Zwei Rote Karten und viel Zündstoff in Bern, doch Aurel Bringolfs Paraden bringen St.Otmars Handballern den Sieg

Die St.Galler NLA-Handballer können sich beim 25:24-Auswärtserfolg in einem hitzigen Spiel gegen Bern auf ihren überragenden Nationalgoalie verlassen.

Ives Bruggmann aus Gümligen
Drucken
Teilen

Exklusiv für Abonnenten

St.Otmars Aurel Bringolf pariert 17 Würfe.

St.Otmars Aurel Bringolf pariert 17 Würfe.

Alexander Wagner

In der 54. Minute der NLA-Partie zwischen Bern und St.Otmar kochten die Emotionen plötzlich über. St.Otmars Captain Tobias Wetzel und Gegenspieler Kaspar Arn gerieten aneinander, der Berner Lucas Rohr eilte seinem Teamkollegen zur Hilfe. Das Resultat des Gerangels: Die Schiedsrichter Daniel Keiser und Michael Rottmeier zeigten sowohl Wetzel als auch Rohr die Rote Karte. Diesen Entscheid wiederum konnten die Berner nicht nachvollziehen. Vor allem Rotsünder Rohr und sein Trainer Aleksandar Stevic echauffierten sich über die Massen.

«Da gibt es ja so eine kleine Vorgeschichte», sagt St.Otmars Goalie Aurel Bringolf. Er spricht den umkämpften Playoff-Viertelfinal im April 2019 an, den die St.Galler im Penaltywerfen des fünften Spiels verloren hatten.

«Seitdem ist die Zündschnur ein bisschen kürzer.»

Vor allem das Heimteam versuchte am Samstagabend über die Emotionen in die Partie zu finden.

St.Otmar zog davon, Bern haderte weiter

Die St.Galler liessen sich jedoch in der Endphase nicht aus der Ruhe bringen und spielten ihre Routine aus. Nach den Roten Karten zog St.Otmar von 22:20 vorentscheidend auf 24:21 davon, während die Gastgeber noch immer mit den Schiedsrichtern haderten. Zwar gaben die Berner nicht auf und verkürzten nochmals auf 23:24, doch eine halbe Minute vor Schluss gelang Andrija Pendic die Siegsicherung in dieser hitzigen Partie.

Der Mann des Spiels auf Seiten St.Otmars war aber zweifellos Torhüter Bringolf. Der 71-fache Schweizer Nationalspieler brachte die Berner Schützen reihenweise zur Verzweiflung. Aus der Distanz war der Zürcher an diesem Abend kaum zu überwinden. Bringolf:

«Mit dem Goalietrainer Lubomir Svaijlen rede ich immer darüber, die guten Phasen zu verlängern und die schlechten zu minimieren.»

Dies gelang in der Handballarena in Gümligen ausgezeichnet. Am Ende summierte der 33-Jährige 17 Paraden und eine Abwehrquote von knapp 44 Prozent.

Er kennt die Liga nach 408 Partien

Wie schafft es der Routinier mit 408 NLA-Partien, scheinbar immer am richtigen Ort zu stehen? «Natürlich schaue ich noch Videos, aber die meisten Spieler dieser Liga kenne ich nach den vielen Jahren bestens.» Der Start ins Auswärtsspiel gelang Bringolf optimal: Von den ersten sechs Würfen auf sein Tor parierte er deren fünf. Nach 22 Minuten war seine Abwehrquote noch immer bei über 50 Prozent. Doch diese war auch nötig, denn in der Offensive taten sich nicht nur die Berner, sondern auch die St.Galler schwer. In der elften Minute stand es erst 2:1 für St.Otmar. «Das Spiel war sehr verteidigungslastig», sagt Bringolf.

Filip Maros war – gemeinsam mit Andrija Pendic – Toptorschütze der St.Galler mit sieben erzielten Treffern.

Filip Maros war – gemeinsam mit Andrija Pendic – Toptorschütze der St.Galler mit sieben erzielten Treffern.

Ralph Ribi

Filip Maros war einer der wenigen, auf die in der Offensive Verlass war. Der linke Rückraumspieler erzielte in der ersten Halbzeit fünf seiner sieben Treffer, den wohl wichtigsten zur 12:11-Pausenführung. Dieser Zwischenstand konnte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es in der Offensive weiter harzte. Im ersten Durchgang erzielten die Gäste weder einen Treffer über die Flügel noch einen per Tempogegenstoss.

Mehr Varianten im Angriff

Dies änderte sich im zweiten Durchgang. Auch dank fünf Toren durch die Flügel Severin Kaiser und David Fricker setzten sich die St.Galler ein wenig ab. Die Defensive stand weiterhin solide. Wenn die Gäste schnell genug im Rückzug waren, erzielte der BSV Bern kaum Tore.

Gerade weil die Leistung St.Otmars nicht perfekt war, sind die zwei Punkte umso wertvoller. Oder wie es Bringolf sagt: «Das ist ein süsser Sieg.»

Telegramm:

BSV Bern – St.Otmar 24:25 (11:12)
15 Zuschauer – Sr. Keiser/Rottmeier.
Strafen: 5-mal 2 Minuten inklusive Disqualifikation (Rohr/54.) gegen BSV Bern, 5-mal 2 Minuten inklusive Disqualifikation (Wetzel/54.) gegen St.Otmar.
BSV Bern: Cvitkovic (12 Paraden)/Schelling (2); Aellen, Arn (2 Tore), Baumgartner (1), Eggimann (6), Gerlich, Getzmann (2/1), Kaleb (1), Mühlemann, Rohr (1), Schneeberger (2), Strahm (1), Vögtli (1), Weingartner (7/4), Widmer.
St.Otmar: Bringolf (17 Paraden)/Kindler; Bamert, Fricker (3 Tore), Geisser, Gwerder, Haas, Höning, Hörler, Jurca (3), Kaiser (2), Maros (7), Pendic (7/2), Wetzel (2), Wüstner (1).
Bemerkungen: Verschossene Penaltys 1:1.