Brüderpaar als OL-Grossmacht

OL. Dank Gold durch Daniel Hubmann über die Mitteldistanz und die Sprint-Silbermedaille von Bruder Martin hat die Schweiz an der Weltmeisterschaft in Schottland bisher zwei Einzel-Podestplätze erreicht.

Urs Huwyler
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Daniel Hubmann gewinnt als erster Schweizer den WM-Titel im Orientierungslauf über die Mitteldistanz. (Bild: pd)

Daniel Hubmann gewinnt als erster Schweizer den WM-Titel im Orientierungslauf über die Mitteldistanz. (Bild: pd)

Nach dem WM-Sprint geriet die OL-Welt kurz durcheinander. Dass Martin Hubmann (26) in der Vergangenheit mehrfach auf seinen Bruder Daniel (32) angesprochen wurde, gehörte zu dessen Alltag. Umgekehrt kam es bisher selten vor. «Nun kennt man mich auch», durfte der Sprint-Team-Weltmeister und EM-Dritte von 2014 feststellen. Den Titel hatte der tempofeste Bauingenieur-Student um 1,9 Sekunden verpasst. «Irgendwann abends ist mir dies bewusst geworden. Dann kommen schon mal Gedanken auf, ob noch mehr möglich gewesen wäre. Doch ich hatte einen perfekten Lauf und die Verfolger lagen knapp hinter mir. Dani büsste als Sechster nur neun Sekunden ein.»

Minimal versüsste Niederlage

Hubmann dem Älteren unterlief ein Fehler, der ihm zwei unruhige Tage bescherte. Weltmeister wollte er im Sprint werden, eine bittere, nur durch Martins Auftritt minimal versüsste Niederlage wurde es. «Ich machte mir schon Gedanken. Wieder war ich als Favorit gestartet, wieder ging ich leer aus. Diese Tatsache hatte mich leicht verunsichert», gestand er. Vier Jahre musste er auf den fünften Titel (viermal Einzel, einmal Team) warten. Dreimal WM-Silber ging 2014 in Ordnung, mehr nicht. 2013 blieb das Podest hubmannlos, 2012 musste der gelernte Schreiner und seit 2007 OL-Profi verletzt Forfait erklären.

Ein fünffacher Gesamt-Weltcupsieger strebt goldene Zeiten an. «Dieser Sieg bedeutet mir viel. Bisher gelang es keinem Schweizer, auf der Mitteldistanz Weltmeister zu werden. Auch dies ist speziell. Nun ist meine Sammlung komplett.» Die Erleichterung ist bei Daniel Hubmann spür- und hörbar. In einer nicht olympischen Sportart werden die Besten an WM-Titeln gemessen. Wobei jeder Misserfolg die folgenden Erfolge aufwertet. «Es ist ein besonderes Gefühl. Als ich ins Ziel lief, war ich mir unsicher, ob drei Sekunden Vorsprung auf den nicht zum Favoritenkreis zählenden Franzosen Lucas Basset reichen. Aber ich beging keinen Fehler, die Konkurrenten anscheinend schon.»

Sportliche Reaktionen

Trainer Kilian Imhof strich schon im Vorfeld eine Hubmann-Qualität heraus: Enttäuschungen führten beim Brüder-Duo nicht zur Resignation, sondern einer Reaktion. Erst gab Martin den Tarif durch. Obwohl er die Fähigkeiten besitzt, um im Wald und mit der Distanz-Staffel schnell laufen zu können, blieb ihm die Ersatzrolle. Im Team-Sprint reichte es dem Quartett (ohne Daniel) nach einem Einbruch von Judith Wyder nur zu Platz vier. Martin Hubmann soll nahe des Loch Ness trotz einer Rippenquetschung Zäune übersprungen haben, um den Frust abzubauen. Der Einzel-Sprint zum Vizemeister war deshalb noch beeindruckender.

Das Schweizer Fernsehen strahlte am Tag nach dem Vizetitel des Thurgauers einen Bericht über Wyder aus. Martin Hubmann wurde nicht einmal in der Moderation erwähnt. Manchmal nerve es schon, wenn trotz erbrachter Leistungen und Resultate vor allem über andere berichtet werde, ist im Hubmann-Lager zu hören. Daniel stand nach dem ersten Einsatz in der zweiten Reihe, revanchierte sich wie an der EM (Sprint-Vierter) dann mit Mitteldistanz-Gold. Der Vermutung, er müsse zuerst gereizt werden, um der Konkurrenz die Absätze zu zeigen, widerspricht der weltbeste Allrounder.

Der Zuschauer erhält manchmal den Eindruck, Daniel Hubmann könne noch einen Gang höher schalten. «Das habe ich schon mehrfach gehört. Doch der Eindruck täuscht. Ich sehe nur langsamer aus. Wichtig ist, die Mischung aus Kartenlesen und Lauftempo zu finden. Über die Mitteldistanz ist mir dies geglückt.» Martin sprach ebenfalls von Aufwand und Ertrag. «Die Verlockung, schneller zu laufen, war gross. Doch das Risiko, Fehler zu begehen, wäre gestiegen.» Und so stünde die Schweiz ohne die vom eigenen Fanclub begleitete OL-Grossmacht Hubmann bisher medaillenlos im Wald.