BETRUG: Verwirrung um ein Geständnis

Die Direktorin der russischen Antidopingagentur (Rusada) gibt in der «New York Times» erstmals die Vertuschung systematischen Dopings in Russland zu. Aus Russland kommen gleich die Dementi.

Peter Lerch/sda
Drucken
Teilen

Peter Lerch/SDA

Sie sei schockiert gewesen von den Enthüllungen dazu, die Regierung sei jedoch nicht involviert gewesen. Weitere Zitate der neuen russischen Antidoping-Direktorin Anna Anzeliowitsch gab es in dem in der Nacht auf Mittwoch Schweizer Zeit veröffentlichten Bericht nicht.

Das Eingeständnis wurde aus Russland umgehend kassiert. Die Aussagen in der renommierten und für ihre Seriosität gelobten «New York Times» seien verfälscht und aus dem Zusammenhang gerissen, teilte Anzeliowitschs eigene Behörde, die ­Rusada, mit. Auch der Kreml bezweifelte die Glaubwürdigkeit des Berichts. Erst müsse man prüfen, ob die Aussage so ge­fallen sei, wie sie Anzeliowitsch zugeschrieben werde, sagte Sprecher Dimitri Peskow.

«Es war eine institutionelle Verschwörung», hatte Anzeliowitsch laut «New York Times» gesagt. Dieser Wortlaut greift ­genau die Formulierung des Doping-Sonderermittlers Richard McLaren bei seinen Vorwürfen gegen Russland auf. Der Chefermittler der Welt-Antidoping-agentur (Wada) hatte Russland in seinen beiden Berichten an­gesichts von 1000 involvierten Sportlern Staatsdoping vor­geworfen und von einer «institutionellen Verschwörung» über ­mehrere Jahre und an mehreren sportlichen Grossereignissen hinweg, besonders auch an den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi, gesprochen.

Nachdem das IOC kurz vor Weihnachten ein Disziplinarverfahren gegen 28 Russen eingeleitet hatte, wurden vom Skiweltverband (FIS) sechs und vom Biathlon-Weltverband zwei Sportler gesperrt.

Legkow reicht Klage gegen die FIS ein

Einer von ihnen ist Langlauf-Olympiasieger Alexander Legkow. Er klagt genau wie sein Kollege Jewgeni Below gegen die Suspendierung. Die Klage gegen die FIS ist eingereicht. Bei der am Silvestertag beginnenden Tour de Ski will Legkow starten. In der FIS ist man sich des Risikos der Suspendierungen bewusst. «Aber wir mussten reagieren, weil die Saison im Langlauf jetzt mit der Tour de Ski schon weitergeht», sagte FIS-Präsident Gianfranco Kasper. Der 72-jährige Bündner gab in einem Gespräch mit der «Berliner Zeitung» zudem zu, dass der Entscheid des russischen Verbandes, den Langlauf-Weltcupfinal zurückzugeben, «auf einen gewissen Druck hin» fiel. Mittlerweile sind es fünf Grossereignisse, die in Russland geplant waren, nun aber wo­anders stattfinden. Nebst dem Langlauf-Weltcupfinal in Tjumen hat Russland auch den Weltcupfinal im Eisschnelllauf, den Biathlon-Weltcup, die Junioren-WM der Biathleten sowie die in Sotschi geplante Bob- und Skeleton-WM verloren.