«Bin nicht da, um Kaspar zu spielen»

Fussball. Torhüter Pascal Zuberbühler hatte nur zwei Möglichkeiten: als Nummer zwei an die EM oder gar nicht. Der Thurgauer entschied sich für ersteres und fühlt sich vor dem Startspiel am Samstag keineswegs auf dem Abstellgleis.

Matthias Hafen
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Als würde er selber spielen: Pascal Zuberbühler bereitet sich auch für die Ersatzbank professionell vor. (Bild: ky/Laurent Gilliéron)

Als würde er selber spielen: Pascal Zuberbühler bereitet sich auch für die Ersatzbank professionell vor. (Bild: ky/Laurent Gilliéron)

Wenn Pascal Zuberbühler vor dem EM-Eröffnungsspiel gegen Tschechien etwas nicht ausstehen kann, dann sind dies Fragen zur Partie gegen die Türkei. Auch als Ersatzmann bereitet sich der 37jährige Frauenfelder akribisch auf die Spiele vor und nimmt eins nach dem anderen. Zuerst Tschechien, dann die Türkei und am Ende der Vorrunde Portugal. So weit hat sich im Vergleich zur WM 2006 in Deutschland nichts geändert. Erst im Dialog kommt bei Zuberbühler hie und da eine Lockerheit zum Vorschein, die er als Stammtorhüter selten an den Tag gelegt hat.

Für den Ostschweizer ist die Rolle als Nummer zwei ebenso wichtig wie jene als Nummer eins. «Dank meiner Erfahrung kann ich den Spielern mit Rat und Tat zur Seite stehen.» Und wenn man ihn brauche, sei er jederzeit parat. «Ich trainiere wie sonst, ich gehe duschen wie immer, ich bereite mich so auf die Spiele vor, als würde ich vom Trainer aufgestellt», sagt Zuberbühler. Die Schweiz brauche an der EM auch Ersatzspieler, die wissen, worum es gehe.

Der WM-Held auf Talfahrt

Zuberbühler ist der älteste Spieler im Schweizer Kader. Er war schon an der EM 2004 in Portugal als Ersatz von Jörg Stiel dabei, ehe er sich für die WM 2006 als Nummer eins im Schweizer Tor empfahl. In Deutschland liess er sich in keiner der vier Partien bezwingen. Im verlorenen Penaltyschiessen gegen die Ukraine im Achtelfinal hielt der im Vorfeld des Turniers oft gescholtene Goalie sogar den Elfmeter von Andrei Schewtschenko. Seither hatte der Ostschweizer sportlich aber nicht mehr viel zu lachen. Sein Ausflug in die zweithöchste englische Liga endete mit der Verdrängung aus dem Kader von West Bromwich Albion und einer Rückkehr in die Super League, wo ihn Neuchâtel Xamax Anfang 2007 aufgenommen hat, für die kommende Saison aber nicht mehr weiterverpflichten wollte.

Auch in der Nationalmannschaft konnte Zuberbühler seine Position nicht behaupten. Ausgerechnet vor der EM im eigenen Land trat ihm Diego Benaglio vor die Sonne. Für den Thurgauer blieb nur noch die Nummer zwei, die er zögerlich gefasst hat. «Ich habe mir das gut überlegt. Und bis ich mich entschieden hatte, ging mir einiges durch den Kopf», sagt der langjährige Stammgoalie. Seine Gedanken reichten bis zum Rücktritt aus der Nationalmannschaft. «Doch mir ist bewusst, dass auch die Rolle des Ersatztorhüters verantwortungsvoll ist. Besonders, wenn wir mit einer solch jungen Mannschaft ins Turnier steigen.» Deshalb sei er nun an der EM – und zwar mit vollem Einsatz. «Nicht etwa, um den Kaspar zu spielen.»

Nicht nur der Stimmung wegen

Selbst wenn die Chancen auf einen Einsatz gering sind, so ist Zuberbühlers Ziel deutlich: «Ich möchte in der Mannschaft nicht nur gute Stimmung verbreiten. Ich bin auch an der EM, um zu spielen.» Schliesslich dürfte es das letzte grosse Turnier des 37jährigen sein. Ein Hahnenkampf wie vor zwei Jahren zwischen den Deutschen Oliver Kahn und Jens Lehmann ist im Schweizer Lager trotzdem nicht zu erwarten. Benaglio ist ein guter Kollege. Die beiden verstehen sich prima. «Das ist in einer Konkurrenzsituation sicher ungewöhnlich, aber schön», sagt Zuberbühler, der noch immer einen Club für die Saison 2008/09 sucht. Um diese Pendenz kümmern sich seine Berater im Hintergrund. Nur eines könne er sagen: Frauenfeld, sein Stammclub aus der Amateurliga, komme nicht in Frage. «Dorthin gehe ich nur, um bei meinen Eltern zu essen.»

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