus Hagmann auf dem Velo als einzigem Gegner lief er über fünf Kilometer 13:50 Minuten.

Lobalu war selbst überrascht ob dieser Zeit, liegt doch seine offizielle Bestzeit weit darüber. Weniger überrascht zeigte sich hingegen sein Trainer, er hatte nie an Lobalus Potenzial gezweifelt. So zeigt sich Hagmann auch im Hinblick auf den Wettkampf vom Dienstag zuversichtlich und traut ihm eine Zeit unterhalb der Zielzeit zu. Lobalu hingegen schüttelt bei solchen Prophezeiungen bloss ungläubig den Kopf.

Für Trainer und Athlet ist jedoch vor allem wichtig, dass Lobalu locker laufen und zeigen kann, was er draufhat. Eine gute Zeit würde ihm weitere Starts in noch schnelleren Rennen ermöglichen. Hagmann sagt nur halb im Scherz: «Soll er gehen und das Ding gewinnen, dann bin ich zufrieden.» Der 50 Jahre alte Club- und Kantonalrekord von 14:14 Minuten dürfte dabei quasi im Vorbeigehen fallen.