Britischer Boom auf dem Eis

Heute trifft der SC Bern in der Champions League auf die Växjö Lakers. In der Gruppe der Berner spielen allerdings auch die mutmasslichen Exoten der Cardiff Devils.

Daniel Gerber
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Die «Teufel» von Cardiff feiern einen Sieg. (Bild: Stu Forster/Getty (Cardiff, 5. März 2017))

Die «Teufel» von Cardiff feiern einen Sieg. (Bild: Stu Forster/Getty (Cardiff, 5. März 2017))

Sechsmal gewannen die Cardiff Devils seit der Gründung 1986 die britische Meisterschaft, 2017 und 2018 gleich zweimal hintereinander. Folglich tritt die Mannschaft aus der Hauptstadt von Wales erneut in der Champions Hockey League (CHL) an. «Wir freuen uns sehr darauf, in Bern zu spielen. Wir haben erstaunliche Dinge über die Arena gehört und freuen uns, dass unsere Fans den berühmten Veranstaltungsort sehen», kommentiert Todd Kelman, Geschäftsführer der Cardiff Devils, das grosse Spiel vom kommenden Samstag (19.45) in Bern.

Die Champions Hockey League ist eine grosse Sache für das britische Eishockey und die Elite League (EIHL), hebt Andy French, Generalsekretär des britischen Eishockeyverbandes, hervor. «Ein Ziel der Fans und Spieler ist es, in der Liga deswegen gut zu sein, weil der Liga­sieger in der Champions Hockey League dabei ist.»

Cardiff bodigte bereits den HC Davos

Die 0:10-Pleite im vergangenen Jahr in Davos war sicherlich nicht eine Sternstunde in der Geschichte des britischen Hockeyschaffens, doch im Rückspiel triumphierte Cardiff daheim in der Verlängerung mit 4:3 Toren und holte in der Gruppenphase doch insgesamt fünf Punkte. Todd Kelman erinnert sich: «Der Sieg gegen Davos in der letzten Saison war ein sehr wichtiger Sieg für unser Team. Es war toll, eines der besten Teams aus einer der besten Ligen der Welt zu schlagen.»

Heuer strebt die Mannschaft drei Erfolge in der Champions League an. «Ein grosses Ziel, aber man weiss ja nie.»

«Die britische Liga wird von Jahr zu Jahr wettbewerbsfähiger, und sie ist in Europa immer beliebter geworden», bilanziert Andy French. «Wir gehen davon aus, dass die Elite-Liga im Laufe der Jahre immer stärker werden wird.» Dies auch dank Clubs wie den Cardiff Devils – Kelman über die EIHL: «Wir sind die meistgesehene Indoor-Sportart in Grossbritannien, unsere Liga verfügt über Arenen, die zwischen 2000 und 9000 Besucher fassen.» Das Insel-Eishockey sei beliebter, als viele Leute aus anderen Hockey-Nationen vermuten würden, so Todd Kelman.

Laut Andy French führt das Erstarken der Liga zu einem Schub, so «dass die GB-Männer von der Divison 1B über die Division 1A in die Top-Division aufgestiegen sind». Das bringt zusätzliches Interesse am Sport auf der Insel. An der Heim-WM 2017 in Belfast gelang der Aufstieg in die Division 1A. «Das Ziel war der Ligaerhalt.» Ohne Druck habe die Mannschaft gespielt, «und zu Träumen gewagt». Der Ligaerhalt wurde weit übertroffen, die Mannschaft marschierte gleich durch in die Top-Division, in der sie nun 2019 bei der WM in der Slowakei antreten wird. «Die Vision ist natürlich, in der obersten Liga zu bleiben, und alles darüber ist ein Bonus», blickt French nach vorne. Es gibt einen Unterstützerclub, der 250 Fans an die Division 1B-Weltmeisterschaft brachte, 700 waren es beim 1A-Turnier, «nun rechnen wir mit 2000 Fans, die zum Turnier in die Slowakei reisen werden.»

Die Schweiz liegt hinter den Briten

Hand aufs Herz – hätten Sie es gewusst? Grossbritannien liegt im ewigen Eishockey-Medaillenspiegel noch vor der Schweiz und der Slowakei auf Rang sieben; die Schweiz ziert den neunten Rang. Die Briten holten einmal Gold, zweimal Silber, zweimal Bronze: Anno 1936 gewann England Gold bei den Olympischen Spielen in Garmisch-Partenkirchen – das Turnier wurde zugleich vom internationalen Eishockey­verband als WM gewertet, die Schweiz kam nicht über Rang 13 hinaus.

Das erste Spiel der britischen Hockey-Geschichte wurde 1909 ausgetragen: Die Briten siegten damals gegen ... die Schweiz im französischen Chamonix mit 3:0 Toren.

Einmal standen die beiden Mannschaften sogar gleichzeitig auf dem Podest: Im Jahr 1937 bei der Weltmeisterschaft in London holte das Team von Grossbritannien Silber und die Schweiz die Bronzemedaille.