Bodenständig

Handball. St. Otmars Captain Jan Keller ist von der Stärke seiner Mannschaft in der aktuellen Saison selbst überrascht. Nun verfolgt der 25jährige mit dem Team grosse Ziele – und setzt nebenbei sein Studium fort.

Marco Ellenberger
Drucken
«Die Ansprüche im Umfeld sind gestiegen»: St. Otmars Captain Jan Keller. (Bild: Hannes Thalmann)

«Die Ansprüche im Umfeld sind gestiegen»: St. Otmars Captain Jan Keller. (Bild: Hannes Thalmann)

Dass die Kadetten GCZ kurz vor dem Ende der NLA-Qualifikationsrunde an der Tabellenspitze klassiert sind, ist keine Überraschung. Dass aber St. Otmar die Schaffhauser heute zum Spitzenspiel in der Sporthalle Kreuzbleiche empfangen kann, hielt nach der vergangenen Saison kaum jemand für möglich. Auch St. Otmars Captain Jan Keller hat zu Beginn der Saison nicht damit gerechnet. «Das überrascht mich schon ein wenig. Schliesslich sind wir immer noch beinahe gleich stark besetzt wie im vergangenen Jahr», sagt der 25jährige. «Im Gegensatz zur vergangenen Saison, in der wir vor allem individuelle Fortschritte erzielt haben, klappt das Zusammenspiel im Team nun aber wieder besser», sagt Jan Keller und fügt mit einem Schmunzeln an: «Wenn wir aber genau wüssten, woran es liegt, dann könnten wir dieses Rezept dem FC St. Gallen teuer verkaufen.»

Internationale Beziehungen

Spätestens mit dem 31:26-Auswärtssieg im Oktober in Schaffhausen haben die St. Galler bewiesen, wozu sie in dieser Saison fähig sind. «In diesem Spiel mussten wir jedoch das Glück in Anspruch nehmen. Wir hätten die Partie genauso gut auch verlieren können», sagt Jan Keller. Vielleicht ist es gerade diese Bodenständigkeit, welche die St. Galler in dieser Saison auszeichnet. Der Captain denkt, es bestehe keine Gefahr, dass das Team die Bodenhaftung verliert. «Mit dem Erfolg steigen zwar die Erwartungen im Umfeld. Wir wissen aber genau, dass wir nicht gut genug sind, um irgendein Team zu unterschätzen», sagt er. Diese Einstellung spiegelte sich auch in den ersten Spielen dieses Jahres. Die St. Galler liessen gegen Endingen und die Grasshoppers jeweils keine Nonchalance erkennen und wurden ihrer Favoritenrolle souverän gerecht.

Jan Keller hat am Montag nach einem Zwischenjahr, während dem er unter anderem in der Marketingabteilung eines Ostschweizer Unternehmens gearbeitet hat, den letzten Teil seiner Ausbildung in Angriff genommen. Er studiert an der Universität St. Gallen internationale Beziehungen. «Damit kann ich mir eine gute und interessante Basis für meine berufliche Zukunft schaffen. Zudem bietet das Studium ideale Voraussetzungen, um beinahe wie ein Profi zu trainieren», sagt der Stadtsanktgaller. Damit deutet er aber bereits an, dass er – wie viele andere Schweizer Handballer – nach dem Ende seiner Ausbildung in voraussichtlich zwei Jahren vor einer schwierigen Entscheidung stehen wird. «Auch ich werde mich irgendwann wohl für den Beruf und gegen den Sport entscheiden.»

«Am liebsten das Double»

Vorerst gilt aber seine Konzentration ganz der aktuellen Meisterschaft und dem heutigen Spitzenspiel gegen die Kadetten GCZ. «Es wird entscheidend sein, dass unsere Deckung gut funktioniert. Dadurch könnten wir uns einfache Tore mit schnellen Gegenstössen erarbeiten. Gegen die starke Schaffhauser Deckung wird es nicht einfach sein, die Tore aus dem Spiel zu erzielen», sagt Jan Keller, der mit seinem Team in dieser Saison grosse Ziele verfolgt. «Am liebsten würden wir natürlich das Double gewinnen», sagt er schmunzelnd. «Realistisch gesehen wird das aus eigener Kraft aber nur schwierig zu erreichen sein.» So würde er sich schon über das Erreichen eines europäischen Wettbewerbs sehr freuen. «Solche Reisen sind grossartige Erlebnisse und fördern den Zusammenhalt im Team», sagt Jan Keller. Für den Captain hätten sie indes noch eine weitere positive Nebenerscheinung: Er könnte dabei sein Studium über internationale Beziehungen in der Praxis anwenden.