Bless diesmal der Böseste

Lokalmatador Michael Bless gewinnt in Heiden durch den Sieg im Schlussgang gegen Emil Signer den Appenzeller Schwingertag. Eidgenosse Andy Büsser klassiert sich auf Rang drei.

Urs Huwyler
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Michael Bless bodigt im Schlussgang Emil Signer (rechst) und verfehlt das Maximum nur um einen Viertelpunkt. (Bild: Hanspeter Schiess)

Michael Bless bodigt im Schlussgang Emil Signer (rechst) und verfehlt das Maximum nur um einen Viertelpunkt. (Bild: Hanspeter Schiess)

Schwingen. Erstmals seit den Zeiten der unter den Zuschauern weilenden Gebrüder Thomas (2004) und Kuno Sutter (2002) durfte sich wieder ein Appenzeller vor eigenem Publikum als Bösester und den Bösen feiern lassen. «Das bedeutet mir enorm viel. Einmal das eigene Fest gewinnen zu können, davon träumt jeder Schwinger. Jetzt habe ich es geschafft. Ich freue mich riesig», jubelte Michael Bless aus Gais. Mit sechs Siegen war er auf dem ideal gelegenen Schwingplatz der überragende Athlet. 2011 hatte der «Nachbar» von Arnold Forrer – die beiden arbeiten in Bazenheid in nebeneinanderliegenden Firmen – bereits das Luzerner Kantonale für sich entschieden.

Bless betonte in der Vergangenheit mehrmals, der erste Gang sei bei ihm vielfach für den weiteren Festverlauf mitentscheidend. «Kann ich mit einem Sieg starten, stimmt jeweils das Selbstvertrauen», so Bless. In Heiden lag der Glarner Fridolin Beglinger nach dem ersten Zug flach auf dem Rücken. «Das Fest verlief für mich von Beginn weg optimal. In der Vergangenheit hatte ich an Kantonalen oft einen Bock drin.» Einzig gegen Tobias Krähenbühl aus Matzingen, der im Anschwingen Markus Schläpfer bodigte, konnte sich Bless nicht die Maximalnote schreiben lassen.

Appenzeller Dominanz

Zur Freude der einheimischen Besucher dominierten die Appenzeller das Fest. Mit nur einem Gestellten schwang sich Andreas Fässler (Appenzell) punktemässig auf die gleiche Stufe wie der nach Niederbüren ausgewanderte Markus Schläpfer (Wolfhalden) und Urs Abderhalden (Nesslau), der nach vier Gängen (40,0) vor Bless (39,75) lag. Den Einzug in den Schlussgang verpasste der Jüngste aus der Abderhalden-Dynastie durch die überraschende Niederlage im fünften Gang gegen seinen Cousin Schläpfer.

Dann war da noch Emil Signer aus St. Peterzell, den es aus verkehrstechnischen Gründen Richtung Herisau zieht. Wenn der 29jährige Landwirt in die Hosen steigt, geht die Post ab. Mit 175 cm und 77 kg zählt Signer zu den kleinsten und leichtesten Aktiven. Deshalb gehören dem flinken Verteidigungskünstler die Sympathien. In Heiden erwischte es auch Eidgenosse Andy Büsser, der zwar mehr für den Erfolg tat, aber dem es nur zu einem Gestellten reichte. Zwei Unentschieden warfen Büsser trotz ansonsten viermal 10,0 aus der Entscheidung. Für Signer war einzig Michael Bless im Schlussgang zu stark.

100. Kranz für Arnold Forrer

Neben den Aktivitäten im Sägemehl diskutierten die 2550 Zuschauer vor allem zwei Themen: Zum Auftritt von Arnold Forrer am Innerschweizer Teilverbandsfest in Küssnacht und dessen damit verbundener 100. Kranz lautete der Tenor: «Schade, dass er ihn in der Fremde und nicht bei uns feiert.» Zweites Gesprächsthema waren die seit Monaten andauernden Querelen zwischen dem durch Obmann Ernst Schläpfer vertretenen Eidgenössischen Verband und dem dreifachen Schwingerkönig Jörg Abderhalden. «Der familieninterne Machtkampf schadet dem Schwingsport», war man sich hier einig.

Bilanz zum Fest zog der als Kampfrichter im Einsatz stehende Eidgenosse Peter Oertig: «Solche Kranzfeste braucht es. Mittelschwinger erhalten die Chance, vorne mitzumischen, neue Erfahrungen zu sammeln. Sonst stehen ihnen meist Eidgenossen vor der Sonne.» Einzig Bless ist mit der Favoritenrolle fertig geworden.

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