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Braucht es die Kombination? Diese Argumente sprechen für und gegen die Beibehaltung der Ski-WM-Disziplin

Der internationale Skiverband FIS will in der nächsten Woche darüber diskutieren, ob man die Kombination für die nächste WM aus dem Wettkampf-Programm streicht. Es wäre das Ende der Disziplin, die im Weltcup längst beinahe verschwunden ist.
Martin Probst und Urs Lehmann

Pro: «Stirbt die Kombination, bedroht das die Abfahrt»

Urs Lehmann, Präsident Swiss Ski. (Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone, Wengen, 15. Januar 2016.)

Urs Lehmann, Präsident Swiss Ski. (Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone, Wengen, 15. Januar 2016.)

von Urs Lehmann, Präsident Swiss Ski

Einst war die Kombination die Königsdisziplin. Früher haben die grossen Stars in dieser Sparte gewonnen. Die vollkommensten Skifahrer. Die, die am meisten konnten: Speed und Technik. Heute sind die Abfahrer die Könige. Doch ausgerechnet das drohende Ende der Kombi bedroht auch sie.

Warum? Schon heute gibt es Kritiker, die sagen, der Aufwand für ein Abfahrtsrennen sei wahnsinnig. Stichwort: Pistenlänge. In Wengen nehmen die Organisatoren diesen Aufwand in Kauf und werden mit zwei spektakulären Rennen belohnt: der Kombi und der Abfahrt. Nun will man 50 Prozent davon streichen. Das spielt den Gegnern der Abfahrt in die Karten. Bereits jetzt heisst es an Olympischen Spielen, es ist doch Wahnsinn, einen ganzen Berg für die Abfahrtstrecke zu verändern. Aber bisher konnten wir argumentieren, dass auf dieser Piste vier Medaillensätze vergeben werden.

Zurück zur Kombination: Man hat ihr in der Neuzeit nie eine faire Chance gegeben. Wir haben im Weltcup teilweise noch ein bis zwei Kombi-Rennen pro Saison. Mit so wenig Rennen ist es für die Fahrer nicht attraktiv, diese Disziplin zu trainieren und mitzumachen. Es bräuchte mindestens vier Rennen pro Saison. Auch vom Kalender her werden die Wettkämpfe stiefmütterlich behandelt und nicht selten zu Zeiten ausgetragen, wo es weniger bis keine Zuschauer hat.

Das spannendste Rennen an der Ski-WM in St. Moritz war die Kombi der Männer. Luca Aerni stiess als 30. der Abfahrt im Slalom auf Rang eins vor. Ein Krimi! Wengen beweist zudem seit Jahren, dass die alpine Kombination ein Erfolgsprodukt sein kann – tolle, emotionale Rennen. Der internationale Skiverband FIS will nun ausgerechnet dieses spannende Produkt streichen – ohne geeigneten Ersatz. Zwar gibt es die Parallelrennen. Doch die sind noch nicht ausgereift. Aktuell hat man drei verschiedenen Formate: Parallel-Slalom, Parallel-Riesenslalom und City Events. Das versteht kein Zuschauer und so verliert er schnell das Interesse.

Wenn man es schafft, ein besseres Produkt als die Kombination zu etablieren, und zwar sportlich und kommerziell, bin ich sofort dabei. Nur gibt es das noch nicht. Kein Unternehmen würde etwas abschaffen, das funktioniert, ohne einen besseren Ersatz zu haben.

Kontra: «Medaillen für etwas, das fast nicht mehr existiert – ein Witz»

Von Martin Probst, Sportredaktor

Sportredaktor Martin Probst.

Sportredaktor Martin Probst.

Der WM-Titel in der Kombination ist im Skisport etwa das, was der Golden Globe für Filmschaffende ist: Eine tollte Auszeichnung. Doch die wichtigeren Preise werden anderswo vergeben: in der Abfahrt, im Super-G, im Riesenslalom oder im Slalom. Gold in diesen Disziplinen ist zu vergleichen mit der Verleihung eines Oscars.

Nun will der internationale Skiverband FIS die Kombination streichen. Könnte man also den Golden Globe streichen? Nein, denn dort sind die Stars ebenso im Rennen. In der Kombination ist das längst nicht mehr der Fall. Viele Cracks verzichten freiwillig. Jüngstes Beispiel: Mikaela Shiffrin. Die 23-Jährige hätte vermutlich problemlos WM-Gold gewonnen, verzichtet aber. Sie will Kraft sparen für den Riesenslalom und Slalom in der zweiten WM-Woche. Das alleine sagt eigentlich schon alles über den Stellenwert der Kombination.

Das gleiche Bild zeichnet sich im Weltcup. Weil bei den Frauen die Kombi in Val d’Isère wegen zu wenig Schnee abgesagt werden musste, werden nun WM-Medaillen in einer Disziplin vergeben, die in diesem Winter dort nicht stattfand. Bei den Männern wurde immerhin in Wengen eine Kombi durchgeführt. Aber das wäre es dann auch schon gewesen. Es ist ein Witz, Medaillen an Grossanlässen für etwas zu vergeben, dass eigentlich fast nicht mehr existiert.

Denkbar ist nur ein Szenario, dass das Überleben der Kombi möglich macht. Sie wird aufgewertet. Das heisst, es braucht mindestens vier Rennen pro Saison. Dann wird die Disziplin plötzlich auch für die Stars der Szene interessant, weil es viele Weltcuppunkte und Preisgeld zu gewinnen gibt. Nur wird das nicht passieren, weil ausserhalb der Schweiz kaum Veranstalter Lust haben, die Disziplin durchzuführen.

Die Kombination, so wie sie heute ist, ist ein langweiliges Produkt. Man zählt bei den Frauen und Männern nur eine Handvoll Podestkandidaten. Natürlich hält sich der Mythos vom kompletten Skifahrer – von dem, der alles kann. Heute ist die Spezialisierung längst so weit fortgeschritten, dass mit ganz wenigen Ausnahmen niemand mehr in beiden Sparten, Speed und Technik, zu den Besten gehört. Der Mythos ist längst überholt und genauso ist es die Kombination. Es braucht sie nicht mehr.

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