Bösch verhindert das Debakel

Daniel Bösch gewinnt trotz grosser Konkurrenz aus dem Bernbiet das Bergfest auf der Schwägalp. Der Toggenburger schwingt beeindruckend und setzt sich im Schlussgang gegen Florian Gnägi durch.

Christof Krapf
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Die Entscheidung im Schlussgang: Daniel Bösch bezwingt Florian Gnägi mit einem Kreuzgriff. (Bild: Urs Bucher)

Die Entscheidung im Schlussgang: Daniel Bösch bezwingt Florian Gnägi mit einem Kreuzgriff. (Bild: Urs Bucher)

SCHWINGEN. Daniel Bösch verliert selten viele Worte. Sein Jubel nach dem Schwägalp-Sieg sagte deshalb mehr über die Bedeutung dieses Triumphs aus als die Sätze, welche der Toggenburger nach dem Schlussgang zu Protokoll gab. Normalerweise ballt Bösch nach einem Festsieg kurz die Faust, lässt sich auf die Schultern seiner Clubkollegen heben und lächelt in die Kameras. Er wirkt dabei irgendwie routiniert, schliesslich hat er in seiner Karriere schon 17 Kranzfeste für sich entschieden.

Auf der Schwägalp hingegen stiess der 27-Jährige, nachdem er im Schlussgang den Berner Florian Gnägi nach 7:20 Minuten mit Kreuzgriff bezwungen hatte, einen Freudenschrei aus, vollführte Luftsprünge und warf die Arme in die Luft. Es schien, als sei Bösch ein riesiger Stein vom Herzen gefallen. Denn der Triumph auf der Schwägalp war sein erster Sieg an einem Bergfest. Endlich hat sich Bösch auf dem Siegerstein, der nur wenige Meter vom Schwingplatz entfernt steht, verewigt. «Seit ich den Stein zum ersten Mal gesehen habe, wollte ich meinen Namen darauf sehen», sagte Bösch. Dass er den Festsieg mit dem punktgleichen Berner Matthias Glarner teilen musste, war für ihn Makulatur: «Der Schwägalp-Sieg ist für mich der zweitwichtigste nach dem Erfolg am Unspunnen.»

Das Ausrufezeichen am Morgen

Mit seinem Sieg hat Bösch ein Nordostschweizer Debakel verhindert. Denn lange drohte auf dem Pass zwischen dem Appenzellerland und dem Toggenburg ein rein bernischer Schlussgang. Im fünften Gang bezwang Bösch dann aber Thomas Zaugg – er hatte 2012 auf der Schwägalp triumphiert – und zog in die Endausmarchung ein. Das Fest nahm damit für die Gastgeber einen idealen Verlauf. Denn die Gäste aus dem Bernbiet waren mit einer starken Equipe angereist – auch wenn sie auf ihre verletzten Könige Kilian Wenger und Matthias Sempach verzichten mussten. Zudem hatte Bösch in der Vergangenheit oft Mühe bekundet, wenn er gegen Gegner aus anderen Teilverbänden in die Hosen steigen musste. Gestern auf der Schwägalp durchbrach der Toggenburger allerdings die Berner Phalanx. Dass es der Tag von Bösch werden könnte, deutete sich im Anschwingen an. Der St. Galler setzte am Morgen ein Ausrufezeichen: Die Art und Weise wie Bösch den Berner Bernhard Kämpf – in dieser Saison Sieger auf dem Brünig – bodigte, liess den einen oder anderen der 11 500 Zuschauer aufhorchen.

Stucki früh zurückgebunden

Im zweiten Gang geriet Bösch gegen Kilchbergsieger Christian Stucki zwar zweimal in Nöte und schrammte haarscharf an einer Niederlage vorbei. Dennoch trotzte er dem Seeländer, der im Vorfeld des Schwägalp-Schwingets als Topfavorit gegolten hatte, einen Gestellten ab. Weil Stucki auch im dritten Gang gegen den Winterthurer Teilverbandskranzer Samir Leuppi stellte, fiel der 30-Jährige schon vor der Mittagspause aus der Entscheidung um den Festsieg. Er wurde am Ende aber dennoch Dritter. Bösch hingegen hielt sich bei garstigem Wetter mit Dauerregen in der Folge schadlos. Auf seinem Notenblatt erschienen schliesslich drei Berner Eidgenossen, die alle schon Kranzfestsiege gewonnen haben sowie zwei starke Teilverbandskranzer. Bösch war deshalb der verdiente Sieger. Auch weil er – anders als die Berner – keine so starke Mannschaft im Rücken hatte. Just zum Saisonhöhepunkt hat Bösch nach einem Durchhänger im Juli – von der Rigi kehrte er ohne Kranz heim – seine Form gefunden. «Warum dies so ist, kann ich nicht sagen. Irgendwie hat es einfach Klick gemacht.» Viele Worte verliert Bösch wirklich nicht. Nach seinem Auftritt auf der Schwägalp brauchte es diese für einmal aber nicht.