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«Big Brother» im Handball

Wer ist der Schnellste? Wer springt am höchsten? Wer wirft am härtesten? Die deutsche Handball-Bundesliga (HBL) will es künftig ganz genau wissen. Echtzeit-Datenerfassung soll den Sport ab der kommenden Saison attraktiver machen.
Christoph Stukenbrock (SID)
Bundesliga-Partie Füchse Berlin gegen den THW Kiel: Der Berliner Paul Drux (links) im Duell mit Patrick Wiencek vom THW. (Bild: Jan-Philipp Burmann/Getty (Berlin, 18. April 2019))

Bundesliga-Partie Füchse Berlin gegen den THW Kiel: Der Berliner Paul Drux (links) im Duell mit Patrick Wiencek vom THW. (Bild: Jan-Philipp Burmann/Getty (Berlin, 18. April 2019))

«Wir sind die erste Liga, die diese Technik flächendeckend einsetzt und systematisch für alle Teams nutzbar macht», sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann. Er sieht den deutschen Handball damit in einer Pionierrolle: «Wir sehen die Technik als ein Investment in die Spieler und in den Sport.» Neben dem unbestrittenen Mehrwert für Teams und Trainer sollen Fans, Medien und Sponsoren zusätzliche «faszinierende Blickwinkel» eröffnet und «neue Erlebniswelten und innovative Angebote» geschaffen werden.

In der NBA bereits im Einsatz

Die Technologie des Münchner Unternehmens Kinexon, bislang vor allem von Klubs in der nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA eingesetzt, erinnert ein Stück weit an das «Big-Brother-Prinzip»: Die Profis der 18 Bundesligisten werden ab Sommer bei den Liga-Spielen mittels kleinen Chipkarten in Trikot und Ball auf Schritt und Tritt bis in den letzten Winkel des Spielfeldes verfolgt. Durch je
14 kleine W-Lan-Router pro Spielstätte werden die Daten in Sekundenbruchteilen unter der Hallendecke zusammengefügt und abrufbar gemacht – und die Handballer so zu gläsernen Sportlern.

«Ich gehe fest davon aus, dass diese Art der Datenerfassung für jede medial aufbereitete Sportart in mittelfristiger Zukunft ein Standard sein wird», sagt Bohmann. Die Kunst werde es sein, «die Daten so zu selektieren, dass jeder das bekommt, was ihn interessiert und niemand von Daten erschlagen wird».

Liga und Verein investieren fast 5 Millionen Euro

Fast fünf Millionen Euro investiert die Liga mit ihren Klubs für den Vertrag bis 2023. Die Reaktionen aus den Vereinen seien bislang «durchweg positiv», so Bohmann. Ob Wurfbilder, Laufwege oder Einsatzzeiten – die Teams bekommen künftig alle für sie relevanten Informationen live auf ihr Tablet am Spielfeldrand.

Maik Machulla, Trainer des amtierenden Meisters und aktuellen Tabellenführers SG Flensburg-Handewitt, sieht viele Vorteile: «Durch das Tracking haben wir einen präzisen, kontinuierlichen Einblick in die Leistungsparameter jedes Spielers.» Das helfe dabei, Spieler und Teams athletisch weiterzuentwickeln.

Ihre deutsche Feuertaufe erlebte die Technik schon beim All-Star-Game im Februar. «Der Einsatz wird von einer grossen Mehrheit getragen», sagte Bohmann. «Nun muss es aber auch funktionieren, sonst schlägt die Euphorie schnell in Skepsis über.»

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