Botschafter des Biathlon

Dank Benjamin Weger ist Biathlon auch in der Schweiz ein Thema. Der 22jährige Walliser aus Geschinen ist der Aufsteiger der Saison. Am 29. Dezember startet er als erster Schweizer Biathlet in der Arena auf Schalke.

Jörg Greb
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BIATHLON. Benjamin Weger interviewen – nach den zwei Podestplätzen im Weltcup und Zwischenrang vier in der Gesamtwertung äusserten viele Medienschaffende diesen Wunsch. Zustande kommt das Treffen nicht. Wegen Lawinengefahr bleibt das hintere Urserental abgeschnitten. Und auch der 22-Jährige kann seinen Wohnort Geschinen ennet dem Furkatunnel aus demselben Grund nicht verlassen. «Schade», sagt er am Telefon, «ich kann hier sowieso nicht allzu viel unternehmen.» Ganz verzichten auf ein adäquates Training muss er allerdings nicht. Der Spurdienst von Loipen-Goms präpariert ihm praktisch vor der Haustür eine lawinensichere 1,5-km-Skatingpiste.

«Nicht für die Katz»

Auskunft gibt Weger zwischendurch am Telefon. Seine Person stellt er dabei bescheiden in den Hintergrund. «Wenn ich etwas bewegen und mithelfen kann, den Biathlonsport populärer zu machen, ist das eine grosse Genugtuung», sagt er und fügt an: «Das ist die Bestätigung, dass die Anstrengungen meiner Eltern, den Trainern und Coaches wie auch von mir nicht für die Katz waren.» Er geniesst die Anerkennung. Vor allem der Rummel imponiert ihm. Aus der Ruhe bringen lässt er sich aber nicht.

Nach dem Abschluss der Handelsmittelschule für Sportler und Künstler in Brig setzt der Walliser nun ganz auf den Sport. So konnte er das Training umfang- und qualitätsmässig steigern. Und das, so fügt er an, «ohne Verletzungen und Erkrankungen». Eingebettet ins Biathlon-Team kann er sich entfalten. Mehr erreicht als eine Zwischenstation hat er aber nicht: «Ein oder zwei Klassierungen auf dem Podest sind wenig wert, Podestplätze braucht es regelmässig», so Weger. Er will aber nicht nur sich in der Öffentlichkeit positionieren, sondern auch seinen Sport. Wichtige Schritte hat er in seiner Heimat eingeleitet. So hat das Schweizer Fernsehen auf diese Saison News-Rechte erstanden um von den Höhepunkten zu berichten und Weger vergangenen Sonntag als ersten Biathleten als Studiogast ins Sportpanorama eingeladen. Und jetzt prüfen die Verantwortlichen eine Live-Übertragung von der WM im deutschen Ruhpolding Anfang März.

Vor 50 000 Zuschauern

Aktueller ist die Einladung zum letzten Biathlon-Spektakel des Jahres: der World Team Challenge in der Arena auf Schalke. Dank den beiden dritten Plätzen, einem fünften und einem siebten Rang, erhielt Weger zusammen mit Selina Gasparin eine Einladung für den 29. Dezember. Laufen und Schiessen vor 50 000 Zuschauern und vor 4 bis 5 Millionen Menschen am TV – etwas Aussergewöhnliches. Weger/Gasparin sind die ersten Schweizer in diesem Einladungsfeld überhaupt. Eine Sonderstellung schenkt Weger diesem Rennen aber trotzdem nicht. Anfang Januar geht es im Weltcup weiter, und auch die WM in Ruhpolding hat er bereits im Blickfeld: «Dann laufen wir im Mekka des Biathlonsports – und auch das wird grossartig werden.»

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