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Botschafterin der Menschlichkeit

WINTERTHUR. Sie zeigte das Grauen durchs Objektiv und hielt es doch abstrakt. Sie zeigte ebenso die Skurrilitäten des Krieges wie Kinder neben dem Krieg. Eine Ausstellung erinnert an die kürzlich umgebrachte Kriegsfotografin Anja Niedringhaus.
Dieter Langhart
Eine der Aufnahmen in der Ausstellung «At War»: Dschabaliya, Gaza-Streifen, Januar 2009. Palästinensische Jungen spielen mit einem Telefon, das sie in den Trümmern eines Hauses gefunden haben. Israel hatte eine 22-Tage-Offensive gegen Gaza geführt, um den Raketenbeschuss der Hamas auf Südisrael zu beenden. (Bild: ap/Anja Niedringhaus)

Eine der Aufnahmen in der Ausstellung «At War»: Dschabaliya, Gaza-Streifen, Januar 2009. Palästinensische Jungen spielen mit einem Telefon, das sie in den Trümmern eines Hauses gefunden haben. Israel hatte eine 22-Tage-Offensive gegen Gaza geführt, um den Raketenbeschuss der Hamas auf Südisrael zu beenden. (Bild: ap/Anja Niedringhaus)

Am 4. April erschien eines ihrer Bilder aus Afghanistan in dieser Zeitung, tags darauf ein zweites. Dazwischen lag ihr Tod. Anja Niedringhaus, 48, ist am 4. April in der afghanischen Provinz Khost von einem Polizisten erschossen worden. Bei der Bestürzung über den Tod einer der bekanntesten deutschen Kriegsfotografinnen ist die kurz darauf eröffnete Ausstellung mit ihren Bildern beinahe untergegangen. «At War» in der Coalmine Fotogalerie wird so zur Gedenkausstellung.

Faible für Details

«Wenn ich es nicht fotografiere, wird es nicht bekannt», hat Anja Niedringhaus einmal gesagt. Mit «es» meinte sie das Leid der Menschen in den Konflikt- und Kriegsgebieten dieser Welt. Knapp dreissig Schwarzweiss- und zehn Farbfotografien, die zwischen 2002 und 2011 in Irak und Afghanistan, Palästina und Libyen entstanden sind, zeigt die von Sascha Renner kuratierte Ausstellung im Forum für Dokumentarfotografie der Coalmine.

Anja Niedringhaus hatte ein Auge für Details, die oft die Heiterkeit widerspiegeln, mit der sie selber das Grauen überstand. Hier trägt ein amerikanischer Marineinfanterist ein GI-Joe-Maskottchen als Glücksbringer in seinem Rucksack, während seine Einheit tiefer in die Stadt Falluja vordringt; da steckt ein Puppenkopf auf einer Stange an einem Kontrollpunkt der irakischen Stadt; hier liegen am Boden des Leichenschauhauses vor einem Krankenhaus in Bengasi gebrauchte Untersuchungshandschuhe; da geniessen junge Palästinenserinnen eine Karussellfahrt im Vergnügungspark ausserhalb von Gaza-Stadt. Und da fotografieren Afghanen kanadische Soldaten des Royal Canadian Regiment auf ihrer Patrouille – als sie kurz darauf das Dorf verlassen, werden sie mit Handgranaten angegriffen.

Zur Pazifistin geworden

Niedringhaus wollte Dinge zeigen, die ihr wichtig waren – und die andere nicht zeigen. Sie wollte menschliche Tragödien sichtbar machen, die hinter Zahlen und Nachrichten verborgen waren. «Ich bin zur Pazifistin geworden, seit ich in diesen Gebieten arbeite», hat sie in einem Interview gesagt. «Mit Panzern löst man keine Probleme.»

1992 hat sie als Kriegsreporterin in Jugoslawien begonnen, ab 2002 arbeitete sie für die Agentur Associated Press (AP) und erhielt 2005 die höchste Auszeichnung, den Pulitzerpreis. Die Fotografin hat den Krieg nicht reisserisch gezeigt und nicht ästhetisch, sie wollte das Leben der Zivilbevölkerung ebenso wie jenes der Soldaten abbilden. Ihre Aufnahmen dokumentieren zwar, aber sie erzählen auch Geschichten. Anja Niedringhaus liebte feine Nuancen und Abstufungen und zog Schwarzweiss der Farbe vor.

Hoffnung auf den Frieden

Ihre letzten Bilder zeigen die Menschen vor der Präsidentenwahl in Afghanistan. Sie will für einmal Wahlen als möglichen Schritt auf den Frieden hin dokumentieren. Sie ist mit der AP-Journalistin Kathy Gannon im Auto unterwegs, an einem Kontrollposten schiesst ein Polizist auf sie. Kathy Gannon überlebt, Anja Niedringhaus ist sofort tot.

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