Bildlabor in der Krypta

Das Pfyner Künstlerduo Meszmer/Müller zeigt in der Krypta des Grossmünsters Zürich eine Rauminstallation mit Collagen aus biblischen Bildern, archäologischen Fundstücken und den Kopfreliquien der Zürcher Stadtheiligen.

Lucia Angela Cavegn
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ZÜRICH. Alex Meszmer (1968) und Reto Müller (1974), die unlängst den Förderpreis für Kunstvermittlung der Internationalen Bodenseekonferenz (IBK) gewannen, beschäftigen sich seit zwei Jahren mit Bibelillustrationen.

Der Umstand, dass die Inhalte der christlichen Bildertradition den meisten Menschen kaum mehr zugänglich sind, hat das Künstlerduo dazu veranlasst, die «Sinnentleerung» kreativ sichtbar zu machen, indem sie aus dem Zusammenhang gerissenes Bildmaterial zu Collagen zusammenfügen.

Ein Bildwissen geht verloren

In der Krypta des Grossmünsters breiten Meszmer/Müller auf zwölf semitransparenten Stoffbahnen einen biblischen Bilderreigen aus und heben damit das seit dem 16. Jahrhundert geltende Bilderverbot aus den Angeln, denn das Grossmünster war die Wirkstätte des Zürcher Reformators Ulrich Zwingli. Die Überreste der Stadtpatrone Felix und Regula wurden unter Heinrich Bullinger entfernt und seit dem 17. Jahrhundert in der Pfarrkirche von Andermatt UR verehrt. Wie sie da hingekommen sind, weiss niemand. Nun sind die beiden Schädel in barockem Reliquiar für die Dauer der Ausstellung an den Ort ihrer ursprünglichen Grablege zurückgekehrt.

Das Künstlerduo nennt seine Ausstellung «Versuchsanordnung und Erklärungsmodelle – die Bibel ins recht Bild gesetzt». Die Collagen bieten zwar keine Erklärungen, doch erschliessen sie eine Bildwelt, die zunehmend in Vergessenheit gerät. Die Krypta ist ein besonderer Ort: Wer die Treppe hinabsteigt, findet romanische Kapitelle vor und rudimentär erhaltene Wandmalereien aus der Zeit um 1500 – und die monumentale Originalskulptur Karls des Grossen (die Kopie prangt am Südturm).

Geschichten ein Gesicht geben

Die Krypta birgt viele Geheimnisse – sie ist der richtige Ort, Geschichten ein Gesicht zu geben und über Bilder als Träger von Inhalten nachzudenken.

Die Rauminstallation von Meszmer/Müller ist übrigens von Ulrich Gerster kuratiert worden. Der Kunsthistoriker hat sich unter anderem dafür eingesetzt, dass Sigmar Polkes Kirchenfenster aus Achatsteinen im Zürcher Grossmünster zustande kamen.

Täglich 10–17 Uhr. Sa 26.11., 11 Uhr: Referat der Kunsthistorikerin Regine Helbling zu «Kunst und Kirche – Konkurrenz und Kooperation». Finissage: 27.11., 11.30 Uhr, nach dem Adventsgottesdienst