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Die Bianchi-Tragödie ist in der Formel 1 allgegenwärtig

Suzuka ist seit vier Jahren untrennbar mit dem Tod des Franzosen Jules Bianchi verbunden. Zwei seiner Freunde sind am Sonntag beim Grand-Prix von Japan am Start.
Marco Heibel (SID), Suzuka
Blumen für seinen verstorbenen Freund Jules Bianchi: Formel-1-Pilot Pierre Gasly. (Bild: Peter Fox/Getty (Suzuka, 4. Oktober 2018))

Blumen für seinen verstorbenen Freund Jules Bianchi: Formel-1-Pilot Pierre Gasly. (Bild: Peter Fox/Getty (Suzuka, 4. Oktober 2018))

Auf dem International Racing Course in Suzuka gibt es kein Vorbeikommen am 5. Oktober 2014. Pierre Gasly legte am Donnerstag bei seiner Streckenbesichtigung Blumen in der verhängnisvollen Kurve sieben nieder, Charles Le­clerc gedachte tags zuvor in aller Einsamkeit seines Mentors und Freundes Jules Bianchi an dessen Unfallstelle. Seit nunmehr vier Jahren ist der Grosse Preis von Japan untrennbar mit dem Tod des Franzosen verbunden, die Tragödie hat die Formel 1 verändert.

«Jules hat mir unheimlich geholfen dahin zu kommen, wo ich heute bin.»

Für ihn werde es ein «sehr schwieriges Wochenende», erzählte Leclerc freimütig: «Jules hat mir unheimlich geholfen dahin zu kommen, wo ich am Sonntag bin. Er war quasi ein Familienmitglied für mich. Der Trackwalk war daher ziemlich emotional.» Le­clercs Helm ziert an diesem Wochenende die Botschaft #JB17. Der 21-jährige Monegasse hält die Erinnerung an Bianchi aber nicht nur in Suzuka am Leben, schon nach seiner Berufung zum Ferrari-Teamkollegen von Sebastian Vettel zur kommenden Saison erklärte Leclerc: «Mein Vater Herve und Jules haben mich gelehrt, mit den Beinen auf dem Boden zu bleiben und gleichzeitig nach mehr zu streben. Ich denke, wenn sie jetzt zu mir herunterschauen, dann tun sie das mit Stolz.»

Sicherheit auf einem neuen Level

Toro-Rosso-Pilot Gasly, ein Jahr älter als Leclerc und ab dem kommenden Jahr bei Red Bull unter Vertrag, bezeichnete Bianchi als «Vorbild für jeden von uns. Ich wuchs mit ihm auf. Wir verbrachten Ferien gemeinsam, trainierten zusammen. Auch Charles war immer dabei. Daher ist es emotional, hier zu sein.»

Bianchis Weg an die Spitze der Formel 1 schien vorgezeichnet. Der Franzose galt als Anwärter auf ein Ferrari-Cockpit, ehe er in Suzuka mit seinem Marussia bei Starkregen von der Strecke abkam, unter einen Bergungskran raste und dabei schwerste Kopfverletzungen erlitt. Nach rund neun Monaten im Koma starb er im Juli 2015 im Alter von 25 Jahren in einer Klinik in seiner Heimatstadt Nizza.

Eine Konsequenz der Bianchi-Tragödie war die Einführung von Geschwindigkeitsbegrenzungen in Gefahrensituationen mit Hilfe des Virtuellen Safety Cars. Auch die Diskussion um einen Cockpitschutz nahm Fahrt auf. Zum diesjährigen GP kamen die Formel-1-Piloten erstmals mit dem sogenannten Halo nach Suzuka. Experten sind sich zwar einig, dass auch die Titanstreben Bianchi nicht gerettet hätten, doch die Sicherheit in der Königsklasse wurde durch die Einführung auf ein neues Level gehoben. Ausgerechnet Leclerc machte in der Premierensaison schon einschlägige Erfahrungen mit dem Halo: Ende August in Spa schoss der McLaren von Fernando Alonso nach einem Startcrash über Leclercs Sauber hinweg, der Cockpit-Schutzbügel trug einige Schäden davon, der Fahrer aber blieb unverletzt. 5,5 Tonnen lasteten laut Messungen des Automobil-Weltverbandes FIA auf dem Halo. Ob die Vorrichtung letztlich Leclercs Rettung war, konnte nicht zweifelsfrei belegt werden, da zwischen dem Halo und dem Helm eines Fahrers mehrere Zentimeter liegen. Dem Betroffenen war das aber letztlich gleich. «Heute war ich sehr froh, ihn über meinem Kopf zu haben», sagte Leclerc.

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