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Interview

Eugen Hasler über den Boom des Schwingsports: «Das Getümmel ist zu gross»

Vor 30 Jahren gewann Eugen «Geni» Hasler zum ersten Mal das Innerschweizer Verbandsfest. Es war der Start einer grossen Karriere, deren Krönung der Schwyzer verpasste. Ein Gespräch über den Boom des Schwingsports und Kämpfe im Einteilungsbüro.
Claudio Zanini
Eugen «Geni» Hasler (links) im Schlussgang des Eidgenössischen von 1989 in Stans gegen den späteren Sieger Adrian Käser. (Bild: Martin Ruetschi/Keystone, 21. August 1989)

Eugen «Geni» Hasler (links) im Schlussgang des Eidgenössischen von 1989 in Stans gegen den späteren Sieger Adrian Käser. (Bild: Martin Ruetschi/Keystone, 21. August 1989)

Eugen Hasler Ehemaliger Spitzenschwinger: «Die Chancen auf einen Innerschweizer König stehen sehr gut.»

Eugen Hasler Ehemaliger Spitzenschwinger: «Die Chancen auf einen Innerschweizer König stehen sehr gut.»

Welche Schlagzeile möchten Sie am Tag nach dem Eidgenössischen in der Zeitung lesen?

Eugen Hasler: Jesses Gott … Ich habe eine einfachere Frage erwartet … Muss ich mir jetzt etwas überlegen?

Gerne.

Für mein Empfinden hat es viel zu viele Leute. Deshalb möchte ich lesen, dass die Organisatoren vom Eidgenössischen 2022 keine riesige Chilbi veranstalten wollen.

Angenommen, Schwingfeste wären heute tatsächlich so überschaubar wie früher: Würden dann nicht Stimmen laut, weil die Tradition zu wenig gewürdigt werde?

Ich weiss selbst nicht, welches der richtige Weg ist. Ich freue mich ja grundsätzlich, dass so viele Menschen am Schwingsport Freude haben. Aber früher waren 80 bis 90 Prozent wegen dem Schwingen in der Arena. Wie viele es heute sind, will ich nicht sagen. Würde man die Chilbi nur schon um einen ­Kilometer vom Areal entfernen und 120 Franken Eintritt verlangen, kämen sofort weniger Leute.

Gehen Sie in diesem Jahr denn nicht nach Zug?

Doch, ich werde da sein. 2016 ging ich nicht nach Estavayer. Ich stellte eine Grossleinwand im Garten auf und lud Freunde ein. Das Getümmel ist vielen einfach zu gross. Ich mag mich noch an ein Eidgenössisches erinnern, da war ich Technischer Leiter des ISV (Innerschweizerischer Schwingerverband, Anm. d. Red.) und in der Einteilung. Sogar als Funktionär musstest du wegen Platzmangels im Stehen essen. Das habe ich schon im Militär gehasst.

Wie hoch stehen die Chancen, dass ein Innerschweizer in Zug König wird?

Die Chancen stehen sehr gut. Im letzten Jahr war ich noch skeptischer, da schien Joel Wicki der einzige richtige Kandidat zu sein. Jetzt haben wir mit Pirmin Reichmuth noch einen Mitfavoriten mehr. Und darum herum existiert ein gutes Team. Die Nordostschweizer sind mit Samuel Giger und Armon Orlik ebenfalls gut besetzt, die Berner werden aktuell vielleicht ein wenig unterschätzt. Die Kräfteverhältnisse zwischen den drei grossen Teilverbänden sind ausgeglichen.

Die Innerschweiz ist durch den Nidwaldner Thedy Waser in der Einteilung vertreten. Wie viel hängt von ihm ab?

Das spielt sicher auch eine Rolle. Die Bedeutung der Einteilung sahen wir bei den letzten eidgenössischen Anlässen. Im ersten Gang wurde jeweils zu Gunsten der Berner eingeteilt. Sie wissen, von welchem Verband der Einteilungschef kam (Der Berner Samuel Feller ist Technischer Leiter des Eidgenössischen Schwingerverbands und amtet als Einteilungschef, Anm. d. Red.). Die starken Leistungen der anderen Verbände verhinderten aber, dass die Berner davonzogen. Somit blieben die Feste spannend.

Der frühere Schwingerkönig und ESV-Obmann Ernst Schläpfer sagte kürzlich, wenn der Nordostschweizer in der Einteilung 2016 ein besserer Taktiker gewesen wäre, wäre Samuel Giger König geworden. Teilen Sie diese These?

Zuerst einmal: Die Einteilung macht keinen Schwingerkönig. Ist der Schwinger schwach, nützt die beste Einteilung nichts. Mit einer besseren Taktik hätte man Giger vielleicht in den Schlussgang gebracht. Bei der Aussage von Schläpfer scheinen persönliche Befindlichkeiten mitzuspielen.

Sie waren zweimal bei einem Eidgenössischen in der Einteilung. Ist es ein solch hitziger Basar, wie zuweilen erzählt wird?

Es geht sicher auch hitzig zu und her. Man muss fair sein, aber trotzdem immer für sich schauen. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Bruno Nötzli verpasste in Estavayer den Kranz. Und das, weil er in den letzten drei Gängen noch drei Topcracks zugeteilt bekam. Das ist unfair. Es kann nicht sein, dass ein Schwinger in der Endphase des Wettkampfes so hart eingeteilt wird, weil man es verpasst hat, in den vorhergehenden Gängen zu reagieren.

Das Innerschweizerische gewannen Sie fünfmal in Ihrer Karriere, das ist Rekord. Was wissen Sie noch vom ersten Titel 1989 in Baar?

Die Erinnerungen sind noch präsent, wenn auch nicht mehr allzu frisch. Zum ersten Mal hatte ich die Spitzenschwinger Harry Knüsel und Leo Betschart am gleichen Tag besiegt. Harry sogar zweimal. Ich hatte sechs Siege auf dem Notenblatt. Das war rückblickend mein Durchbruch.

Im gleichen Sommer standen Sie im Schlussgang am Eidgenössischen in Stans. Überraschend verloren Sie gegen Jungspund Adrian Käser. Denken Sie heute noch an diese Niederlage?

Heute Morgen wurde ich wieder darauf angesprochen. Mir wird ja oft vorgeworfen, ich habe schön oder schnell gewinnen wollen und sei deshalb gescheitert. Während des Gangs habe ich damals einen heftigen Schlag kassiert. Vielleicht war ich im Kopf nicht mehr wach genug.

Sie sind einer der erfolgreichsten Schwinger überhaupt, wurden aber nie König. Ihre Biografie trägt den Untertitel «Ein König ohne Krone». Nervt dieses Etikett?

Auf den Titel des «Erstgekrönten» von 1989 hätte ich gerne verzichtet, ja. Weil Käser 1a war und ich 1b, hätten sie am besten gar keinen Titel vergeben.

Gibt es eigentlich Dinge im Schwingen, die heute besser sind als früher?

Jetzt muss ich wohl auch etwas sagen, oder? (lacht) Natürlich gibt es auch Positives. Organisatorisch ist sehr viel ­gegangen. Die Rahmenbedingungen für die Schwinger sind viel besser geworden. In den Garderoben am Eidgenössischen gibt es Lautsprecher, so sind die Paarungen besser zu hören. Auf einem Fernsehen können Sie die Gänge schauen. Und sie sind besser abgeschottet. Sie müssen nicht durch dieses ganze Getümmel gehen.


Zur Person

Eugen «Geni» Hasler war einer der besten Schwinger des Landes. Der 54-jährige Schwyzer gewann in seiner Karriere 101 Kränze, stand zweimal im Schlussgang des Eidgenössischen und triumphierte 1990 beim Kilchberger-Schwinget. Hasler arbeitet auf einer Privatbank in Zürich und wohnt mit seiner Familie in Galgenen.

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