Bräggers Bubentraum

Am Swiss Cup Zürich, der morgen stattfindet, steht nach der Absage von Giulia Steingruber aus Schweizer Sicht für einmal ein Mann im Mittelpunkt: Pablo Brägger. Für den St. Galler ist es der erste Auftritt im Hallenstadion.

Raya Badraun/Wallisellen
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TURNEN. Für Pablo Brägger geht morgen ein Bubentraum in Erfüllung. Als junger Turner besuchte er vor Jahren den Swiss Cup Zürich mit seinen Eltern und wollte unbedingt dereinst auch im Scheinwerferlicht stehen. Obwohl der 22jährige St. Galler schon seit längerem zu den talentiertesten Turnern der Schweiz gehört, musste er lange auf seinen ersten Auftritt warten. Im vergangenen Herbst war er verletzt, die zwei Jahre davor jeweils nur Ersatz. Nun, bei seiner Premiere im Hallenstadion, steht der Ostschweizer aus Schweizer Sicht gar im Mittelpunkt der Veranstaltung.

Das liegt vor allem an Giulia Steingruber. Das Aushängeschild des Swiss Cups musste diese Woche Forfait geben. Die Knieverletzung, die sich die St. Gallerin an der WM im Sprungfinal zugezogen hat, ist zwar nicht so schlimm wie befürchtet. «Ich hatte 1000 Schutzengel», so Steingruber. Dennoch muss sie das Bein drei bis vier Wochen ruhigstellen. «Ich bin sehr enttäuscht, dass ich nicht starten kann», sagt die 21-Jährige. Für sie wäre es nicht nur der insgesamt fünfte Auftritt am Swiss Cup gewesen, sondern auch das letzte Turnier in diesem Jahr. Im Hinblick auf 2016 wolle sie jedoch nichts riskieren. «Es wäre schlimm, wenn ich mich vor den Olympischen Spielen und der Heim-EM noch schwerer verletzen würde», sagt Steingruber.

Bräggers positive Ausstrahlung

Brägger steht morgen jedoch nicht nur wegen der Abwesenheit von Steingruber im Fokus. Der Oberbürer gehört spätestens seit diesem Jahr zu den stärksten Turnern der Schweiz. Daneben fällt er auf und neben der Matte auch immer wieder mit seiner positiven Ausstrahlung auf. Selten gibt es Momente, in denen er nicht strahlt. Auch nach Enttäuschungen, etwa einem Sturz im Reckfinal, hat er noch immer ein Lächeln im Gesicht. Dies ist wohl auch einer der Gründe, warum er dieses Jahr Captain der Schweizer Turner wurde. «Ich habe nicht viel zu tun», sagt Brägger. «Denn wir haben es im Team sehr gut zusammen.» Wie gut das Zusammenspiel der Turner funktioniert, zeigte sich auch an der WM in Glasgow. Obwohl im Vorfeld kaum einer gewagt hatte, von der direkten Qualifikation für die Olympischen Spiele zu träumen, haben es die Schweizer am Ende geschafft. Mit dem sechsten Rang haben sie sich im Vergleich zum vergangenen Jahr gar noch gesteigert. «Alle waren sehr motiviert», sagt Brägger. «Ich musste nur schauen, dass die Turner nicht zu nervös waren.»

«Ich will Spass haben»

Nach dem Erreichen der Olympiaqualifikation ist der Druck weg. Das gute Gefühl von der WM, das Brägger auch im Mehrkampffinal zu Höchstleistungen geführt hat, hält jedoch bis heute an. «Das hilft mir sicher auch am Swiss Cup», sagt Brägger. Dort startet er morgen an der Seite der Tessinerin Ilaria Kaeslin. Ein Podestplatz wäre bei dieser starken Konkurrenz (siehe Kasten) wohl eine Überraschung, er steht aber auch nicht im Vordergrund. «Ich will es geniessen und Spass haben», sagt Brägger und lächelt. Damit ist er das perfekte Aushängeschild für den Swiss Cup Zürich und den Turnsport. Wer weiss, vielleicht wird Brägger dabei von einem kleinen Buben beobachtet – und ein neuer Traum entsteht.